Der Schatten eines Mannes ist umrahmt vom Schatten der Gitterstäbe einer Gefängnistür.
"Verdacht der Beihilfe zu unerlaubtem Aufenthalt"

SWR: Ermittlungen gegen Pfarrer wegen Warnung vor Abschiebung

Hat ein Pfarrer Flüchtlinge gewarnt und so eine geplante Abschiebung verhindert? Das glaubt nach Informationen des SWR die Mainzer Staatsanwaltschaft – und ermittelt gegen den Geistlichen. Der lässt sich aber nicht einschüchtern.

Mainz - 04.12.2018

Gegen einen in der Flüchtlingshilfe engagierten evangelischen Pfarrer aus Mainz wird einem Medienbericht zufolge staatsanwaltschaftlich ermittelt. Ihm wird laut Recherchen des Südwestrundfunks (SWR, Dienstag) vorgeworfen, er habe dazu beigetragen, eine fünfköpfige Flüchtlingsfamilie aus dem Westerwald vor einer im November geplanten Abschiebung zu warnen. Es handelt sich demnach um den Mainzer Flüchtlingspfarrer im Ruhestand, Friedrich Vetter. Er ist als Vertreter der Evangelischen Kirchen und Diakonischen Werke in Rheinland-Pfalz auch Mitglied der Härtefallkommission des Landes.

Die Staatsanwaltschaft Koblenz habe dem SWR schriftlich entsprechende Ermittlungen wegen des "Verdachts der Beihilfe zu einem unerlaubten Aufenthalt im Bundesgebiet" bestätigt, hieß es weiter. Auf Beschluss der zuständigen Ermittlungsrichterin des Amtsgerichts Koblenz sei die Wohnung des Pfarrers in Mainz am 23. November durchsucht und Beweismaterial sichergestellt worden.

Schriftstück mit Warnung entdeckt

Laut der Behörde sollte die Flüchtlingsfamilie - ein Ehepaar mit drei Kindern - am 19. November in die Russische Föderation abgeschoben werden. Am Tag der geplanten Abschiebung hätten die Behörden deren Wohnung geräumt vorgefunden. Vor Ort hätten Beamte ein Schriftstück entdeckt, in dem "der Mann aus Mainz" einem 68 Jahre alten Flüchtlingshelfer mitgeteilt habe, der Abschiebeflug für die Familie sei "für November 2018" angesetzt.

Weiter zitiert der SWR aus der Stellungnahme der Staatsanwaltschaft: "Dieser Umstand begründet den Anfangsverdacht, dass der Beschuldigte aus Mainz die Information über die bevorstehende Abschiebung der Familie an den 68 Jahre alten Beschuldigten weitergeleitet hat, um der Familie ein rechtzeitiges Untertauchen zu ermöglichen." Auch gegen besagten Flüchtlingshelfer aus dem Westerwald werde ermittelt.

Vetter: "Völlig unverhältnismäßig"

Vetter wies im SWR den Vorwurf zurück, er habe die Familie vor einer Abschiebung gewarnt. Er habe lediglich dem Flüchtlingshelfer vor Ort mitgeteilt, der Asylantrag sei abgelehnt worden, und die Abschiebung werde in die Wege geleitet. Er bestätigte dem SWR, dass die Polizei eine Hausdurchsuchung bei ihm durchgeführt und Unterlagen sichergestellt habe. Vetter nannte dies "völlig unverhältnismäßig".

Offensichtlich wolle man "in der Flüchtlingshilfe engagierte Personen einschüchtern". Er wolle jedoch sein Engagement "unvermindert weiterführen". (KNA)