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Proteste gegen Präsident Ortega

Nicaragua: Bischof von Männern in "militärischer Kleidung" bedroht

Katholische Demonstranten in Nicaragua kritisieren die Regierung von Präsident Ortega und fordern mehr soziale Gerechtigkeit. An der Spitze der Proteste steht ein Bischof, der wegen seiner Regierungskritik bereits mehrfach Repressalien ausgesetzt war.

Bonn - 22.07.2019

Tausende Katholiken haben bei einer traditionellen Pilgerfahrt in Nicaragua gegen die Regierung des Präsidenten Daniel Ortega protestiert. Bei der Prozession in der Stadt Matagalpa brachten sie am Sonntag (Ortszeit) ihre Solidarität mit dem regierungskritischen Bischof Rolando Álvarez zum Ausdruck.

Freilassung von politischen Gefangenen gefordert

Álvarez rief nach Berichten der Tageszeitung "La Prensa" bei der Pilgerfahrt dazu auf, für ein sozial gerechtes Nicaragua einzutreten. Teilnehmer der Pilgerfahrt hätten die Freilassung aller politischen Gefangenen gefordert.

Vier Tage zuvor hatte Álvarez die Regierung kritisiert, weil er von einer Gruppe bewaffneter Männer in militärischer Kleidung belagert worden sei, während er sich in der Diözese von Matagalpa mit religiösen Führern getroffen habe. Zu dem Vorfall kam es wenige Tage vor den Feiern zum 40. Jahrestag der sandinistischen Revolution, die von der Regierung ausgerichtet wurden.

Nach Angaben der Opposition gab es vor den Feiern am Samstag eine Welle von Repressalien gegen Regimegegner. Ortega wandte sich an dem Jahrestag vor seinen Anhängern erneut gegen die Forderung, vor dem Ende seiner Amtszeit 2021 zurückzutreten. Zudem will er keine weiteren Gespräche mit der Opposition führen. Der einzige Dialog, der unter den derzeitige Umständen geführt werden könne, müsse mit "Bauern, Arbeitern und Gremien" geführt werden, die an der Entwicklung des Landes arbeiten wollten.

325 Menschen starben

Das Verhältnis zwischen der katholischen Kirche und der Regierung ist schwer belastet. Ortega bezichtigt das Episkopat, sich auf die Seite der Opposition zu stellen. Nicaragua befindet sich in einer schweren politischen Krise, seit Ortega im April 2018 gegen oppositionelle Proteste vorgegangen ist, die sich zunächst gegen eine Sozialreform gerichtet hatten.

Damals hatten auch die Bischöfe des Landes eine verkürzte Amtszeit des Präsidenten gefordert. Daraufhin warf Ortega ihnen vor, keine Vermittler, sondern Teil eines Staatsstreiches zu sein. Nach Angaben der Interamerikanischen Menschenrechtskommission sind bei Auseinandersetzungen zwischen Polizisten, Paramilitärs und Demonstranten inzwischen 325 Menschen ums Leben gekommen.

Ortega war im Jahr 2016 zum dritten Mal zum Präsidenten von Nocaragua gewählt worden. (gho/epd)

Linktipp: Sorge um Sicherheit von regimekritischem Bischof

In Nicaragua herrscht Sorge um die Sicherheit des Bischofs von Matagalpa, Rolando Alvarez. Der Geistliche erhielt wegen Kritik an der Regierung unter anderem eine Todesdrohung über Facebook.