Bamberger Erzbischof über die Debatte um Hass im Netz

Schick: "Jeder ist für Respekt in Gesellschaft verantwortlich"

Aktualisiert am 06.11.2019  –  Lesedauer: 
Dr. Ludwig Schick, Erzbischof von Bamberg, geboren 22.09.1949, Bischofsweihe am 12.07.1998.
Bild: © KNA

Bamberg ‐ Vor einigen Tagen hatte die AfD das neue Nürnberger Christkind mit einem rassistischen Kommentar angegriffen. Erzbischof Ludwig Schick hatte Benigna Munsi daraufhin verteidigt. Im Interview legt er seine Sicht auf die Debatte um Hass im Netz dar.

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Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick hat am Wochenende so viel Resonanz wie noch nie auf Twitter und Facebook erhalten, nachdem er das neue Nürnberger Christkind Benigna Munsi gegen einen rassistischen Kommentar aus dem AfD-Kreisverband München-Land verteidigt hatte. Schick war bereits selbst von Hass-Posts auf AfD-Facebook-Seiten betroffen und erhielt Todesdrohungen. Im Interview spricht er darüber, wie wichtig er Solidarität im Internet findet und warum aus seiner Sicht in der Debatte um Hass im Netz der Ruf nach härteren Strafen nicht reicht.

Frage: Herr Erzbischof, nach dem Post gegen das Nürnberger Christkind sind Sie Benigna Munsi beigesprungen. Warum haben Sie mit einem zweiten Tweet nachgelegt, indem sie noch einmal Bezug auf Kommentare gegen "Ausländer" nahmen und das Engagement indischer Ordensfrauen würdigten?

Schick: Twitter und Co bewirken viel Gutes. Es gibt aber auch viele Tweets und Posts im Internet, die dumm, kurzsichtig und beschränkt sind. Da sie die öffentliche Meinung beeinflussen, darf man sie nicht hinnehmen. Die bösartigen Kommentare zur Wahl von Benigna hatten einen ausländerfeindlichen Hintergrund. Ich wollte zeigen, wie wichtig und wertvoll Menschen aus anderen Nationen für unsere Gesellschaft in Deutschland sind. Um aufzuklären und gegen Dummheiten anzugehen, habe ich nachgelegt.

Frage: Sie haben selbst immer wieder Hass-Posts im Netz erlebt. Wie wichtig ist da die Unterstützung anderer?

Schick: Es ist sehr wichtig, die, die Hass-Posts erhalten, zu unterstützen. Das habe ich selbst wohltuend erlebt. Unterstützer-Posts für gute Nachrichten weisen auch die, die Hass-Posts verbreiten, in die Schranken.

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Frage: Mit dem Mord an dem Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke und den Morddrohungen gegen Cem Özdemir und Claudia Roth tritt Hass offen zu Tage. Was sagt das über die Gesellschaft aus?

Schick: Es ist erschreckend, dass Gewalt in Worten und Taten bei uns zunimmt. Dennoch ist unsere Gesellschaft nicht verloren. Aber alles, was möglich ist, muss getan werden, dass wir nicht weiter abgleiten: Bessere Polizeipräsenz und Bestrafung von Hass und Bedrohungen sowohl im realen Leben wie in den Medien. Vor allem muss aber die Erziehung und Bildung vom Kindergarten bis zur Erwachsenenbildung verstärkt Werte und Tugenden, Ethik und Moral vermitteln. Da fehlt es!

Frage: Es werden immer wieder härtere Strafen gefordert. Ist das die Lösung?

Schick: Das Strafrecht muss konsequent angewendet werden. Härtere Strafen lösen das Problem nicht. Ein schnelleres Löschen von Hass-Posts muss erreicht werden. Im Alltag ist mehr Zivilcourage und Achtsamkeit erforderlich. Jede und jeder sollte sich für Respekt und Anstand in unserer Gesellschaft verantwortlich fühlen. Und noch einmal: Erziehung und Bildung sind das A und O.

Von Christian Wölfel (KNA)