Austrittswelle wegen Pfarreireform? – Bistum Trier widerspricht Studie
Diözese kritisiert falsche Zahlen und Vermischung von Themen

Austrittswelle wegen Pfarreireform? – Bistum Trier widerspricht Studie

Im Bistum Trier wird um die geplante Pfarreireform gestritten. Zuletzt hatte eine Initiative eine Studie in Auftrag gegeben, deren Ergebnisse verheerende Folgen des Prozesses beschreiben. Jetzt hält das Bistum dagegen.

Trier - 08.10.2019

Das Bistum Trier hat die Umfrage einer Initiative kritisiert, die wegen der Pfarreireform eine Austrittswelle auf die Diözese zukommen sieht. "Auch wenn wir Verständnis für die Bedenken und Sorgen der Gläubigen haben, kritisieren wir das tendenziöse Vorgehen der Initiative und die Art der Befragung, die unseres Erachtens nicht wirklich aussagekräftig ist", so der Generalvikar Ulrich Graf von Plettenberg am Dienstag in einer Stellungnahme. So gehe die Befragung von vollkommen anderen Zahlen zur ehrenamtlichen Beteiligung als das Bistum aus und vermische in den Fragen verschiedene Themen miteinander.

Die Initiative "Kirchengemeinde vor Ort" hatte 500 Katholiken im Bistum durch ein Marktforschungsinstitut befragen lassen. Demnach stimmten 63 Prozent der Aussage zu, durch die Strukturreform "schafft sich die regionale Kirche letztlich selbst ab". Zudem ergebe eine Hochrechnung aus der Befragung, dass bis zu 60.000 Ehrenamtliche ihr Engagement nicht mehr fortsetzen wollten. 32 Prozent der Befragten hätten angegeben, über einen Kirchenaustritt nachzudenken.

Die meisten Befragten hätten keine begründete Meinung

Das Bistum bemängelt nun, dass sich laut der Umfrage nur 42 Prozent mit den Aktivitäten des Bistums beschäftigen. "Für den weiteren Fortgang heißt das, dass die meisten Befragten gar keine begründete Meinung zu den Fragen haben können." Die Initiative gehe außerdem von 160.000 Ehrenamtlichen in der Diözese aus. Schätzungen des Bistums, wonach es sich um 80.000-90.000 handele, seien jedoch von den Aktivisten bisher als "zu hoch gegriffen" angezweifelt worden. "Dass es nun laut der Umfrage doppelt so viele Engagierte sein sollen, verwundert", so das Bistum. Laut den Ergebnissen der Umfrage wollen sich von den 500 Befragten 24 Personen nicht mehr engagieren. "Hieraus auf 60.000 Christen hoch zu rechnen, die sich künftig nicht mehr engagieren möchten, halten wir – vorsichtig formuliert – für nicht seriös."

Zudem vermische die Studie Themen, "um die Tendenzen der Initiative zu bestätigen". So werde beim Kirchenaustritt gefragt, ob sich Personen "mit dem Gedanken tragen, wegen der aktuellen Entwicklungen in der Kirche bzw. der Strukturreform aus der katholischen Kirche auszutreten". So lasse die Antwort keine Rückschlüsse auf konkrete Beweggründe zu.

Das Bistum schreibt weiter, dass sich zur Pfarreireform 95 Prozent der pfarrlichen Gremien geäußert hätten. Knapp ein Drittel sehe die Veränderungen kritisch. Das stehe im Gegensatz zu den von der Initiative behaupteten zwei Dritteln der Ehrenamtlichen. Laut Bistum belege die eigene Befragung, dass die Ehrenamtlichen "eher die Notwendigkeit der Neuausrichtung des kirchlichen Handelns sehen als ein zufällig befragter Querschnitt der katholischen Bevölkerung von 500 Personen".

Im Bistum Trier sollen wegen des Rückgangs von Kirchenmitgliedern und Priestern die aktuell 887 Pfarreien und 172 Pfarreiengemeinschaften zu 35 Großpfarreien reduziert werden. Die ersten 15 sollen zum 1. Januar kommenden Jahres geschaffen werden. Gegen die Pläne gibt es seit Langem Proteste. (cph)