Von Berufsbachelorette bis Bronzering
Ein satirischer Wochenrückblick von Alexander Brüggemann

Von Berufsbachelorette bis Bronzering

Platon lehrte, dass die sinnlich wahrnehmbaren Dinge ihre Existenz den Ideen verdanken, durch die sie bestimmt werden. Was die Bildungsministerin im Deutschland Ende 2018 ontologisch daraus macht, schaut sich Alexander Brüggemann im satirischen Wochenrückblick an.

Von Alexander Brüggemann |  Bonn - 01.12.2018

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek will die beruflichen Ausbildungen stärken. Finde ich gut. Im "Zeit"-Interview plädiert die CDU-Politikerin dafür, die akademischen Grade "Bachelor" und "Master" künftig auch für Berufsabschlüsse zu verwenden. Praktische Ausbildung und theoretisches Studium wüchsen immer enger zusammen, argumentiert sie.

Deshalb finde sie es auch "richtig, wenn der Kfz-Meister zusätzlich die Bezeichnung 'Berufsbachelor in Kfz-Technik' führen darf." Und der Pfeffer darf sich künftig auch Milch nennen, wenn ihm danach ist, und die Tankstelle heißt grüner Salat. Alles andere wäre diskriminierend und intolerant. Schließlich sind alle irgendwie hilfreich und auch auf dem Markt.

Abi für alle, Studium für alle, akademische Grade für alle. Was sind die nächsten Schritte? Eine Bachelorette in Supermarktregalbefüllung? Master of Kindergartenabsolvent? Ein Lehrstuhl in Erstligakickerei für Franck Ribery – für habilitationsähnliche Leistungen auf’m Platz. Und beim nächsten Konsistorium die Kardinalswürde für Oli Kahn. Rot ist ohnehin Bayern-Farbe – und außerdem kann "King Kahn" enorm gut mit "diesem enormen Druck" umgehen. Uli Hoeneß wird dann emeritierter Berufsbachelor für Elfmeterverschießen beim EM-Finale 1976.

Überhaupt: Wir Alten können uns doch in dieser modernen Welt gar nicht mehr zurechtfinden. Erst das Aus für die Lindenstraße – "das traditionelle Format kann nicht mehr die Realitäten der heutigen Gesellschaft abbilden", ah so! – wie könnte man die denn überhaupt noch anders abbilden als durch "Reality TV"? Und nun auch das Aus für die Cebit. Da hatten wir doch eben noch die Marktneuheiten von Commodore und Atari bestaunt. Fehlt nur noch, dass am Ende "Wetten dass" oder "Einer wird gewinnen" eingestellt werden – oder die Champions League nur noch im Bezahlfernsehen zu sehen wäre.

Und was war noch? Rote Zahlen beim Systempizza-Erfinder Vapiano – da ist wohl beim Bologna-Prozess was schiefgelaufen. Die Deutsche Bank soll neuerdings in unlautere Geschäfte verwickelt sein. Geldwäsche, am deutschen Fiskus vorbei. Hätten wir nie zu denken gewagt. Und der mächtigste Mann der Welt weiß nicht so richtig, ob er mit Wladimir Putin über die Ukraine reden soll – und twittert dann eben mal so, mal so – wie ihm der Hamster gewachsen ist. #Weltmachtpolitikstil2018.

Der philippinische Regierungsrüpel Rodrigo Duterte nennt den Vize-Vorsitzenden der Bischofskonferenz in direkter Anrede einen "Hurensohn", der sich nachts rausschleiche, um sich Drogen zu besorgen. Bei Sotheby’s werden drei Krümel Mondgestein für 855.000 Dollar ersteigert; in Israel wird der Bronzering von Pontius Pilatus identifiziert; und im Vatikan mischt ein kleiner taubstummer Junge die Generalaudienz des Papstes auf. Ganz schön schräg mal wieder, die Woche.

Übrigens: Der Islam gehört jetzt doch zu Deutschland. Sagt einer, der es wissen muss – und der sich neulich noch öffentlich über 69 Abschiebungen von Muslimen zu seinem 69. Geburtstag gefreut hat. Beim Abendempfang des zuständigen Staatssekretärs zur Berliner Islam-Konferenz wurde dennoch unverdrossen Fingerfood mit Blutwurst gereicht. Aber ich muss jetzt mal Schluss machen – im Bildungsministerium macht die Chef-Bachelorette ein "Black Weekend" für Postgraduierte.

Von Alexander Brüggemann