Nach seiner Weihe zieht Bischof Franz Jung erstmals segnend durch die Gemeinde im Würzburger Kiliansdom.
Würzburg begrüßt seinen neuen Bischof Franz Jung

Jung und hoffnungsvoll

Bistum Würzburg - Das Bistum Würzburg hat einen neuen Bischof. Und der passt: Mit seinem unterfränkischen Amtssitz wird der Pfälzer Franz Jung gut zurecht kommen. Dabei hilft ihm seine starke Hoffnung - und ein herzhaftes Lachen.

Von Kilian Martin |  Würzburg - 10.06.2018

Hoffnung ist das Thema des neuen Würzburger Bischofs Franz Jung. Eine ganz dringende Hoffnung, die wohl einige seiner neuen Schäfchen am Sonntag gehegt hatten, konnte er allerdings nicht erfüllen: Abkühlung. So wurde es eine tropische Bischofsweihe in der fränkischen Bischofsstadt. Dem Wunsch vieler hundert Gläubiger, bei der Weihe ihres neuen Oberhirten dabei zu sein, taten die hitzigen Temperaturen immerhin keinen Abbruch. Schon eine Stunde vor Öffnung des Domes – und damit zweieinhalb Stunden vor Beginn des Gottesdienstes – warteten einige von ihnen vor dem Hauptportal auf Einlass. ­

Humor zieht sich durch den Nachmittag

Erzbischof Ludwig Schick aus Bamberg setzte bei seiner Predigt dann den Rahmen für den weiteren Verlauf des Nachmittags. Tiefen Glauben, viel Sinn für Realität und Verantwortung des Amtes, und vor allem launigen Humor trug er seinem neuen Amtsbruder vor. Das naheliegende Wortspiel "er heißt nicht nur Jung, er ist auch jung" sorgte für herzhaftes Lachen – kein Einzelfall in diesem Weihegottesdienst.

Schicks Hinweis, dass um der Zukunft Willen auch manche Reform der kirchlichen Struktur vorgenommen werden muss, passt zur Realität des Bistums Würzburg. Jungs Vorgänger im Amt, Bischofs Friedhelm Hofmann, hatte noch kurz vor seinem Rücktritt im vergangenen Jahr einen entsprechenden Reformprozess angestoßen. Der Diözesanrat hatte bereits damals ebenfalls klare Wünsche und Vorstellungen für die Zukunft der Diözese formuliert, bereits gerichtet an Hofmanns damals noch nicht bekannten Nachfolger.

Den Herausforderungen der Zukunft hält Jung wie in seinem ganzen Wirken das Prinzip Hoffnung entgegen. Wer unbekannte Herausforderungen bewältigen will, müsse immer darauf hoffen, "dass Abbrüche nicht Untergang bedeuten, sondern die Einladung sind, noch einmal neu zu beginnen", sagte der neue Bischof in seiner Dankansprache. Und: "Christus als Hoffnungsanker verleiht seiner Kirche eine ungeheure Dynamik." Als ehemaliger Generalvikar, der in Speyer einen umfangreichen Umbau der Bistumsstruktur geleitet hatte, ist Jung nicht nur spirituell, sondern auch fachlich gut gerüstet.

Dass mit dem erst 52-jährigen Jung in Würzburg tatsächlich einiges in Bewegung kommen dürfte, konnte man am Sonntag bereits erahnen, ganz exemplarisch an der musikalischen Gestaltung des Gottesdienstes erahnen. Der neue Bischof hatte sich die ihm eng verbundene Gemeinschaft von Jerusalem aus Köln eingeladen, um eine sehr moderne und sehr besondere Variante der Allerheiligenlitanei zu singen. Die Spiritualität der jungen, gemischten Ordensgemeinschaft habe es dem neuen Bischof angetan. Wie viel davon er vielleicht dauerhaft vom Rhein an den Main holen wird, kündigte er allerdings noch nicht an.

Tosender Applaus für den neuen Bischof

Am unterfränkischen Main jedenfalls ist die Vorfreude groß. Wie groß, wurde bei Jungs Inthronisierung spürbar. Tosender Applaus begleitete den Zug des Neugeweihten zur Kathedra. Als Jung seinen Platz auf dem Bischofsstuhl ein- und damit das Bistum in Besitz nahm legten die Gläubigen sogar noch einmal zu. Ein hochemotionaler Moment, sicher nicht nur für den gelöst grinsenden Bischof Jung. Die Erleichterung war spürbar, trotz der weiterhin drückenden Hitze.

Jungs Fähigkeit, ehrlich herzhaft zu lachen, sprang auch auf die gemeinhin als eher trocken-zurückhaltend geltenden Franken über. Gerade mit Blick auf die mehrfach erwähnten Herausforderungen der Zukunft, denen sich das Bistum bald wird stellen müssen, ein positives Signal. Dass der neue Bischof unmittelbar nach seiner Amtsübernahme den bisherigen Generalvikar sowie den Offizial im Amt bestätigte, spricht ebenfalls dafür, dass Bischof und Bistum zusammenpassen.

Weihe Franz Jung zum Bischof von Würzburg.
Bild: © katholisch.de

Erzbischof Ludwig Schick weiht Franz Jung durch Handauflegung und Gebet zum Bischof von Würzburg.

Dass der Pfälzer Jung in Würzburg gut anzukommen scheint, dürfte nicht zuletzt an seiner kulturellen Nähe zu den Franken liegen. Nicht selbstverständlich, denn in Würzburg ist so manches anders als in anderen Bischofsstädten. So saß in der ersten Reihe des Domes nicht etwa der Oberbürgermeister, sondern die Weinkönigin. Sie hatte allerdings auch eine liturgische Funktion und durfte Jung bei der Gabenprozession ein Zehn-Liter-Fässchen fränkischen Silvaner überreichen. Den Wein besingt auch das Frankenlied, welches Jung am Schluss der Messe in einer "Speyerer Umdichtung" zitierte: "Drum reicht mir Stab und Bischofskleid, mit wehenden Talaren / will ich zur schönen Sommerzeit ins Land der Franken fahren". Die Würzburger quittierten auch das mit Lachen.

Obwohl Jung mit seiner Weihe nun auch ganz offiziell in Würzburg angekommen ist, wird er sich in den kommenden Tagen tatsächlich noch einmal auf die Reise machen. Geplant sind Besuche in den Regionen des Bistums, um sich vorzustellen und die Menschen kennen zu lernen. Beides wird ihm, das zeigte er schon am Sonntag in der Bischofsstadt, nicht schwer fallen.

Die Gabe zu Geselligkeit und einem ungezwungenen Austausch mit den Menschen verbindet ihn mit seinem Vorgänger Hofmann. Während allerdings der neue Bischof nach dem Gottesdienst umringt von dutzenden Gratulanten kaum fünf Meter aus dem Dom treten konnte, stand der Vorgänger daneben und beobachtete die Szene in Ruhe. Und mit der Hoffnung auf eine gute Zukunft mit dem jungen Bischof, wie er sagte.

Von Kilian Martin

Linktipp: Bistum Würzburg: Franz Jung zum Bischof geweiht

Der 52-jährige frühere Generalvikar von Speyer ist am Sonntagnachmittag zum Bischof geweiht worden. In seiner Predigt gab der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick dem neuen Hirten einige grundlegende Ratschläge mit auf den Weg.