Kloster Neuzelle nach 200 Jahren neu gegründet
Sechs Mönche aus Heiligenkreuz beleben Brandenburger Konvent neu

Kloster Neuzelle nach 200 Jahren neu gegründet

Klöster - Historischer Tag in Neuzelle: In dem kleinen brandenburgischen Ort ist am Sonntag ein neues Zisterzienserkloster gegründet worden. Rund 1.800 Gläubige verfolgten die Gründungszeremonie.

Von Steffen Zimmermann |  Neuzelle - 02.09.2018

Freudentag in Neuzelle: Nach rund 200 Jahren Unterbrechung ist am Sonntag in dem brandenburgischen Ort wieder ein Zisterzienserkloster errichtet worden. 750 Jahre nach der Gründung des ersten Klosters, das 1817 vom preußischen Staat geschlossen worden war, leben damit erstmals wieder dauerhaft Mönche in Neuzelle.

Die Neugründung des Klosters fand im Rahmen der jährlichen Bistumswallfahrt des Bistums Görlitz statt, auf dessen Gebiet Neuzelle liegt. Bei einem Wallfahrtshochamt in der Stiftskirche St. Mariä Himmelfahrt auf dem historischen Klostergelände verlas der Abt des österreichischen Zisterzienserstifts Heiligenkreuz, Maximilian Heim, in Gegenwart des Görlitzer Bischofs Wolfgang Ipolt die Gründungsurkunde des Klosters (siehe unten). Außerdem fragte er die sechs "Gründermönche", die das klösterliche Leben in Neuzelle wiederbeleben sollen, nach ihrer Bereitschaft, in dem Ort an der deutsch-polnischen Grenze ein "monastisches Leben zur Ehre Gottes und dem Heil der ganzen Welt" zu führen.

Die sechs Neuzeller Gründermönche: Pater Isaak, Pater Aloysius, Pater Kilian, Pater Prior Simeon, Pater Konrad und Pater Alberich (v.l.) im August 2018 im Stift Heiligenkreuz

In seiner Predigt hatte Bischof Ipolt die Mönche zuvor in Neuzelle begrüßt. Die Zisterzienser sollten mit ihrem monastischen Leben zeigen, dass sich die Suche nach Gott lohne und sie einen Menschen glücklich machen und erfüllen könne. "Seien Sie frohe Gefährten für die Menschen, die hierher nach Neuzelle kommen und nach Antworten für ihr Leben suchen. Ich bin sicher: Wenn Sie selbst Gottsucher bleiben, wird das andere anstecken und einladen. Nicht mehr und nicht weniger erwarten Gott und das Gottesvolk von Ihnen", sagte Ipolt.

1.800 Gläubige in und vor der Stiftskirche

An dem Hochamt nahmen direkt in der Kirche und bei einer Liveübertragung auf dem Stiftsplatz vor dem Gotteshaus rund 1.800 Menschen teil. Zu den Ehrengästen gehörten unter anderen der Berliner Erzbischof Heiner Koch, Regensburgs Bischof Rudolf Voderholzer, der polnische Bischof Tadeusz Lityniski aus dem Görlitzer Nachbarbistum Zielona Gola sowie die brandenburgische Kulturministerin Martina Münch (SPD), die auch Vorsitzende der landeseigenen Stiftung Stift Neuzelle ist, die die im staatlichen Besitz befindliche historische Klosteranlage verwaltet.

Das Neuzeller Kloster wurde als abhängiges Tochterkloster (Priorat) des Stifts Heiligenkreuz gegründet. Die "Gründermönche", die allesamt zuvor im Mutterkloster in der Nähe von Wien gelebt hatten und sich nach dem Hochamt auf einer Bühne der Bevölkerung vorstellten, sind die Pater Simeon Wester, Kilian Müller, Konrad Ludwig, Aloysius Zierl, Isaak Käfferlein und Alberich Fritsche. Simeon Wester steht der kleinen Gemeinschaft als Prior vor, Kilian Müller ist für die ökonomischen Aufgaben und die Öffentlichkeitsarbeit verantwortlich. Konrad Ludwig, Alberich Fritsche und Isaak Käfferlein engagieren sich in der Seelsorge und Aloysius Zierl in Haushalt und Sakristei.

Themenseite: Neugründung von Kloster Neuzelle

Nach 200 Jahren Unterbrechung ist das Zisterzienserkloster Neuzelle am 2. September 2018 als Tochterkloster des österreichischen Stifts Heiligenkreuz neu gegründet worden. Die Themenseite präsentiert alle katholisch.de-Artikel zu diesem Thema.

