Ein satirischer Wochenrückblick von Joachim Heinz

Sommerloch? Später!

Sommerloch? Später!
Bild: katholisch.de/pathdoc/Fotolia.com

"Abschieben" ist offenbar ein ganz heißes Eisen in der großen Politik. Für den kleinen Mann heißt das Problem eher Aufschieben. Die Experten sprechen von Prokrastination. "Gieß mich!", schreit der von der Sonne ausgedörrte Rasen. "Ich gieß' mir erstmal selber einen", murmelt das von der Hitze weichgekochte Hirn. "Lass mal wieder in einen Gottesdienst gehen", schlägt das mehr oder weniger schlechte Gewissen vor. "Im Freibad wär's jetzt aber auch nicht schlecht", flötet der innere Schweinehund.

Wir alle sind auf der Suche nach Ankerzentren, in denen wir unsere Pflichten an den Haken hängen können, nach Ausschiffungsplattformen, von denen aus wir unsere guten Vorsätze in See stechen lassen, Destination Nirgendwo. Immerhin: Bayerns Ministerpräsident Markus Söder will in einem Fall standhaft bleiben. Den Begriff "Asyltourismus" möchte er fürderhin nicht mehr im Munde führen, kündigte der CSU-Mann an.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, findet dafür wiederum lobende Worte – und möchte weiterhin den Dialog mit den Christsozialen suchen. "Ich bin sehr zuversichtlich, dass es in den Gesprächen zu Lernerfahrungen auf beiden Seiten kommt." Noch schwieriger als bei der CSU ist es bei der AfD – auch wenn beide Parteien in der Flüchtlingsfrage, wie es scheint, ähnlich hart am Wind segeln.

Dominikanerpater Wolfgang Ockenfels hätte da allerdings einen Tipp – für die Kirchen und die AfD: "Vielleicht sollten beide Seiten zunächst einmal verbal abrüsten." Das bedeute "Verzicht auf primitive Polemik, Diffamierung und Denunziation". Der Sozialethiker, seit kurzem Mitglied im Kuratorium der AfD-nahen Desiderius-Erasmus-Stiftung, äußerte sich in der "Tagespost" auch zu der Kritik des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) an seinem neuen Posten. Der Name des ZdK erinnere ihn "an die unseligen Zeiten des SED-Zentralkomitees", polterte Ockenfels, dessen Chef Thomas Sternberg sei "keine kirchliche Autorität, sondern ein Parteiinteressenvertreter, der die Merkel-Politik absegnet".

Gar nicht so einfach, die Sache mit dem verbalen Abrüsten, gell? Aber vielleicht verschafft die Sommerpause ja dem ein oder anderen Hitzkopf ein Atempäuschen. Wie wär's beispielsweise mit einem Besuch eines Marienwallfahrtsorts? Was, der innere Schweinhund mag nicht mit? Dann ab zu den Bayreuther Wagner-Festspielen! Die beiden Erzbischöfe Ludwig Schick und Heiner Koch gehen auch hin. Allerdings gelte es, so Schick, die Wirkungsgeschichte Wagners in der Zeit des Nationalsozialismus im Hinterkopf zu behalten. Bei Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Bischof. "Man darf sich nicht von der Musik einlullen lassen", mahnt Schick. Von der Politik übrigens auch nicht. In diesem Sinne: Genießen Sie den Sommer – aber bleiben Sie wachsam!

Joachim Heinz

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"War's das?!" fragt katholisch.de in seinem satirischen Wochenrückblick. Im Wechsel lassen verschiedene Autoren freitags die zu Ende gehende Woche Revue passieren. Mit einem Augenzwinkern blicken sie auf Kurioses und Bemerkenswertes in der katholischen Welt zurück.

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