Was die deutschen Bischöfe zu Weihnachten predigen

Das Fest mahnt zum Frieden

Der Erfurter Dom während eines Gottesdienstes.
Bild: KNA

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, verwies auf alltägliche Gewalt in Deutschland, etwa brutale Übergriffe auf Straßen und öffentlichen Plätzen oder die zunehmende Gewalt an Schulen und in Fußballstadien. Er kritisierte auch die Medien: "In einem Land, in dem Fernsehsender sogar an Weihnachten stundenlang Action-Streifen und brutale Thriller ausstrahlen, darf uns das eigentlich nicht wirklich überraschen", sagte er. "Eine Gesellschaft, die sich dieser Aufgabe nicht stellt, ist eine arme Gesellschaft - auch wenn sie materiell noch so reich wäre", so Zollitsch.

In Zeitungsinterviews beklagte der Erzbischof wachsende soziale Spannungen in der Gesellschaft. "Die Armen bleiben zurück, und der Reichtum in der Hand einiger weniger nimmt weiter zu. Das ist eine gefährliche Entwicklung", sagte er den Dortmunder "Ruhr Nachrichten". Deshalb müssten jene mit hohen Einkommen stärker in die Pflicht genommen werden. "Steuererhöhungen und Abgaben für Vermögende dürfen kein Tabu sein, wenn es gilt, gesellschaftlich wichtige Aufgaben zu finanzieren", sagte er.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider, kritisierte, auch in Deutschland gerieten immer mehr Menschen ins Abseits und drohten dauerhaft abgehängt zu werden. "Die Weihnachtsbotschaft fordert uns heraus, für diese Menschen die Stimme zu erheben", so Schneider in Hannover.

Der katholische Essener Bischof Franz-Josef Overbeck ging auf die Situation bei Opel ein. Er monierte die Art der Entscheidung, die Produktion von Opel in Bochum bis auf kleine Reste zu beenden. Die bewährte Sozialpartnerschaft zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern müsse beachtet werden.

Vom Umgang mit Macht

Der Mainzer Kardinal Karl Lehmann rief zu einem verantwortungsbewussten Umgang mit der Macht auf. Ihre Ausübung müsse immer geregelt und durch das Recht begrenzt sein, sagte Lehmann in seiner Weihnachtspredigt. Sonst komme es rasch zu Willkür, ruinösem Wettbewerb und Vernichtungsstrategien. Mit der Geburt seines Sohnes Jesus in einem armseligen Stall habe Gott die menschlichen Kategorien von Macht auf den Kopf gestellt, so Lehmann. "Gott scheut nicht die Armut im Stall und in der Krippe, ja er ist auch in seinem künftigen Leben bewusst in der Nähe des endlichen, armen Menschen."

Der Kölner Kardinal Joachim Meisner rief zu gesellschaftlichem Engagement auf. Gott habe die Welt so sehr geliebt, dass er trotz "Verfalls und Totalausverkaufs der Kultur" in Jesus Mensch geworden sei, sagte Meisner im Kölner Dom. Daher hätten Christen keinen Grund, der Welt den Rücken zu kehren und ihr "unsere Liebe, unser Engagement, unser Mitleid und unsere Sympathie aufzukündigen".

Der Berliner Kardinal Rainer Maria Woelki hob die "dramatische Lage" von Christen in Syrien, Ägypten, Nigeria und dem Heiligen Land hervor. Deren Situation werde hierzulande in der Regel mit Schweigen übergangen, kritisierte Woelki. Er mahnte auch zum Engagement für einen sozialen Frieden in Deutschland. Wie in der Weihnachtsgeschichte gebe es auch heute für manche Menschen keinen Platz. Der Berliner Kardinal verwies auf die wachsende Wohnungsnot in der Hauptstadt. Sie führe zu einer Verdrängung unterprivilegierter Berliner aus der Innenstadt und zu einem deutlichen Anstieg der Obdachlosenzahl. Menschen könnten jedoch keinen Frieden finden, "solange soziale Ungerechtigkeit herrscht", so Woelki.