Die Neugründung des Klosters erfolgte auf Einladung von Bischof Ipolt. Er hatte sich im Frühjahr 2014 erstmals mit der Idee der Wiederbesiedelung an das Stift Heiligenkreuz gewandt. Nachdem Abt Heim das Ansinnen zunächst abgelehnt hatte, stimmte das Kapitel von Heiligenkreuz nach einer erneuten Anfrage Ipolts im November 2016 doch dafür, die Einladung anzunehmen und eine Wiederbesiedelung des brandenburgischen Klosters zu prüfen. Im August vergangenen Jahres waren zu diesem Zweck vier Mönche nach Neuzelle gekommen, um in einem "Probekonvent" die Bedingungen vor Ort zu untersuchen und die Neugründung vorzubereiten. Im Rahmen dieses Prozesses hatten das Bistum Görlitz und das Stift Heiligenkreuz im April gemeinsam bekannt gegeben, Kloster Neuzelle am 2. September offiziell als Priorat wiederzugründen.

Die sechs Mönche werden zunächst im katholischen Pfarrhaus auf dem historischen Klostergelände leben. Langfristig will der Zisterzienserorden jedoch nach am Montag bekanntgegeben Plänen ein komplett neues Klostergebäude in der Nähe von Neuzelle bauen; der Standort und die genaue Finanzierung des Projekts stehen aber noch nicht fest.

Bischof Voderholzer: Klostergründung ist "historischer Augenblick"

Erzbischof Koch sagte nach der Gründung, die Präsenz der Mönche in der Kirche und auf dem Klosterplatz von Neuzelle werde ein großes Hoffnungszeichen sein. Bischof Voderholzer bezeichnete die Neugründung des Klosters als "historischen Augenblick". Es sei ihm ein großes Anliegen gewesen, an der Gründung des Konvents teilzunehmen und so seine Wertschätzung für das Projekt zum Ausdruck zu bringen. Er hoffe, dass das Kloster ausstrahle und sich zu einem Segen für die Region entwickle. "In der Geschichte der Kirche und der Menschheit haben immer kreative Minderheiten Erstaunliches bewirkt", betonte Voderholzer mit Blick auf die sechs "Gründermönche".

Der Görlitzer Bischof Wolfgang Ipolt (M., während des Wallfahrtshochamtes) gilt als Initiator der Neugründung.

Der evangelische Berliner Bischof Markus Dröge äußerte in einem Grußwort die Hoffnung, dass die Neugründung des Klosters "der ganzen Region, dem Bistum Görlitz und auch unserer Kirche" gut tun werde. Die Zisterzienser könnten dabei helfen, dem christlichen Zeugnis in Brandenburg "einen neuen, freundlichen und tiefgründigen Farbtupfer" zu geben.

Dröge zeigte sich zudem beeindruckt von der Lebensweise der Zisterzienser. Das geistliche Leben der Mönche, das er bei einem Besuch von Stift Heiligenkreuz im Juli kennengelernt habe, sei eindrücklich, aber auch offen und humorvoll. "Und natürlich ganz anders als meine evangelische Art, den Glauben zu leben", so der Bischof. Seit er erlebt habe, "wes Geistes Kind die Zisterziensermönche vom Heiligenkreuz sind", freue er sich umso mehr, dass Neuzelle nun wieder ein solches geistliches Leben bekomme.

Von Steffen Zimmermann

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Wortlaut der Gründungsurkunde von Kloster Neuzelle

Im Namen des Herrn.

Frater Maximilian Heim, Abt des Klosters Unserer Lieben Frau zum Heiligen Kreuz, an seine geliebten Söhne: Fr. Simeon Wester, Mönch und Priester von Heiligenkreuz, Fr. Kilian Müller, Mönch und Priester von Heiligenkreuz, Fr. Konrad Ludwig, Mönch und Priester von Heiligenkreuz, Fr. Aloysius Maria Zierl, Mönch und Akolyth von Heiligenkreuz, Fr. Alberich Maria Fritsche, Mönch und Akolyth von Heiligenkreuz, Fr. Isaak Maria Käfferlein, Mönch und Diakon von Heiligenkreuz.

Wir senden euch aus unserem Kloster in die Diözese Görlitz, wo ihr mit Zustimmung des hochwürdigsten Herrn Bischofs Wolfgang Ipolt bei der ehemaligen Abtei Unserer Lieben Frau von Neuzelle das klösterliche Leben nach der Regel unseres heiligen Vaters Benedikt und den Gebräuchen des Zisterzienserordens beginnt, in dem neu zu gründenden, von Heiligenkreuz abhängigen Kloster.

Fr. Simeon sei der erste Prior dieses Klosters.

Gegeben in unserem Kloster zu Heiligenkreuz am Hochfest des hl. Abtes Bernhard im Jahre des Herrn 2018.

+ Maximilian Heim OCist, Abt