Heiner Wilmer über seine Pläne als Bischof von Hildesheim

"Scheue mich nicht davor, alte Zöpfe abzuschneiden"

Aktualisiert am 13.04.2018  –  Lesedauer: 
"Scheue mich nicht davor, alte Zöpfe abzuschneiden"
Bild: © scj.de
Bischöfe

Bonn/Hildesheim ‐ Plant der künftige Bischof von Hildesheim Veränderungen in seiner Diözese? Wie sieht er Gott und die Kirche? Und was kann er zu seiner eigenen Person verraten? Heiner Wilmer gibt Antworten.

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Der designierte Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer scheut sich nicht vor Veränderungen in seiner künftigen Diözese. "Ich habe Respekt vor den gewachsenen Strukturen und Traditionen, gehe da aber angstfrei ran", sagte er im Interview der Hildesheimer "KirchenZeitung" am Mittwoch. Traditionen seien gut, wenn sie heute das Leben bereicherten. Er scheue sich jedoch nicht davor, "alte Zöpfe abzuschneiden und neue Wege vorzuschlagen", so Wilmer. Welche Veränderungen er sich konkret vorstellen könne, darauf wollte der ernannte Bischof noch nicht antworten. Mit solchen Ankündigungen sei er "zurückhaltend". Im ersten Jahr möchte er zunächst ankommen, zuhören, Besuche machen und durchs Bistum fahren, so Wilmer. "Dann sehen wir weiter." Die Kirche könne und müsse sich jedenfalls noch mehr öffnen, ohne ihr Erbe zu verraten oder sich aufzugeben.

Sich selbst charakterisiert Wilmer im Interview "durch und durch als Gemeinschaftsmensch und Teamarbeiter". Allein sei man zwar schneller, gemeinsam komme man hingegen weiter. Bei allen nötigen Anstrengungen wisse er auch um "die Begrenztheit des menschlichen Handelns", so Wilmer weiter. Zudem sei ihm persönlich Humor "ganz wichtig".

Gott ist nicht "nett"

Angesprochen auf den Titel seines Buches "Gott ist nicht nett", gab der designierte Bischof auch Auskunft über sein Gottesbild. Das Wort "nett" habe eine doppelte Bedeutung. Im Buchtitel meine es einen Mann, der keine Ecken und Kanten habe, der niemanden herausfordere. "So ist Gott nicht, im Gegenteil", sagte Wilmer. Heute sei die Gottesvorstellung häufig "weich gespült". Doch was Gott letztlich ist, "wissen wir nicht". Er bleibe ein Geheimnis.

Der künftige Bischof verriet schließlich auch, dass er ursprünglich keine Priesterlaufbahn anstrebte. "Bis zu meinem 14. Lebensjahr wollte ich Bauer werden", so Wilmer, der auf einem Emsländer Bauernhof aufwuchs. Später erfolgte dann doch der Eintritt in die Gemeinschaft der Herz-Jesu-Priester. An der Kongregation, dessen Generaloberer er heute ist, schätze er besonders, dass nicht das Kirchenrecht oder das Dogma im Vordergrund stünden, sondern der Mensch. Und sein größtes Hobby? "Radfahren. Das musste ich mir allerdings in den letzten drei Jahren verkneifen", sagte Wilmer. "Fahrradfahren in Rom ist zu gefährlich."

Heiner Wilmers Ernennung zum Bischof von Hildesheim war am Freitag bekanntgegeben worden. Voraussichtlich im September soll er im Hildesheimer Mariendom zum Bischof geweiht werden. Damit tritt er als 71. Oberhirte der Diözese die Nachfolge von Norbert Trelle an, der im vergangenen September altersbedingt in den Ruhestand ging. (tmg)