Am Nachmittag ziehen die 115 wahlberechtigten Kardinäle zum Konklave in die Sixtinische Kapelle ein. Sodano ist dann nicht mehr dabei, da er die vorgeschriebene Altersgrenze von 80 bereits überschritten hat. Die Leitung des Konklaves übernimmt deshalb Kardinal Giovanni Battista Re (79) in seiner Funktion als ältester wahlberechtigter Kardinal-Bischof.
Die Kardinäle machen mit der Terminfestlegung von einer Möglichkeit Gebrauch, die ihnen Papst Benedikt XVI. noch kurz vor seinem Amtsverzicht eingeräumt hatte. Sie einigten sich darauf, mit der Papstwahl nicht bis zum 15. Tag nach Beginn der Sedisvakanz zu warten, wie die Wahlordnung es als Regelfall vorsieht, sondern bereits einige Tage früher zu beginnen. Möglich war die Abstimmung, nachdem am Donnerstagabend der letzte noch fehlende wahlberechtigte Kardinal, der Vietnamese Jean-Baptist Pham Minh Man, in Rom eingetroffen war.
Kardinäle setzen Beratungen fort
Unterdessen setzen die Kardinäle ihre Beratungen zur Vorbereitung auf die Papstwahl fort. Die Rednerliste derjenigen, die sich in den Generalkongregationen noch zu Wort melden wollen, ist lang. Rund 100 Würdenträger hatten sich in den vergangenen Tagen bereits zu aktuellen Fragen und Problemen der Kirche geäußert.
Unter anderem ging es dabei um die Neuevangelisierung, um das Verhältnis zwischen Vatikan und Ortskirchen, um Kollegialität und Ökumene. Auch der interreligiöse Dialog sowie Fragen zur sozialen Gerechtigkeit und zur Rolle der Frau in der Kirche wurden angesprochen.
Was ist das Konklave?
Ein Beitrag der Serie "Katholisch für Anfänger". Die Zeichentrickserie erklärt auf einfache und humorvolle Art zentrale Begriffe aus Kirche und Christentum. In dieser Folge geht es um den Begriff Konklave, die Papstwahl.
Mediaplus X und Bernward MedienPurpurträger besuchen Titelkirchen
Diese Beratungen werden die Kardinäle am Samstag und dann wohl auch am Montag fortsetzen. Am Sonntag werden viele von ihnen ihre römischen Titelkirchen besuchen und mit ihren Gemeinden die Sonntagsmesse feiern. Eine Geste, die die enge Bindung der Kardinäle aus aller Welt zur Bischofsstadt des Papstes unterstreicht, den sie ab Dienstag wählen werden.
Nach dem Einzug in die Sixtinische Kapelle legen die Kardinäle dann zunächst den Eid ab, ihre Wahlentscheidung nach bestem Wissen und Gewissen zu treffen. Danach schließt der Päpstliche Zeremonienmeister Guido Marini mit der Formel "Extra omnes" ("alle hinaus") die Tore der Sixtina und alle Nicht-Beteiligten müssen den Raum verlassen.
Spekulationen über neuen Papst
In den Medien gingen am Freitag derweil die Spekulationen über den neuen Papst weiter. So wurden vor allem der Mailänder Erzbischof Angelo Scola und der brasilianische Kardinal Odilo Pedro Scherer als Favoriten genannt. Zu den spannenden Fragen gehört, ob das nächste Oberhaupt der weltweit knapp 1,2 Milliarden Gläubigen wieder aus Europa kommt oder ein Kardinal aus Nordamerika oder aus der südlichen Hemisphäre auf den Stuhl Petri gewählt wird.
Papst Benedikt XVI. (85) war am 28. Februar als erstes Kirchenoberhaupt der Neuzeit zurückgetreten und hatte seinen Schritt mit schwindenden Kräften wegen seines hohen Alters begründet. Sein Nachfolger wird zunächst für einige Wochen im Gästehaus Santa Marta des Vatikans wohnen. Dort gibt es ein Appartement für besondere Gäste, das gegenwärtig noch verschlossen sei, erläuterte Vatikan-Sprecher Federico Lombardi. Die 115 Kardinäle, die an der Wahl teilnehmen, wohnen während der Papstwahl ebenfalls in dem Gästehaus. (stz/dpa/KNA)
Der Heilige Geist
Wer wird nach Benedikt XVI. auf dem Stuhl Petri sitzen? 115 Kardinäle werden ab 12. März über den kommenden Pontifex entscheiden. Katholisch.de erläutert die Hintergründe dieser wichtigen Kirchenversammlung und erklärt zentrale Begriffe.
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