Katholische Laien befassen sich mit Sexualität und Sterbehilfe

Ein Zeichen des Aufbruchs

Stefan Vesper, ZdK-Generalsekretär auf einer Bank im Grünen
Bild: KNA

Das Treffen wird von dem Tod des Münsteraner Altbischofs Reinhard Lettmann überschattet, der am heute, parallel zum Beginn der Versammlung, beigesetzt wird. Mit einer Schweigeminute wollen die Delegierten seiner Gedenken.

Weniger Verbote, mehr Tugenden

Dann geht es an Eingemachte: Am Samstag möchte das oberste katholische Laiengremium über "Zukunftshorizonte christlicher Sexualethik" diskutieren. Nach den Themen wiederverheiratete Geschiedene und Frauendiakonat greift das ZdK mit der Sexualität erneut eine brisante Fragestellung aus dem Dialogprozess über die Zukunft der Kirche auf. In die Diskussion führt am Samstag der Münchner Moraltheologe Konrad Hilpert ein. Im vorigen Jahr kritiserte er bei einer Dialogveranstaltung des Bistums Essen eine starre Verbindung zwischen Sexualität und Zeugung in der kirchlichen Lehre. Zudem forderte er, von einer Verbotsmoral wegzukommen und eine Tugendmoral zu entwickeln, die positive Werte wie Treue und ganzheitliche Annahme attraktiv präsentiere.

"Neue Formen der Beteiligung"

Dr. Stefan Vesper, Generalsekretär des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, zur Frühjahrsvollversammlung in Münster

Peter Philipp

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ZdK-Präsident Alois Glück beklagte im Interview der münsterschen Bistumszeitung "Kirche + Leben" (Sonntag), dass die Kirche im Bereich der Sexualmoral weitgehend sprachlos geworden sei. Notwendig sei eine gute Gesprächskultur. "Was ist das für eine kirchliche Situation, wenn solche Themen nicht mehr offen diskutiert werden, weil man nicht angstfrei miteinander reden kann - insbesondere, wenn man in kirchlichen Diensten ist?", fragte Glück. Inzwischen fehle für diesen Fachbereich sogar wissenschaftlicher Nachwuchs, weil man lieber innerkirchlich weniger kritische Fächer studiere.

Familien mitdenken

Glück verlangte zudem eine grundlegende Debatte über die Familienpolitik. Obwohl 80 Prozent der jungen Leute Familie als wichtig für ihren Lebensentwurf einstuften, sehe die Wirklichkeit ganz anders aus. "Warum haben wir Familien mit Kindern nicht genauso in unser Denken und Handeln integriert wie beispielsweise den Umweltschutz?", so der ZdK-Präsident. Der im Grundgesetz verankerte besondere Schutz von Ehe und Familie werde nicht einfach dadurch erfüllt, dass andere Formen des Zusammenlebens einen geringeren rechtlichen Status haben.

Beim Sterben wirklich helfen

Mit Blick auf das Thema Sterbehilfe betonte Glück, dass jede Form organisierter Sterbehilfe zu verbieten sei. Er begrüßte, dass auf Bundesebene das Thema vertagt wurde. Im Januar sollte der Bundestag über einen Gesetzentwurf von Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) abschließend beraten, der lediglich die "gewerbsmäßige" Beihilfe zum Suizid unter Strafe stellen wollte. Nach Kritik aus Kirchen, Verbänden und Union stoppte Unions-Fraktionschef Volker Kauder (CDU) das Verfahren und kündigte neue Gespräche mit dem liberalen Koalitionspartner an.

Im Interview mit katholisch.de sprach sich der Generalsekretär des ZdK, Stefan Vesper, für einen Ausbau der Paliativmedizin aus: "Die Frage, wie wir eine gute Hilfe beim Sterben geben können, ist ein wichtiges gesellschaftliches Thema." Es reiche nicht, auf Verbote zu setzen, ohne Alternativen anzubieten. (mir/KNA)