Dies ist darauf zurückzuführen, dass die Alliierten die Vertreter der Kirche bzw. jene ihrer Presseerzeugnisse bei der Lizenzvergabe bevorzugt behandelten. Im Gegensatz zu anderen Großorganisationen ging man zunächst bei den Kirchen von einer relativ integeren Rolle im Nationalsozialismus aus. Auf dieser Basis entwickelte und etablierte sich in der Bundesrepublik Deutschland in den zurückliegenden sechs Jahrzehnten eine differenzierte Presselandschaft, in der bis heute die katholischen Zeitschriften eine wesentliche Rolle spielen.
Ein spezifisches Merkmal kennzeichnet die konfessionellen Printmedien: Sie geben Orientierungen zu den Trends und Entwicklungen der modernen Gesellschaft aus einem christlichen Selbstverständnis.
— Ute Stenert
Charakteristisch für das Zeitschriftenwesen ist die typologische Vielfalt. Im Bereich der konfessionellen Zeitschriften wird zwischen Wochenzeitschriften und Magazinen (früher Sonntagsblätter), Missions-, Verbands- und Frauenzeitschriften, Kinder- und Jugendzeitschriften sowie Kultur-und Fachzeitschriften unterschieden. Themenauswahl, Sprache, Layout sind auf die jeweiligen Zielgruppen zugeschnitten.
Bei aller Unterschiedlichkeit verstehen sich die konfessionellen Printmedien als konstruktive und zugleich kritische Begleiter der Kirche. Ihr Ziel ist es, als Multiplikator auf dem publizistischen Markt zu wirken. Zeitschriften konfessioneller Prägung setzen kirchenpolitische Themen auf die öffentliche Agenda. Zugleich hinterfragen, kommentieren und erklären sie relevante gesellschaftliche Themen. Die konfessionelle Presse positioniert sich vor allem zu Fragen von Werten, Religiosität, Sinnsuche und Spiritualität.
Ein spezifisches Merkmal kennzeichnet die konfessionellen Printmedien: Sie geben Orientierungen zu den Trends und Entwicklungen der modernen Gesellschaft aus einem christlichen Selbstverständnis. Sie stehen daher auch für die Bereiche Servicefunktion, Lebenshilfe, Ratgeberthemen. Als internes Kommunikationsmittel dienen sie der Stärkung des inneren Zusammenhalts, indem sie die Auseinandersetzung mit den eigenen religiösen Überzeugungen fördern und auf deren Bedeutung für das Leben im Alltag hinweisen.
Dieses Vorhaben wird zunehmend schwieriger, denn die Akteure im konfessionellen Zeitschriftenwesen müssen sich unterschiedlichen Herausforderungen stellen. Es gilt, sich in einer doppelten Umbruchsituation durchzusetzen: Zum einen müssen die konfessionellen Zeitschriften – wie viele säkulare Titel auch – den medialen Wandel in eine digitale Medienwelt bewältigen. Zum anderen müssen sie gravierende gesellschaftliche Umbrüche, die insbesondere mit der zunehmenden Auflösung traditioneller Milieus und der Vereinzelung statt verbindlicher Zugehörigkeit zu Gruppen einhergehen, berücksichtigen. Dieser Entwicklung können die Zeitschriften durch Anpassungsfähigkeit und Offenheit für Neues bei gleichzeitiger Konzentration auf ihre Kernkompetenz, Orientierung zu geben, begegnen.
Literatur / Links
Oertel, Ferdinand: Der Kirchenzeitungsmann. Erinnerungen aus fünfzig Journalistenjahren. Münster 2009. Schmolke, Michael: Die kirchlich-konfessionelle Presse. In: Jürgen Wilke (Hg.): Mediengeschichte der Bundesrepublik Deutschland. Köln-Weimar-Wien 1999, S. 350–374.