Angeklagter gesteht Tötung von Berliner Pfarrer
So soll sich die Tat abgespielt haben

Angeklagter gesteht Tötung von Berliner Pfarrer

Im Fall des vor neun Monaten getöteten Berliner Pfarrers hat der Angeklagte die Tat vor Gericht gestanden. Die Erklärung des 27-Jährigen enthält so grausame wie kuriose Details zum Tathergang.

Berlin - 22.11.2018

Neun Monate nach der Tötung des katholischen Berliner Pfarrers Alain-Florent Gandoulou (54) hat der Angeklagte ein Geständnis abgelegt. In einer von seinem Verteidiger verlesenen schriftlichen Einlassung erklärte der 27-jährige Mann aus Kamerun am Donnerstag vor dem Landgericht Berlin, den Priester am 22. Februar nachts in dessen Gemeindebüro mit einem Metallkreuz mehrfach auf den Kopf geschlagen und ihm einen Regenschirm in den Mund gerammt zu haben. Durch die laut Anklageschrift "massive Schädelverletzung" starb Gandoulou.

Er sei sich bewusst, dass er den Angehörigen des Pfarrers "unermesslich großes Leid zugefügt habe", hieß es in der Erklärung des Angeklagten am dritten Prozesstag. Ein "böser Geist" habe ihn zu der Tat getrieben, er sei nicht mehr er selbst gewesen. Der Angeklagte ist seit seiner Festnahme in einer geschlossenen psychiatrischen Einrichtung untergebracht. Ein vorläufiges psychiatrisches Gutachten liegt dem Gericht den Angaben zufolge vor.

Der aus dem Kongo stammende Gandoulou hatte die französischsprachige Kirchengemeinde Berlins seit 2009 geleitet. Der Angeklagte, der 2014 als Flüchtling nach Deutschland kam, lernte nach eigenen Angaben die Gemeinde 2015 kennen. Den Pfarrer habe er sehr geschätzt. Er beschrieb sich selbst als "gläubig". Er sei Christ, aber auch mit den traditionellen Vorstellungen seiner Heimat aufgewachsen. "Ich glaube an Geister und Hexerei", so der Angeklagte. Er sei davon überzeugt, dass seine Familie in Kamerun verflucht worden sei.

Pfarrer wehrte sich nicht

Zwei Wochen vor der Tat habe er eine Veränderung an sich bemerkt, gab der Angeklagte weiter an. Er habe nicht mehr schlafen und nicht mehr essen können. Zudem habe er sich große Sorgen um seinen Bruder gemacht. Dieser sei von einem bösen Geist besessen gewesen. Einen Tag vor der Tat habe er seinen ebenfalls in Deutschland lebenden Bruder besucht, so der Angeklagte. Er habe gespürt, "wie der böse Geist auf mich überging".

Am darauffolgenden Tag habe er den Priester abends aufgesucht, um sich helfen zu lassen und mit ihm zu beten. "Ich hatte Angst und das Gefühl, verfolgt zu werden." Beim gemeinsamen Gebet habe er Stimmen gehört, die ihn aufforderten, den Priester zur Rede zu stellen. Daraufhin habe er angefangen, den Pfarrer zu schlagen. Dieser habe sich nicht gewehrt, nur auf Deutsch um Hilfe gerufen. In der kommenden Wochen sind weitere Verhandlungen angesetzt.

In einem Nachruf hatte der Berliner Erzbischof Heiner Koch das "große Engagement" Gandoulous für seine Gemeinde aus "Diplomaten, Kaufleuten, Wissenschaftlern und Geflüchteten" gewürdigt. Er habe die Gemeinde durch sein musikalisches Talent geprägt und sei "auch in sozialen Belangen immer ansprechbar" gewesen. Im "Rat der Muttersprachlichen Gemeinden" des Erzbistums habe Gandoulou die Anliegen der Katholiken aus anderen Ländern vertreten. (tmg/KNA)