Nach Gebet für Ex-Kanzler Kurz: Erzbistum Wien weist Kritik zurück
Evangelikaler Prediger segnete Politiker bei "Awakening Europe"

Nach Gebet für Ex-Kanzler Kurz: Erzbistum Wien weist Kritik zurück

Laut Veranstalter war es eine "spontane Idee": Bei einem christlichen Groß-Event in Wien wurde Ex-Bundeskanzler Sebastian Kurz von einem evangelikalen Prediger gesegnet. Die massive Kritik an dem Gebet kann das Erzbistum Wien nicht nachvollziehen.

Wien - 18.06.2019

Das Erzbistum Wien hat die ablehnenden Äußerungen zu einem Segensgebet für den ehemaligen österreichischen Bundeskanzler Sebastian Kurz zurückgewiesen. "Ganz klar ist mir die Kritik nicht", sagte Michael Prüller von der Erzdiözese am Montag, berichtete der Österreichische Rundfunk (ORF). "Wir sind als Christen aufgefordert, für Politiker zu beten", so der Pressesprecher.

Am Sonntag hatte der evangelikale Prediger Ben Fitzgerald bei einem Großevent der christlichen Bewegung "Awakening Europe" in Wien den vor wenigen Wochen aus seinem Amt als Bundeskanzler ausgeschiedenen Kurz gesegnet. Er danke Gott für die Weisheit, die er Kurz gegeben habe und bitte um "viel Schutz" für den Politiker, betete Fitzgerald. Das Segensgebet hatte zu massiver Kritik in Medien und Sozialen Netzwerken mit dem Vorwurf der Wahlwerbung für Kurz geführt.

Eine parteipolitische Vereinnahmung des Gebets für Kurz könne er nicht erkennen, sagte Prüller weiter. Der Segen habe weder der Partei von Kurz gegolten noch habe man für einen Wahlerfolg von Kurz gebetet, der Spitzenkandidat der konservativen Österreichischen Volkspartei (ÖVP) bei den anstehenden Nationalratswahlen ist. Zudem wies Prüller darauf hin, dass die katholische Kirche nicht offiziell an der Veranstaltung beteiligt gewesen sei, sondern lediglich Vertreter teilgenommen hätten. Der Wiener Kardinal Christoph Schönborn war bei dem Event von "Awakening Europe" anwesend, aber auch der Leiter des Gebetshauses Augsburg, der katholische Theologe Johannes Hartl.

Der Hauptorganisator der Veranstaltung, der freikirchliche Pastor Chris Pöschl, nannte das Segensgebet eine "spontane Idee" Fitzgeralds. Für Pöschl sei es eine christliche Pflicht, für Politiker zu beten. Er hätte auch für andere Politiker gebetet, egal welcher Partei, sagte er. Kurz sei bei der Einladung vor sechs Monaten noch Bundeskanzler gewesen und man habe ihn jetzt keine Veranlassung gesehen, ihn auszuladen. Pöschl wies zurück, dass es sich um eine Wahlkampfveranstaltung für Kurz gehandelt habe.

Der Präsident von Caritas Österreich, Michael Landau, kritisierte das Gebet für Kurz. Die Inszenierung auf offener Bühne missachte das Gebot Jesu aus der Bergpredigt, im Privaten zu beten. "Von Stadthalle steht da nichts", sagte er mit Bezug auf den Veranstaltungsort. Die Direktorin der evangelischen Diakonie, Maria Katharina Moser, sprach von einem "Missbrauch des Gebets". "Die Kirchen sollten sich hüten, sich vor den parteipolitischen Karren spannen zu lassen, egal welcher Partei", twitterte sie. (rom)