Schüler für ein Fach begeistern? Mit "Liebe" geht's!
Kolumne: Mein Religionsunterricht

Schüler für ein Fach begeistern? Mit "Liebe" geht's!

Zum Valentinstag beschäftigt sich Carina Caruso in ihrer Kolumne mit der Bedeutung der Liebe im Berufs- und Lehrerleben. Sie ist überzeugt: Liebe zum Beruf ist gerade im pädagogischen Kontext von besonderer Bedeutung.

Von Carina Caruso |  Bonn/Trier - 14.02.2020

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Feierabend – noch schnell in den Supermarkt. Die Zeit in der Schlange vor der Kasse bedingt, dass ich die Gegenstände im Kassenbereich wahrnehme: Pralinen in Herzform, Karten mit Liebesbekundungen, Blumen. Ach ja – Februar und Valentinstag. Ein Brauchtum, das auf das Fest des heiligen Valentinus zurückgeht ... Mich haben die potenziellen Geschenke im Supermarkt aber aus anderen Gründen beschäftigt: Liebe an einem bestimmten Tag bekunden – warum? Es ist doch ein Gefühl und zeigt sich in konkreten Situationen und Handlungen, weil das, was wir sagen, tun und denken, nicht losgelöst von Erfahrungen und Gefühlen passiert.

Am Nachmittag hatte auch ich Blumen bekommen: ein Studierender kam mit einer schon weit gediehenen Idee für eine Masterarbeit. Die Fragestellung, so der Studierende, entwickelte sich aus einem gemeinsamen Seminarkontext heraus und würde ihn "umtreiben". Schön! Dafür scheinen der Studierende und ich gleichermaßen dankbar, so dass quasi gleich zwei Menschen "Blumen bekamen". "Und was sind die Pralinen meiner Woche?", überlege ich weiter. Eigentlich gibt es da so einige: Studierende oder Schüler, die sich rege beteiligen, die Fragen einbringen. Viele Menschen, zum Beispiel Kollegen, die auch mal spontan und zwischen Tür und Angel einladen, sich für ihre Denkfiguren zu begeistern, oder einfach kurz gemeinsam zu entschleunigen. Die Tatsache, dass ich während der Arbeitszeit ganz unterschiedliche und interessante Menschen treffen kann, mit denen ich gemeinsam arbeiten und denken, aber nicht selten auch querdenken und neudenken darf. Das Privileg, sich beruflich mit Inhalten und Themen auseinandersetzen zu dürfen, die mich interessieren, umtreiben und mir ermöglichen, immer wieder neue Perspektiven kennenzulernen.

"Liebe" als Antrieb, Motivation und Lohn für die Arbeit

"Liebe" zum Beruf erscheint mir für alle, insbesondere aber für pädagogische Kontexte von besonderer Bedeutung. Denke ich an Schule und Unterricht, so ist Liebe sowohl der Antrieb und die Motivation als auch der Lohn für die Arbeit. Die Auseinandersetzung der Lehrkraft mit Themen und Fragen aus tiefer Zuneigung kann dazu führen, dass sich der Wunsch nach Wissen und somit nach vertiefter Auseinandersetzung entfaltet: Das gilt für Lernende ebenso wie für Lehrkräfte. Natürlich, nicht jede Lehrkraft findet jedes Thema gleichermaßen interessant. Es gibt auch Themen, die Lehrkräfte und Lernende gleichermaßen wenig attraktiv finden.

Ein Schüler zeigt im Klassenraum auf

Nur wer die Inhalte seines Faches wirklich interessant findet, kann eine positive Ausstrahlung und Spaß an seiner Arbeit haben. Das merken auch die Lernenden.

Davon mal abgesehen ist meine Vorstellung, dass die Zufriedenheit und die Zuneigung der Lehrkraft für das jeweilige Unterrichtsfach und die Inhalte sowie das Interesse an der Erziehung und Bildung der Kinder und Jugendlichen zwangsläufig die Aufmerksamkeit der Lernenden gewinnt. Nur wer die Inhalte seines Faches oder seiner Tätigkeit auch wirklich interessant findet, kann eine positive Ausstrahlung und Spaß an seiner Arbeit haben. Das merken auch die Lernenden. Eine Lehrkraft, die ihre Arbeit liebt, freut sich darauf, sich nicht verbiegen zu müssen, sondern sich selbst zu verwirklichen, etwas Sinnvolles tun, etwas in der Welt zu bewegen, für und mit Kindern und Jugendlichen zu theologisieren oder Fragen und Antworten gemeinsam mit Lernenden auf der Spur sein zu dürfen. Und genau diese Liebe zum Beruf ist es, die man nicht verstecken kann, die aber Kinder und Jugendliche begeistern kann und das jeden Tag und jede Stunde.

Liebe und Zuneigung im Berufsalltag aufspüren

Zu Hause angekommen, sinniere ich weiter: "Liebe zum Beruf", "Beruf und Liebe": stimmt! Viele Jahre bemüht man sich darum, ihn zu finden, geht dabei durch Höhen und Tiefen, verzichtet vielleicht sogar auf Teile der Freizeit oder auf Zeit mit Freunden und Familie, um sich ihm anheischig zu machen. Es ist eine Entscheidung für Jahre, Jahrzehnte oder sogar ein ganzes (Berufs-)Leben – nahezu jeden Tag verbringt man mit ihm. Der Beruf bringt Talente zum Vorschein, fordert und fördert, bringt zum Lachen und zum Nachdenken. Liebe ist vielleicht für manch einen Geschmack ein zu starker Begriff, aber Zuneigung zum Beruf zu empfinden, wäre sicherlich wünschenswert, denn womit verbringen Menschen im Durchschnitt die meiste Zeit?

Kurzum: Mein Wunsch zum Valentinstag ist, dass wir Liebe und Zuneigung bewusst auch im Berufsalltag aufspüren (lernen) und – ähnlich wie die Pralinen aus Schokolade – als Energiequelle nutzen können.

Von Carina Caruso

Die Autorin

Dr. Carina Caruso arbeitet am Institut für Katholische Theologie der Universität Paderborn. Als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bereich Religionsdidaktik ist sie für die Ausbildung von Religionslehrern verantwortlich.

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