"Wende in den Herzen"

Der Münchner Kardinal Reinhard Marx rief zu einer "Wende in den Herzen und Köpfen" auf. Er appellierte an die Menschen, "neu die Lust auf Leben zu entdecken und die Freude, Leben weiterzugeben". Eine Wende wird laut Marx nicht einfach durch Maßnahmen der Familienpolitik geschaffen. Vielmehr brauche es eine grundsätzliche Bereitschaft, dem neuen Leben Priorität einzuräumen. Der Rückgang der Geburten in Deutschland sei nicht nur ein demografisches Problem und eine Herausforderung für die Finanzierung des Sozialstaates, sondern ein "tiefer, kultureller Einschnitt". Die Frage sei, ob die Christen die Kraft aufbringen können, eine manchmal lebensmüde Gesellschaft stärker aus dem Geist christlicher Lebenslust und Hoffnung mitzuprägen.

Der Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker wies darauf hin, dass Gott besonders zu den Armen, Verzweifelten und Unterdrückten kommen will. Weihnachten rieche nicht nur nach Tannengrün und Lebkuchen, sondern auch "nach Stall und Mist", sagte er im Paderborner Dom.

Aachens Bischof Heinrich Mussinghoff prangerte den Gesetzentwurf zur Sterbehilfe an. Das geplante Gesetz "verbietet zwar die gewerbliche Euthanasie, lässt aber Tür und Tor offen für assistierten Suizid durch Verwandte und Freunde", sagte er im Aachener Dom. Der Wunsch nach Selbsttötung entstehe nicht, wo es gute ärztliche Betreuung, ausreichend pflegerische Hilfe und menschliche Zuwendung gebe.

Kritik an Rüstungsexporten

Münsters Bischof Felix Genn rief dazu auf, sich der "Seele" des Weihnachtsfestes zu nähern und Christus als den Retter der Welt zu verstehen. Er räumte ein, dass es nach wie vor Katastrophen, Tod, Unfälle, Kriege, Amokläufe oder Bombenattentate gebe. Mit der Geburt Jesu steige Gott aber hinab in die Welt, um an die Bedrängnisse der Menschen heranzukommen.

Der Hamburger Erzbischof Werner Thissen kritisierte steigende deutsche Waffenexporte. "Unsere Welt ist voll von Gewalt, und wir in Deutschland tragen dazu bei", sagte er im Mariendom. "Panzer und anderes Kriegsmaterial verkaufen wir zum Fest des Friedens in den Süden", kritisierte Thissen.

Der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode rief dazu auf, jene Menschen in den Blick zu nehmen, die sich vom Glauben und der Kirche entfremdet haben und die auf der Suche nach dem Sinn des Lebens sind. Die Kirche dürfe diesen Suchenden den Weg zum Glauben nicht durch Machtmissbrauch, Habsucht, Besserwisserei und Betriebsblindheit verstellen, sagte er. 50 Jahre nach Eröffnung des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) sei es heute notwendig, "die Fenster und Türen der Kirche neu zu öffnen" und den christlichen Glauben so anzubieten, dass die Menschen ihm nachgehen.

Der Hildesheimer Bischof Norbert Trelle verlangte mehr Wertschätzung für Kinder. Die Gesellschaft produziere "eine zunehmende Tendenz zum sozialen Autismus, einer Lebenshaltung, die krankhaft nur noch sich selbst sucht und reflektiert", sagte Trelle. Das Kind werde dann zum Störfaktor der Lebensplanung. "Das Geplante und Berechnete, das Festgelegte und Erwartete kann leicht zur Erstarrung des Lebens führen", befürchtet der Bischof. Das unerwartet und ungeplant Geschenkte hingegen fordere heraus aus Gewohntem und eröffne neue, ungeahnte Räume.

Der Magdeburger Bischof Gerhard Feige warnte die Christen vor Resignation. Weihnachten künde davon, "dass nicht alles trostlos und verloren ist". Trotz der wirtschaftlichen und demografischen Entwicklungen sei es wichtig, das Leben aus dem Glauben heraus positiv zu gestalten. Der Görlitzer Bischof Wolfgang Ipolt betonte, die Christen sollten die Weihnachtsbotschaft "mit innerer Begeisterung und Zuversicht" weitersagen.

