Kölner Diözesanrat: Wir brauchen ein Umdenken der Bistumsleitung
Diskussion über "Zielskizze 2030"

Kölner Diözesanrat: Wir brauchen ein Umdenken der Bistumsleitung

350 Menschen disktutierten am Wochenende über die Zukunft des Erzbistums Köln. Themen waren unter anderem Ehrenamt und Nachhaltigkeit. Während Kardinal Rainer Maria Woelki die Diskussionen positiv bewertet, kommt vom Diözesanrat deutliche Kritik.

Bonn - 29.09.2019

Der Diözesanrat des Erzbistums Köln hat die sogenannte "Zielskizze 2030" zur Zukunft der Diözese kritisiert. In der Skizze werde nur "unvollständig festgehalten, was sich die Getauften und Gefirmten wünschen", sagte der Vorsitzende des Diözesanrats, Tim Kurzbach, am Samstag in Köln. Verbände und Gremien wie Ortsausschüsse und Pfarrgemeinderäte spielten in der Skizze eine zu geringe Rolle, kritisierte auch Bettina Heinrichs-Müller, die stellvertretende Vorsitzende des Diözesanrats. Dieses demokratische "Rätesystem" müsse unbedingt auch in Zukunft erhalten bleiben.

Pfarreien sollen entlastet werden

In Euskirchen in der Eifel hatte am Samstag das zweite von drei Regionalforen stattgefunden, bei denen über die Anfang September veröffentliche "Zielskizze" diskutiert wird. Diese ist das Ergebnis eines seit drei Jahren laufenden Beratungsprozesses, dem von Kardinal Rainer Maria Woelki gestarteten "Pastoralen Zukunftsweg". Dabei geht es um die Frage, wie die Seelsorge mit mehr Ausstrahlungskraft gestaltet werden kann. So sollen etwa die Pfarreien eine deutliche Entlastung erfahren, indem die Verwaltung von Kitas, Senioreneinrichtungen, Immobilien oder Finanzen an externe Einrichtungen ausgelagert werden. Umgekehrt wird vorgeschlagen, Pfarreien mehr Budgetverantwortung zu geben, damit sie eigenständig Schwerpunkte setzen kann. Bis zu 10.000 Personen waren nach Angaben des Erzbistums an der Entwicklung der "Zielskizze" beteiligt - unter anderem durch fünf verschiedene Arbeitsgruppen und eine Online-Umfrage mit 7.500 Teilnehmern.

Kardinal Rainer Maria Woelki bei einer Podiumsdiskussion des 101. Deutschen Katholikentags in Münster.

Hat vor drei Jahren den "Pastoralen Zukunftsweg" ausgerufen: Kardinal Rainer Maria Woelki.

Der Diözesanrat kritisiert, noch während der Diskussion über das Papier schaffe das Bistum Fakten,  in dem es Gemeinden zusammenlege und andere Strukturen verändere. Die Skizze dürfe nicht nur "schöngefärbte Makulatur" sein, um die Gläubigen auf möglicherweise schon festgelegte schmerzhafte Veränderungen vorzubereiten. Außerdem müssten nicht nur "wohlgefällige", sondern auch scheinbar sperrige Aussagen Eingang darin finden. "Wir benötigen in den Köpfen der Bistumsleitung ein wirkliches Umdenken, Mut sich von alten Denkmustern zu lösen und die Gläubigen, das Gottesvolk, bei sämtlichen Entscheidungen einzubeziehen", erklärte Heinrichs-Müller.

Konkret fordert Diözesanrat den Erhalt des "Rätesystems", die Einführung demokratischer Strukturen und synodaler, verbindlicher Beteiligungsformen der Laien sowie Geschlechtergerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung und der Ökumene. Diese Themen werde man weiterhin in den Diskussionsprozess einbringen.

Kardinal Woelki hatte sich am Samstag nach dem zweiten Regionalforum mit rund 350 Teilnehmern zufrieden gezeigt. Der "intensive Austausch" sei ein Zeichen für die Bereitschaft der Gläubigen, die Zukunft der Kirche im Erzbistum Köln mitzugestalten, sagte er.

Ehrenamt, Nachhaltigkeit, diakonisches Handeln

In 18 Gesprächskreisen ging es um Themen wie Ehrenamt, Nachhaltigkeit und diakonisches Handeln. Das dritte und letzte Forum findet am kommenden Wochenende in Düsseldorf statt. Die Ergebnisse der Beratungen sollen laut Bistum in die Entwicklung eines "Zielbildes" für das Erzbistum Köln als Perspektive für das kommende Jahrzehnt einfließen. (gho)

Linktipp: Erzbistum Köln setzt auf mehr Verantwortung für Laien

Weil es immer weniger Katholiken und Geistliche gibt, muss auch das Erzbistum Köln seine Strukturen verändern. Doch bei der "Zielskizze 2030" soll es nicht nur um administrative Neuerungen gehen: Laien werden mehr Entscheidungskompetenz erhalten.