Kardinal Joachim Meisner
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Berliner Oberhirte war seinerzeit Priester in Köln

Erzbischof Koch: Kardinal Meisner zitterte in den Tagen vor Mauerfall

Der verstorbene Kölner Kardinal Joachim Meisner galt als meinungsstark und unerschrocken. Doch in den Tagen vor dem Mauerfall zeigte er sich von einer ganz anderen Seite. Der Berliner Erzbischof Heiner Koch hat es beobachtet.

Magdeburg - 20.09.2019

In den Tagen vor dem Fall der Berliner Mauer am 9. November 1989 hat der Kölner Kardinal Joachim Meisner offenbar eine bei ihm sonst ungewohnte Seite gezeigt. "Kardinal Meisner hatte Angst und zitterte. Was er selten tat. Er hatte Angst um die Menschen, dass es gewaltsam endet, weil er sich nicht vorstellen konnte, dass die Machthaber einfach so nachgeben", berichtete Berlins Erzbischof Heiner Koch, seinerzeit Priester in Köln, am Freitag in Magdeburg.

"Die Berliner Mauer wird fallen. Aber nicht zu meinen Lebzeiten"

Meisner, der im Februar 1989 von Berlin nach Köln gewechselt war, um dort Erzbischof zu werden, habe immer gesagt: "Die Berliner Mauer wird fallen. Aber nicht zu meinen Lebzeiten." Koch zufolge trieb die politisch brisante Zeit zum Ende der DDR, in der allgemein ein gewaltsames Eingreifen durch die SED-Führung befürchtet wurde, auch Meisner um: "Es beschäftigte ihn sehr die Frage, ob er in dieser Situation in den Westen habe gehen dürfen oder ob er nicht bei den Katholiken in der DDR hätte bleiben müssen."

Koch äußerte sich bei der bis Sonntag andauernden "pastorale!" in Magdeburg. Die kirchliche Fachmesse und Ideenbörse ist eine gemeinsame Initiative der fünf ostdeutschen Bistümer. Bei rund 100 Workshops, Vorträgen und Diskussionspodien steht die Rolle der Christen in einem säkularen Umfeld im Fokus. Die Veranstalter rechnen mit insgesamt 1.300 Teilnehmern.

Joachim Meisner war am 5. Juli 2017 im Alter von 83 Jahren während eines Urlaubs in Bad Füssing gestorben. Der Kardinal stand von 1989 bis 2014 an der Spitze des Erzbistums Köln und war zuvor Bischof in Berlin und Erfurt. (tmg/KNA)