"Gott kommt als einer von uns in die Welt"

Weihnachtsgruß von Erzbischof Robert Zollitsch

Nicole Stroth / Dieter Waldraff

Die offene Tür

Für den Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst ist Weihnachten das Fest der geöffneten Türen. "Wo Menschen Gott draußen vor der Tür lassen, geht unsere Zukunft verloren", warnte der Bischof im Frankfurter Dom. Mit Blick auf den Geburtenrückgang betonte Tebartz-van Elst, Weihnachten spreche vom Ja Gottes zum Kind.

Respektlosigkeit" vor der Menschenwürde beklagte der Fuldaer Bischof Heinz Josef Algermissen. Als Beispiele nannte er im Fuldaer Dom die Präimplantationsdiagnostik (PID), Bluttests zur Erkennung des Down-Syndroms bei Ungeborenen sowie erleichterte Möglichkeiten zur Selbsttötung. Christen müssten als Konsequenz aus der Menschwerdung Gottes im Namen Jesu Kranke heilen und Sterbende pflegen, damit sie würdevoll ihren letzten Weg gehen könnten.

Kritik an dem von Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) vorgelegten Gesetzentwurf zur Suizidbeihilfe übte auch der Speyerer Bischof Karl-Heinz Wiesemann. Er forderte eine eindeutige Absage an alle Formen organisierter Sterbehilfe. Schwer kranke Menschen brauchten Beistand im Leben, nicht Mitwirkung am Sterben.

Das Kind in der Krippe

Zur Aufnahme von Flüchtlingen rief der Trierer Bischof Stephan Ackermann auf. Christen dürften sich nicht damit abfinden, dass Menschen an den Grenzen Europas inhaftiert und gedemütigt würden oder gar ihr Leben verlören, betonte der Bischof im Trierer Dom. Er unterstrich, die Weihnachtsbotschaft verlange nach einer "Kultur der Annahme und der Anerkennung".

Für den Bamberger Erzbischof Ludwig Schick ist das Kind in der Krippe auch ein Aufschrei gegen Kinderarmut. Zugleich aber weise jedes Weihnachtsfest auf die Würde und Rechte der Kinder hin und rufe zu mehr Kinderfreundlichkeit auf.

Nach den Worten des Eichstätter Bischofs Gregor Maria Hanke ist Weihnachten die Einladung, "Begegnung zu feiern mit Gott in der Begegnung mit den Menschen". Christen sollten deshalb diesen Blick für die Gegenwart Gottes in jedem Menschen schärfen und sich Benachteiligten und Not Leidenden zuwenden. Der Kern der Botschaft laute, dass Gott jedem Menschen nahe sei.

Der Würzburger Bischof Friedhelm Hofmann erinnerte daran, dass den Menschen mit dem Eintritt Jesu in die Welt selbst in die Hände gelegt werde, den verheißenen Frieden zu schaffen. Der Passauer Bischof Wilhelm Schraml erklärte, die Geburt Jesu bringe Hoffnung in die Welt. In allen Zweifeln und Ängsten dürften die Menschen wissen: "Gott ist da. Wir sind nicht mehr allein", unterstrich der Apostolische Administrator des Bistums Passau.

In Augsburg rief Bischof Konrad Zdarsa die Gläubigen auf, ihr Glaubenswissen zu vertiefen, das Glaubensbekenntnis zu erneuern und mutig den Glauben zu bekennen. Die Botschaft von Weihnachten sei alles andere als eine sentimentale Darstellung des Kindes in der Krippe. In seiner Menschwerdung reiche Gott den Menschen die Hand und öffne ihnen ihr Herz. Der Regensburger Weihbischof Reinhard Pappenberger erinnerte daran, die von den Engeln in der Heiligen Nacht besungene Freude sei nicht Vergangenheit. "Sie erfüllt auch unsere Gegenwart und Zukunft."

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