Köln ist Gastgeber des Eucharistischen Kongresses

Das Herz der Welt

Der Kölner Dom bei Nacht.
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Die Gründungsphase liegt in der Zeitenwende. Wegen ihrer römerfreundlichen Haltung duldete Cäsar, dass die Ubier etwa 50 vor Christus das linke Rheinufer besiedelten.

Wann nach der Unterwerfung dieses Germanenstammes das "oppidum Ubiorum" entstand, ist unklar. Sicher ist, dass 19 vor Christus mit dem Bau einer größeren Siedlung begonnen wurde, rund 50 Jahre nach Christus entstand die "Colonia Claudia Ara Agrippinensium". Benannt war die römische Kolonie nach der dort geborenen Agrippina, der Frau des römischen Kaisers Claudius. Und aus Colonia wurde im Laufe der Zeit Köln.

Rheinische Rivalität

Im fünften Jahrhundert geriet Köln unter fränkische Herrschaft, und wieder ein halbes Jahrtausend später begann die Phase, in der der kirchliche Einfluss auf die Stadt zunahm. Religiöse und weltliche Macht verschmolzen, Konflikte waren die Konsequenz. Ein Höhepunkt im Dauerstreit zwischen Bürgern und Kirche war die Schlacht bei Worringen 1288. Der geschlagene Bischof floh. Er begründete 30 Kilometer stromabwärts ein Dorf an der Düssel - und damit den Ausgangspunkt der bis heute bestehenden Rivalität zwischen Köln und der Landeshauptstadt Düsseldorf und auch den Brauch, sich gerne mit dem Bischof anzulegen und ihn falls nötig aus der Stadt zu jagen.

1794 besetzten französische Truppen für zwei Jahrzehnte die Stadt - und hinterließen viele Spuren. Die duftendste ist 4711, der Name der Weltmarke "Eau de Cologne". Weniger begeistert waren die Kölner, als 1814 preußische und russische Truppen in die Stadt zogen. Obwohl den Preußen gelang, was die Kölner jahrhundertelang nicht schafften: die Vollendung des Doms. Das 157 Meter hohe Gotteshaus war geplant worden, als der Kölner Erzbischof und Reichskanzler von Kaiser Barbarossa, Rainald von Dassel, die Gebeine der Heiligen Drei Könige 1164 als Kriegsbeute aus Mailand nach Köln überführt hatte. Der von Nikolaus von Verdun Anfang des 13. Jahrhunderts geschaffene Schrein gilt als wichtigste Goldschmiedearbeit seiner Zeit.

Die Silhouette der Kölner Altstadt mit Dom (rechts) und Groß Sankt Martin vom Rhein aus gesehen.
Bild: © xurzon/Fotolia.com

Die Silhouette der Kölner Altstadt mit Dom (rechts) und Groß Sankt Martin vom Rhein aus gesehen.

Europaweiter Touristenmagnet

Doch der Dom als Inbegriff gotischer Baukunst war nicht nur der steinerne Sarkophag für die drei Weisen aus dem Morgenland, sondern schon im Mittelalter ein europaweiter Touristenmagnet. Damals war Köln nach Rom die zweitgrößte Stadt Europas. Bis heute laufen täglich 18.000 Menschen durch den Dom, das zirka 43 Meter hohe und rund 145 Meter lange Weltkulturerbe.

Das Heilige Köln ist indes trotz des Doms und der kunsthistorisch ebenfalls sehr bedeutsamen romanischen Kirchen mehr als seine Sakralbauten. 40 internationale Messen machen die Stadt am Rhein zu einem weltweit wichtigen Ausstellungsplatz. Private und öffentlich-rechtliche Sender begründeten den Ruf als Medienhauptstadt. Dutzende Museen repräsentieren den kulturellen Stellenwert der Geburtsstadt von Heinrich Böll und Karlheinz Stockhausen. Und dort, wo vor Jahrhunderten Albertus Magnus und Johannes Duns Skotus lehrten und starben, steht immer noch eine der größten deutschen Universitäten.

"Köln ist ein Traum"

Aber was Köln ausmacht, hat mit alledem nichts zu tun: Einzigartig ist die selbstverliebte Sentimentalität, mit der sich diese Stadt ständig selbst feiert und feiern lässt. Dutzende von Musikgruppen texten und komponieren jedes Jahr neu Trivialitäten, die überall sonst als Volksmusik abgestempelt würden, in Köln aber zum Allgemeingut werden, das alle sozialen Schichten verbindet. Seinen Höhepunkt findet dieses Lebensgefühl an Karneval, wenn das Millionendorf am Rhein eine Woche lang wie paralysiert feiert, tanzt und trinkt. Und wenn die tollen Tage vorbei sind, ist auch im Rest des Jahres jeder andere Anlass zum Feiern recht.

Hauptsache, Köln kann sich selbst inszenieren. So wird es auch beim Eucharistischen Kongress sein, von Kardinal Joachim Meisner für seine rheinischen Schäfchen treffend mit "eucharistischer Karneval" übersetzt. Auch vom 5. bis 9. Juni wird sich Köln sicher als liberale, weltoffene und fröhliche Stadt präsentieren. Doch für all diese Klischees gilt, was der Literatur-Nobelpreisträger Böll so formulierte: "Köln gibt es schon, aber es ist ein Traum."

Michael Jacquemain (KNA)