Umfrage: Vertrauen zum Papst ist am stärksten zurückgegangen
Gesellschaftliche Institutionen verlieren bei Deutschen insgesamt

Umfrage: Vertrauen zum Papst ist am stärksten zurückgegangen

Die Deutschen trauen gesellschaftlichen Institutionen immer weniger: Laut einer aktuellen Umfrage steht es um das Vertrauen zu den beiden großen Kirchen besonders schlecht – getoppt aber noch von der Person des Papstes.

Köln - 07.01.2019

Fast alle gesellschaftlichen Institutionen in Deutschland verlieren in den Augen der Bürger an Vertrauen. Das meiste Vertrauen genießen laut dem am Montag in Köln veröffentlichten RTL/n-tv-Trendbarometer die Polizei (78 Prozent) sowie Universitäten und Ärzte (je 77 Prozent).

Zwar hält sich die Polizei noch knapp auf Platz 1 der Ranking-Liste von 26 Institutionen, ist aber gegenüber dem Vorjahr um 5 Prozentpunkte abgerutscht. Am stärksten zurückgegangen ist das Vertrauen zum Papst (minus 20 Punkte), zur katholischen (minus 9) und zur evangelischen Kirche ( minus 10) sowie zur Bundeswehr (minus 13), zu den Schulen (minus 10) und – bei den Erwerbstätigen – zum eigenen Arbeitgeber (minus 9).

Lediglich für Unternehmer und Manager gibt es in diesem Januar ein Vertrauens-Plus (je 3 Punkte) gegenüber dem Vorjahr. Bei beiden war allerdings das Image im Vorjahr stark eingebrochen. Zudem rangieren die Manager nur auf dem drittletzten Platz (9 Prozent), hinter Banken und Versicherungen (je 18 Prozent) und gleichauf mit dem Zentralrat der Muslime (Rang 23). Als weniger vertrauenswürdig als die Manager sehen die Bundesbürger nur den Islam (7 Prozent) und die Werbeagenturen (4 Prozent).

AfD-Mitglieder mit größtem Misstrauen

In der Rangliste rangieren die evangelische Kirche mit einem Vertrauenswert von 38 Prozent auf Rang 13, der Papst und der Zentralrat der Juden mit 34 Prozent auf Rang 15/16 und die katholische Kirche mit 18 Prozent auf Rang 20.

Der Chef des Meinungsforschungsinstituts forsa, Manfred Güllner, sprach mit Blick auf die mehr als ein Jahrzehnt durchgeführte Studie von einer beispiellosen flächendeckenden Vertrauens-Erosion. Es werde deutlich, wie schädlich die mühsame Regierungsbildung und die Streitigkeiten in Union und Koalition sowie die vielen Defizite in staatlichen und nichtstaatlichen Einrichtungen für das Vertrauen in die Funktionsfähigkeit des Staates und anderer wichtiger Institutionen waren, sagte er dem Sender RTL.

Lasut Studie misstrauen insbesondere AfD-Anhänger den meisten gesellschaftlichen Institutionen. Laut Trendbarometer haben nur 26 Prozent der AfD-Anhänger Vertrauen zum Radio (die übrigen Bundesbürger: 60 Prozent), nur 13 Prozent trauen der Presse (übrige: 50 Prozent), 12 Prozent dem Fernsehen (übrige: 32 Prozent), 33 Prozent den Schulen (übrige: 58 Prozent), 30 Prozent den Gewerkschaften (übrige: 49 Prozent) und 19 Prozent der evangelischen Kirche (übrige: 42 Prozent). Lediglich zu Unternehmern sowie zu Managern und Arbeitgeberverbänden, Ärzten, Werbeagenturen und Bundeswehr ist das Vertrauen der AfD-Sympathisanten ähnlich hoch oder niedrig wie bei den Bürgern ohne AfD-Präferenz. (KNA)