Matthias Ring im Porträt
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Konvertieren nicht mehr so viele römische Katholiken?

Zahl der Altkatholiken in Deutschland geht zurück

Die altkatholische Kirche kennt keinen Zölibat und weiht Frauen zu Priestern. Das bewog manch enttäuschten Katholiken zum Übertritt. Doch damit könnte es nun laut der neuesten Statistik vorbei sein.

Bonn - 25.04.2018

Die Zahl der Altkatholiken in Deutschland ist nach eigenen Angaben "spürbar gesunken". Laut einer Mitteilung des "Katholischen Bistums der Alt-Katholiken in Deutschland" vom Dienstag gab es 2017 bundesweit insgesamt 15.556 Altkatholiken und damit 354 weniger als im Vorjahr. 2015 hatte sich die Zahl der Mitglieder noch um 209 erhöht. Deutlich zurück ging auch die Zahl der Beitritte. Sie sank von 214 im Jahr 2016 auf 149. Die Austritte nahmen in diesem Zeitraum leicht zu und stiegen von 96 auf 108.

Der altkatholische Bischof Matthias Ring kommentierte diese Entwicklung mit den Worten: "Es könnte sein, dass die Zeiten zu Ende gehen, in denen vor allem römisch-katholische Christen in unserer Kirche eine Alternative sahen." Er forderte, das missionarische Profil der altkatholischen Kirche zu stärken.

Die altkatholische Kirche wirbt teils gezielt um Katholiken mit dem Hinweis, dass zentrale Forderungen mancher Katholiken in Deutschland wie die Abschaffung des Zölibats und die Einführung des Frauenpriestertums in der altkatholischen Kirche bereits verwirklicht seien. 

Die altkatholischen Kirchen entstanden Ende des 19. Jahrhunderts durch Abspaltungen von der römisch-katholischen Kirche. Anlass war der Protest gegen zentrale Beschlüsse des Ersten Vatikanischen Konzils (1869/70). Altkatholiken lehnen die vom Konzil unter bestimmten Bedingungen definierte päpstliche Unfehlbarkeit in Fragen des Glaubens und der Sitte ab. Gleiches gilt für den sogenannten päpstlichen Jurisdiktionsprimat, also die oberste Leitungsgewalt des Papstes in der Kirche, den das Konzil verbindlich festschrieb. Die Altkatholiken in Deutschland sind in einem Bistum organisiert, Bischofssitz ist Bonn. (tja)