Asia Bibi
Hilfswerk missio dankt Unterstützern

Bestätigt: Verfolgte Katholikin Asia Bibi nach Kanada ausgereist

Nach Monaten der Ungewissheit jetzt die befreiende Botschaft: Die einst wegen Blasphemie zum Tode verurteilte Katholikin Asia Bibi ist endgültig in Sicherheit! Sie hat Pakistan verlassen und den Ort ihres Exils erreicht.

Islamabad/Aachen - 09.05.2019

Die Ende Januar vom Vorwurf der Lästerung gegen den Islam freigesprochene Katholikin Asia Bibi ist in ihrem Exil in Kanada angekommen. Das bestätigte Saiful Malook, Anwalt von Asia Bibi, dem pakistanischen Nachrichtenportal "Dawn". In Kanada leben bereits ihre fünf Kinder. In einer zuvor in London veröffentlichen Erklärung meldete auch die "British Pakistani Christian Association" unter Berufung auf einen britischen Diplomaten, Asia Bibi habe Pakistan "sicher" verlassen können. Nähere Angaben zum genauen Aufenthaltsort der 50-Jährigen wurden nicht genannt.

Das katholische Hilfswerk missio Aachen dankte allen Unterstützern Bibis. Der Dank richte sich auch an die kanadische und pakistanische Regierung und Justiz für ihre Arbeit, teilte missio am Donnerstag mit. "Wir sind erleichtert und dankbar, dass Asia Bibi jetzt in Kanada endgültig Asyl gefunden hat", begrüßte missio-Präsident Prälat Klaus Krämer die Ausreise der Katholikin aus Pakistan. Es sei auch ein wichtiges Zeichen für die christliche Minderheit in Pakistan, dass dem Missbrauch der Blasphemiegesetze künftig wirksamer begegnet werden könne, so Krämer.

Bild: © missio

Klaus Krämer ist Präsident des katholischen Hilfswerks "missio".

Asia Bibi war 2009 auf Basis des pakistanischen Blasphemiegesetzes in ihrem Heimatort in der Region Punjab festgenommen worden. Muslimische Frauen hatten die christliche Landarbeiterin beschuldigt, durch das Trinken aus demselben Gefäß das Wasser verunreinigt und anschließend den Propheten Mohammed beleidigt zu haben. Bibi bestritt die Vorwürfe, wurde aber verhaftet und im November 2010 in erster Instanz zum Tod durch den Strang verurteilt. Im Oktober 2014 bestätigte ein Berufungsgericht das Urteil; im Juli 2015 setzte der Oberste Gerichtshof die Todesstrafe aus und machte damit den Weg frei für eine erneute Anhörung. Diese verzögerte sich immer wieder, endete aber letztlich Ende Oktober 2018 mit einem Freispruch.

Nach dem Urteil verlangten Islamisten mit gewaltsamen Protesten eine Vollstreckung der Todesstrafe. Die pakistanische Regierung sagte daraufhin zu, Bibi keine Ausreise zu genehmigen, bis das Oberste Gericht über eine etwaige Revision des Freispruchs befinden werde. Am 29. Januar bestätigten die Richter den Freispruch.

Recht der Religionsfreiheit werde vor allem Christen vorenthalten

Seither wurde über ihre Ausreise spekuliert. Anfang April teilte Pakistans Premierminister mit, entgegen anderslautenden Berichten sei Bibi noch immer im Land, "weil es ein paar Komplikationen" gebe, über die er nicht in den Medien sprechen wolle. Bibi sei aber in Sicherheit und werde "innerhalb von Wochen" aus Pakistan ausreisen können, sagte Regierungschef Imran Khan dem britischen Sender BBC.

Blasphemie gilt im mehrheitlich islamischen Pakistan als Kapitalverbrechen, auf das die Todesstrafe steht. In der Praxis werden unter Blasphemie nur verächtliche Äußerungen und Taten gegen den Islam und den Propheten Mohammed verstanden.

Auch der menschenrechtspolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Michael Brand, zeigte sich über die Ausreise Asia Bibis erleichtert. "Gleichzeitig ist diese Nachricht Mahnung an die Staatengemeinschaft, den Einsatz für verfolgte Christen und für alle wegen ihres Glaubens bedrängte religiöse Minderheiten zu verstärken", erklärte er in Berlin. Die Religionsfreiheit sei ein zentrales Menschenrecht, das weltweit vor allem Christen vorenthalten werde. (tmg/KNA)