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Standpunkt

Mit Bätzing haben die deutschen Bischöfe alles richtig gemacht

Georg Bätzing bringt als neuer Vorsitzender der Bischofskonferenz die richtigen Qualitäten mit, findet Roland Müller. In seinem Heimatbistum habe er bewiesen, dass er vermitteln könne. Das müsse er jetzt auch unter den zerstrittenen Bischöfen.

Von Roland Müller |  Bonn - 04.03.2020

Roland Müller, katholisch.de

Die deutschen Bischöfe haben Georg Bätzing zum neuen Vorsitzenden der Bischofskonferenz gewählt und damit alles richtig gemacht. Denn mit dem Limburger Oberhirten haben sie jemanden an ihre Spitze gewählt, der die Idealbesetzung für die anstehenden Aufgaben der Kirche in Deutschland ist: Bätzing unterstützt den Synodalen Weg "ganz und gar", wie er kurz nach seiner Wahl hervorhob. Auch eine rasche Entscheidung beim Thema Entschädigungen für Missbrauchsopfer ist ihm besonders wichtig. Eine weitere enorme Herausforderung sind außerdem die zunehmenden Spannungen unter den deutschen Bischöfen, die – wie Kirchenkenner meinen – so groß sind, wie seit Jahrzehnten nicht mehr.

Dass der Limburger Bischof in Konflikten vermitteln kann, hat er bereits in seiner Diözese bewiesen. Als Bätzing 2016 nach Limburg ging, war das Bistum durch den Skandal um Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst innerlich zerrüttet. Heute wird "Bischof Georg", wie Bätzing am liebsten genannt werden möchte, in Limburg hochgeschätzt, weil er die Wogen in seiner Diözese geglättet hat – aber auch für seine unprätentiöse Art. So wohnt er nicht im Limburger Bischofshaus, das durch die sprichwörtliche "goldene Badewanne" berühmt geworden ist, sondern in einem einfachen Wohnhaus. Bätzings Weggefährten in der Bischofskonferenz untermauern diesen Eindruck: Münsters Bischof Felix Genn attestierte ihm, bescheiden geblieben zu sein, sowie "integrieren, inspirieren und moderieren" zu können. Triers Oberhirte Stephan Ackermann nannte Bätzing gar "meinen Wunschkandidaten".

Über die Qualitäten, die der "Wunschkandidat" der Bischöfe mitbringen muss, haben sich die DBK-Mitglieder unmittelbar vor der Wahl eines neuen Vorsitzenden verständigt. In den Kleingruppen-Gesprächen am Dienstag sollen vor allem zwei Anforderungen genannt worden sein: Der Nachfolger von Kardinal Reinhard Marx solle bitte authentisch sein und die Gabe der Vermittlung besitzen – zwei Eigenschaften, die perfekt auf Bätzing zutreffen. Wohl deshalb haben sich die Bischöfe nach wenigen Wahlgängen relativ schnell auf den Limburger Bischof geeinigt.

Dass es für ihn nicht leicht werden wird, aus dem Schatten seines omnipräsenten Vorgängers zu treten, ist Bätzing bewusst. Er steht offen zu seinen Schwächen und hat deshalb etwa zugegeben, dass mangelnde Italienischkenntnisse und fehlende Kontakte in der römischen Kurie sein Manko sind. Stattdessen hat Bätzing angekündigt, nicht das alleinige Gesicht der Bischofskonferenz sein zu wollen und seine bischöflichen Mitbrüder als Experten zu bestimmten Themen stärker ins Rampenlicht zu rücken – ein Plan, der die deutschen Bischöfe vielleicht wieder versöhnen kann.

Von Roland Müller

Der Autor

Roland Müller ist Redakteur bei katholisch.de

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