Junge Engländer: Nur 2 Prozent sehen sich als Anglikaner
Kirchenbindung bei Katholiken doppelt so hoch

Junge Engländer: Nur 2 Prozent sehen sich als Anglikaner

In Großbritannien ist Robbie Williams bekannter als Jesus. Kein Wunder also, dass die "Church of England" in den letzten Jahren viele Mitglieder verloren hat. Wie viele es wirklich sind, zeigt eine aktuelle Studie.

London - 10.09.2018

Die "Church of England" befindet sich in einer tiefen Krise: Nur zwei Prozent der jungen Erwachsenen in England identifizieren sich mit der anglikanischen Kirche. 2002 seien es noch neun Prozent der Bevölkerung zwischen 18 und 24 Jahren gewesen, berichtete die britische Tageszeitung "The Guardian" am Freitag. Laut der 35. "British Social Attitudes Survey" bekannten sich im vergangenen Jahr 14 Prozent der Gesamtbevölkerung zur "Church of England". Zum Vergleich: 2002 waren es noch 31 Prozent.

Der größte Rückgang war laut Studie unter den 45 bis 54 Jahre alten Engländern von 35 Prozent im Jahr 2002 auf elf Prozent (2017) zu verzeichnen. Die meisten Anhänger der anglikanischen Kirche finden sich mit 30 Prozent in der über 65-jährigen Bevölkerung. 52 Prozent der Bevölkerung gehörten 2017 keiner Religion an. Besonders hoch war diese Zahl mit 70 Prozent bei den jungen Erwachsenen. Als Katholiken bezeichneten sich laut Studie acht Prozent der Bevölkerung. Von diesen besuchten 42 Prozent mindestens einmal im Monat den Gottesdienst. Unter den Anhängern der anglikanischen Kirche lag die Zahl bei 21 Prozent.

Linktipp: Vom Aussterben bedroht?

Die anglikanische Kirche von England will bei ihrer Generalsynode erneut über die Zulassung von Frauen zum Bischofsamt diskutieren. Außerdem soll verstärkt gegen Homosexuellenfeindlichkeit in den eigenen Schulen vorgegangen werden. Der frühere Erzbischof von Canterbury sieht seine Kirche aber trotz aller Bemühungen vom Aussterben bedroht. (Artikel vom November 2013)

Für Roger Harding vom "National Centre für Social Research", das die Studie durchgeführt hat, belegen die Zahlen einen "nicht anhaltenden Schwund der Mitglieder der 'Church of England' und 'Church of Scotland'". In jeder Altersgruppe seien die Nicht-Religiösen mittlerweile die größte Gruppe. Die Volkskirche in Großbritannien sei bereits seit vielen Jahren nicht mehr existent, gibt auch Dave Male, Direktor für Evangelisierung der "Church of England", zu. Heute sei "die Identifikation mit dem Glauben eine bewusste Entscheidung", so Male. "Unserer Erfahrung nach haben Menschen aller Altersgruppen nie aufgehört, nach dem Sinn des Lebens und Antworten auf ihre Fragen zu suchen."

Angesichts der Ergebnisse der Studie fordert die Atheisten-Vereinigung "Humanists UK" hingegen ein Ende der kirchlichen Privilegien: "Es ist unhaltbar, dass die Kirche weiterhin ein Drittel aller staatlich finanzierten Schulen betreibt." Zudem setzen sich die Humanisten für die Abschaffung der 26 Sitze von Bischöfen im britischen Oberhaus, dem "House of Lords", ein. (rom)