Delegierte sitzen bei der Dioezesanversammlung der Erzdioezese Freiburg am 27. April 2013 während des Morgengebets in der Innenstadtkirche St. Martin, deren Kirchenbänke für die Versammlung ausgebaut worden sind.
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Diözesanversammlung endet mit Reformzusagen

Zollitsch will sich für Diakoninnen einsetzen

Erzbistum Freiburg - Mit einer umfassenden Reformagenda ging sie zu Ende, die Diözesanversammlung im Erzbistum Freiburg, der Heimat des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch. Nicht nur deshalb ging das Interesse weit über die Bistumsgrenzen hinaus, als erstmals seit mehr als zwei Jahrzehnten 300 Delegierte aus dem gesamten Erzbistum über aktuelle Probleme und Herausforderungen für Glaube und Kirche beraten haben.

Freiburg - 28.04.2013

Zu den Hauptforderungen gehört der Ruf nach mehr Rechten für Frauen in der Kirche. Auch größere Kreativität in Gottesdiensten, ein stärkeres Engagement für Menschen am Rande der Gesellschaft und ein Ende der Diskriminierung von Homosexuellen werden angemahnt.

Die viertägigen Beratungen waren geprägt von engagierten Diskussionen. Deutlich wurde aber auch, dass das Heft des Handelns und die Entscheidungshoheit eindeutig bei der Kirchenleitung und bei Erzbischof Zollitsch bleiben.

Dieser versprach am Sonntag, die Reformvorschläge aufzugreifen und in verschiedenen Gremien und Räten des Bistums anzupacken. "Nichts wird vergessen werden oder verloren gehen. Ich stehe dafür ein, dass die Themen auf dem Tisch bleiben", so der Vorsitzende der Bischofskonferenz zum Abschluss der Versammlung.

Handreichung für wiederverheiratete Geschiedene geplant

Konkret kündigte er an, sich dafür einzusetzen, in der katholischen Kirche ein neues Amt der Diakonin zu schaffen. Auch habe er vor, in seinem Bistum auf wiederverheiratete Geschiedene zuzugehen, die bisher von wichtigen Teilen des kirchlichen Lebens - etwa vom Kommunionempfang - ausgeschlossen sind. Ob und wann ein entsprechendes, bereits vorbereitetes Papier veröffentlicht wird, bleibt indes unklar.

Die sogenannte "Handreichung" könnte beispielsweise Wiederverheirateten den Gang zur Kommunion offiziell erlauben, wenn sich die Betroffenen auf Gespräche und Begleitung von Seelsorgern einlassen und somit dokumentieren, die erste Ehe nicht leichtfertig beendet zu haben. Denkbar wäre auch eine neue Form der Segnung für eine zweite Ehe.

Ich stehe dafür ein, dass die Themen auf dem Tisch bleiben

Zitat: Erzbischof Robert Zollitsch

Große Überraschungen und Innovationen blieben während der viertägigen Debatten in der Freiburger Martinskirche indes aus. Vor allem wurden Themen aufgegriffen, die seit längerem innerhalb der katholischen Kirche diskutiert werden.

Dazu gehört nicht zuletzt der Ruf nach einer Stärkung von Frauen in der Kirche. Dabei fordern die Delegierten auch, "das Thema Frauen als Priesterinnen nicht mit Denkverboten zu belegen".

Öffnung zu "Gegenwartskulturen" gefordert

Darüber hinaus sprechen sich die 100 Frauen und 200 Männer beispielsweise für eine stärkere Öffnung der Kirche zu "Gegenwartskulturen" aus. Zudem müsse das Leben in den Seelsorgeeinheiten vor Ort spiritueller werden. Gottesdienste sollten vielfältiger und stärker auch von Nicht-Priestern gestaltet werden dürfen.

Zudem sollten sich alle Katholiken mehr für Kranke, Behinderte und Menschen am Rande der Gesellschaft engagieren - ganz im Sinne der Appelle des neuen Papstes Franziskus. Zollitsch wünscht sich zudem neue Impulse für kirchliche Angebote für Kinder. Eltern müssten bei der religiösen Erziehung ihrer Kinder besser begleitet werden.

Zollitsch will Evaluation in einem Jahr

Eine echte Abstimmung über die 33 Einzelforderungen der als Beratungsgremium des Bischofs charakterisierten Versammlung fand nicht statt. Allerdings konnten die Delegierten mit "Zustimmungspunkten" ihre Unterstützung oder Ablehnung signalisieren.

Einzelne Delegierte äußerten Kritik an diesem Verfahren und beklagten das Fehlen einer umfassenden Debatte im Plenum. "Ich mache ein großes Fragezeichen, ob unsere Versammlung wirklich auf Augenhöhe und ergebnisoffen diskutieren konnte", sagte eine Teilnehmerin und bekam dafür Applaus.

Annette Bernards, die im Präsidium der Versammlung saß, sprach von hochengagierten und hochkompetenten Beratungen, "die das zum Ausdruck bringen, was uns vor Ort unter den Nägeln brennt.»"Die Versammlung dürfe aber kein "Strohfeuer" bleiben, sondern nun komme es darauf an, an der Umsetzung der Vorschläge dranzubleiben.

Zollitsch lud zum Abschluss ein, in einem Jahr erneut zusammenzukommen, um sich über den Stand der Umsetzung der Empfehlungen zu "vergewissern" und zu "informieren".

Von Volker Hasenauer (KNA)