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Der "synodale Weg" – nur etwas für die "katholische Elite"?

Gebet und Buße scheinen beim geplanten "synodalen Weg" keine Rolle zu spielen, kritisiert Martin Rothweiler. Er mahnt zudem, dass bei dem Prozess auch Positionen jenseits einer verbandlich organisierten "katholischen Elite" Gehör finden müssen.

Von Martin Rothweiler |  Bonn - 08.08.2019

Am Fest des heiligen Pfarrers von Ars, dem 4. August, hat Papst Franziskus einen Brief an die Priester der Kirche adressiert. Er schrieb aus der Sorge, "dass in nicht wenigen Regionen unsere Priester ins Lächerliche gezogen und 'beschuldigt' werden für Vergehen, die sie nicht begangen haben". Franziskus verfällt nicht in unangebrachte Larmoyanz, sondern benennt unmissverständlich den "stillen Schrei unserer Brüder und Schwestern, die Opfer von Macht-, Gewissens- oder sexuellem Missbrauch durch geweihte Amtsträger wurden", und ruft zu Umkehr, Transparenz, Aufrichtigkeit und Solidarität mit den Opfern aus. Vor allem möchte er den Priestern danken, die dem Willen Gottes treu sind, und sie ermutigen, mit Freude ihren Dienst zu tun. "Danke", so der Papst, "dass Ihr täglich die Eucharistie feiert und die Herde mit Barmherzigkeit im Sakrament der Versöhnung weidet, ohne Rigorismus und Laxismus".

Dabei kommt mir die Frage in den Sinn: Wie sieht das eigentlich bei uns in Deutschland aus? Feiern unsere Priester täglich die Heilige Messe? Und was ist mit dem vernachlässigten, ja nahezu "vergessenen" Sakrament der Beichte? Statistiken sprechen sogar von einer erschütternd geringen Beichtpraxis hauptamtlicher Seelsorger. Auch in seinem sorgenvollen Brief an die Gläubigen in Deutschland benennt der Papst – angesichts der "zunehmenden Erosion und des Verfalls des Glaubens" – Gebet, Buße und Anbetung als die wahren Heilmittel und warnt vor dem Irrglauben, die Probleme allein durch Strukturreformen zu lösen. Auch die Synodalität müsse immer von der Gnade der Umkehr begleitet sein.

Diese von Christus selbst eingesetzten Reformpotentiale scheinen trotz der mehr als eindringlichen Mahnung des Papstes im "synodalen Weg" allerdings keine Rolle zu spielen. Foren zur "Wiederbelebung" dieser zur DNA der Kirche gehörenden Heilsquellen: Fehlanzeige! Warum eigentlich? Als Phänomen stelle ich fest: Wo Jugendliche sich zur Anbetung treffen, wo sie – wie etwa bei Nightfever – das Sakrament der Versöhnung feiern und andere dazu einladen, hört man keine Forderungen nach Viri probati, Frauenpriestertum oder Änderung der Sexualmoral. Wo finden diese Jugendlichen im synodalen Prozess Gehör? Vom Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) und dessen Positionen fühlen sie sich jedenfalls nicht vertreten.

Oder ist der synodale Prozess einer "katholischen Elite" vorbehalten, die verbandlich gut organisiert ist? In seinem Brief an die Priester warnt Franziskus jedenfalls Geistliche davor, sich "in geschlossene und elitäre Gruppen" zurückzuziehen: "Das erstickt oder vergiftet am Ende den Geist."

Von Martin Rothweiler

Der Autor

Martin Rothweiler ist der Programmverantwortliche des katholischen Fernsehsenders EWTN Deutschland.

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