Münsters Bischof ruft zu Solidarität mit Juden in Deutschland auf

Genn: Wer Juden beschimpft, beschimpft auch uns

Aktualisiert am 29.03.2018  –  Lesedauer: 
Genn: Wer Juden beschimpft, beschimpft auch uns
Bild: © KNA
Antisemitismus

Münster ‐ "Denjenigen, die Judenhass schüren, sagen wir, dass wir ihnen entschieden entgegentreten werden": Mit einem klaren Bekenntnis hat Münsters Bischof Felix Genn zum Kampf gegen Antisemitismus aufgerufen.

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Münsters Bischof Felix Genn hat dazu aufgerufen, Antisemitismus in Deutschland klar entgegenzutreten. "Wenn es in unserem Land auch nur die geringsten Anzeichen von Judenhass und Antisemitismus gibt, dann kann die Antwort, die wir als Christinnen und Christen geben, nur heißen: Null Toleranz", sagte der Bischof am Donnerstag in Münster.

Genn äußerte sich vor dem Hintergrund aktueller Nachrichten über antisemitische Vorfälle an Berliner Schulen. Am Montag hatte die "Berliner Zeitung" über einen Fall an einer Grundschule im Ortsteil Tempelhof berichtet. Demnach wurde dort ein jüdisches Mädchen von muslimischen Schülern angegriffen, "weil sie nicht an Allah glaubt". Zuvor habe ein Schüler auf die Angabe des Mädchens, dass sie Jüdin sei, das Wort "Jude" mehrfach in bedrohlichem Tonfall wiederholt. Zudem sei das Mädchen sogar schon einmal mit dem Tode bedroht worden.

Genn ruft zu Wachsamkeit und Sensibilität auf

"Denjenigen, die Judenhass schüren, sagen wir, dass wir ihnen entschieden entgegentreten werden. Antisemitismus ist überall, aber gerade in Deutschland, unerträglich. Wer die Juden beschimpft, der beschimpft auch uns", sagte Genn. Der Bischof nahm in diesem Zusammenhang auch Bezug auf eine Predigt, die er vor zwei Wochen zur Eröffnung der Woche der Brüderlichkeit gehalten hatte. In dieser hatte er angesichts antisemitischer Strömungen zu Wachsamkeit und Sensibilität aufgerufen und die Wichtigkeit der Erinnerung betont.

Teilnehmer der Demonstration "Steh auf! Nie wieder Judenhass!" am 14. September 2014 in Berlin.
Bild: ©picture alliance / dpa/Maja Hitij

Münsters Bischof Felix Genn ruft zu Solidarität mit den Juden in Deutschland auf.

Angesichts der jüngsten Ereignisse erneuerte Genn seinen Appell: "Die Erinnerung ist notwendig für die Zukunft, weil sie uns an die Wurzeln unseres Glaubens und unserer Kultur führt, und weil sie uns hilft, allen Kräften zu wehren, die eine so unsagbare Schandtat wie die Schoah möglich machten." Erinnerung führe zusammen an die tiefen Wurzeln, aus denen das christliche Abendland entstanden sei, das "bisweilen in unseren Tagen in einer Weise beschworen wird, die genau diesem Erbe entgegensteht", betonte der Bischof. Zu dieser Erinnerung gehöre vor allem die an die Schwestern und Brüder, die durch "das Feuer des Holocaust" gegangen seien.

Es sei beschämend, was das deutsche Volk und viele andere dem jüdischen Volk im Laufe "der sich christlich nennenden Geschichte" angetan hätten, so Genn. Dabei, so unterstrich der Bischof, sehe er durchaus, dass auch die Kirche im Laufe ihrer Geschichte hier "dunkle Seiten hat, die nicht zu übersehen sind". Es sei deshalb wichtig, "all denen zu wehren, die mit bewusstem oder unbewusstem oder oberflächlichem Antisemitismus neue Samenkörner legen, die nur in Gewalt und Verachtung enden können".

Bildungsministerin für Demokratieförderung an Schulen

Unterdessen kündigte die neue Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) an, mit ihren Amtskollegen aus den Bundesländern über ein gemeinsames Vorgehen gegen Antisemitismus und Mobbing aus religiösen Gründen an Schulen beraten zu wollen. "Die zunehmenden religiös motivierten Diskriminierungen und Gewalttaten an Schulen belegen, dass wir hier gemeinsam noch mehr tun müssen", schrieb Karliczek am Donnerstag in einem Brief an den Vorsitzenden der Kultusministerkonferenz, Thüringens Bildungsminister Helmut Holter (Linke).

Darin betonte die Ministerin, sie begrüße, dass die Kultusminister eine Empfehlung zur Demokratieförderung an Schulen verabschieden wollten. "Auch wenn Schule nicht der alleinige Ort sein kann und darf, an dem demokratische Werte und Toleranz gegenüber Andersdenkenden vermittelt werden, so kommt ihr dabei doch eine zentrale Rolle zu", so Karliczek. Sie wolle die Länder gerne bei ihrem Vorgehen unterstützen und das Thema bei der nächsten Plenarsitzung der Kultusministerkonferenz Mitte Juni in Erfurt vertiefen. (stz)