Eine schwangere Frau hält ein Ultraschallbild ihres ungeborenen Kindes.
Zahl seit 2003 um 40 Prozent zurückgegangen

Bericht: Immer weniger Ärzte führen Abtreibungen durch

Lebensschutz - Immer weniger Arztpraxen und Kliniken führen Schwangerschaftsabbrüche durch. Ein Gynäkologe klagt: Teilweise über 200 Kilometer zu einer Abtreibung fahren zu müssen, sei für die Betroffenen "unzumutbar".

Berlin - 24.08.2018

Bundesweit gibt es nach einem Medienbericht immer weniger Arztpraxen und Kliniken, die Schwangerschaftsabbrüche durchführen. Die Zahl ist nach Angaben des Statistischen Bundesamtes seit 2003 um 40 Prozent zurückgegangen - von 2.000 auf 1.200 Stellen, wie das ARD-Politikmagazin Kontraste am Donnerstag berichtete. In einigen Regionen Deutschlands müssten Frauen weit fahren, weil sie keinen Arzt fänden, der bei ihnen eine Abtreibung durchführe.

In dem Beitrag kommt ein Gynäkologe mit der Aussage zu Wort: "Über 200 Kilometer zu einer Abtreibung fahren zu müssen, ist für die Betroffenen unzumutbar." Weiter heißt es, in Städten wie Trier oder Hamm gebe es mittlerweile keine Einrichtung mehr, in der Abtreibungen möglich seien.

Von Lebenssschützern diffamiert

Für die Bundesärztekammer ist der zunehmende Druck "militanter Abtreibungsgegner" ein Grund für den Rückgang. "Wir haben großes Verständnis für jeden Arzt, der unter den derzeit herrschenden Bedingungen keine Schwangerschaftsabbrüche vornehmen möchte", sagte Ärztepräsident Frank Ulrich Montgomery dem Magazin. "Wir würden sehr begrüßen, wenn die Politik sicherstellt, dass Ärzte betroffene Frauen nach medizinischen Standards versorgen können, ohne von so genannten 'Lebensschützern' diffamiert und in der Ausübung ihres Berufes zum Teil massiv gestört zu werden."

Die Bundesländer sind gesetzlich verpflichtet, eine ausreichende Versorgung sicherzustellen. Rund die Hälfte von ihnen erhebt laut Kontraste-Recherchen jedoch keine entsprechenden Kontaktdaten von Gynäkologen, darunter Baden-Württemberg, Brandenburg und Nordrhein-Westfalen. Allein Berlin und Hamburg veröffentlichen demnach solche Listen online. (tmg/KNA)