Der evangelische Landesbischof in Bayern, Heinrich Bedford-Strohm hält eine Rede, im Hintergrund ein violettes Kreuz.
Predigt zum Bayerischen Kirchentag

Bedford-Strohm: Flüchtlingsrettung keine "moralische Höchstleistung"

Der EKD-Vorsitzende, Heinrich Bedford-Strohm, hat die Strafandrohung für die zivile Seenotrettung kritisiert. Es sei eine Schande, wenn deswegen Menschen im Mittelmeer ertrinken würden. Denn gerade für Christen sei der Andere nicht "nur irgendein Mensch".

Gerolfingen - 10.06.2019

Bei der Rettung schiffbrüchiger Bootsflüchtlinge auf dem Mittelmeer geht es laut dem Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, nicht um "moralische Höchstleistungen". Gottes Arme für die Menschen seien nicht deswegen offen, weil "wir unser moralisches Punktekonto auf die richtige Höhe gebracht haben", sagte Bedford-Strohm in seiner Predigt am Pfingstmontag beim bayerischen evangelischen Kirchentag auf dem Hesselberg vor Tausenden Teilnehmern. Sie seien offen, "weil wir seine kostbaren Geschöpfe sind".

Der Theologe erinnerte in seiner Predigt an seinen Besuch eines beschlagnahmten Seenotrettungsschiffs im italienischen Palermo am vergangenen Wochenende. "Ich habe Menschen getroffen, die von diesem Boot gerettet wurden, bevor die Rettung verboten wurde", sagte Bedford-Strohm. Er habe in die Gesichter der Geretteten geblickt und das Antlitz Gottes in ihnen gesehen: "Denn als Christen glauben wir, dass uns in dem Anderen nicht nur irgendein Mensch begegnet, sondern Gott selbst." Es sei "eine Schande", wenn Menschen ertrinken, weil die zivile Seenotrettung unter Strafandrohung gestellt wird.

Der bayerische Kirchentag ist die größte Freiluftveranstaltung der Protestanten im Freistaat. Er steht in diesem Jahr unter dem Motto "Schätze des Glaubens". 1951 eröffnete der damalige Landesbischof Hans Meiser (1881-1956) auf dem rund 690 Meter hohen Berg die neu gegründete Landvolkshochschule, das heutige Evangelische Bildungszentrum (EBZ). Aus dem Fest entwickelte sich Kirchentag. Der Berg hat eine dunkle Vergangenheit: In der NS-Zeit fanden dort zwischen 1933 und 1939 die "Frankentage" mit bis zu 100.000 Zuhörern statt. (cst/epd)