Generalvikar Klaus Pfeffer
Dem Aufruf von Erzbischof Viganò "muss widersprochen werden!"

Generalvikar Pfeffer: Bischöfe verbreiten Verschwörungstheorien

Krude Theorien und Anleihen bei "rechtspopulistischer Kampf-Rhetorik": Der Essener Generalvikar Klaus Pfeffer kritisiert das Corona-Dokument von Erzbischof Carlo Maria Viganò scharf. Vorher hatten hochrangige Kirchenvertreter den Aufruf unterzeichnet.

Essen - 09.05.2020

Der Generalvikar des Bistums Essen, Klaus Pfeffer, kritisiert eine Gruppe um Kardinal Gerhard Ludwig Müller, Erzbischof Carlo Maria Vigano und Kardinal Joseph Zen Ze-kiun. Diese haben eine Warnung veröffentlicht, nach der die Corona-Pandemie genutzt werden solle, um eine "Weltregierung" zu schaffen, "die sich jeder Kontrolle entzieht".

Jeder, der diesen Aufruf unterzeichnet habe, entblöße sich selbst, schreibt Pfeffer auf Facebook. Er sei "einfach nur fassungslos, was da im Namen von Kirche und Christentum verbreitet wird: Krude Verschwörungstheorien ohne Fakten und Belege, verbunden mit einer rechtspopulistischen Kampf-Rhetorik, die beängstigend klingt."

Es sei ungeheuerlich, wenn Anstrengungen zur Eindämmung einer Pandemie diskreditiert würden als "Vorwand", um eine "hasserfüllte technokratische Tyrannei" zu begründen, die die "christliche Zivilisation auslöschen" wolle, so Pfeffer weiter: "Dem muss widersprochen werden! Mit Jesus Christus, auf den sich die Unterzeichner berufen, haben derart wirre Thesen, die Ängste schüren, Schwarz-Weiß-Denken verfolgen, üble Feindbilder zeichnen und das Miteinander in unseren Gesellschaften vergiften, nichts zu tun."

Aufruf des ehemaligen US-Nuntius Viganò

In dem gut drei Seiten langen Aufruf kritisieren die Unterzeichner, die "Covid-19-Epidemie" werde als Vorwand genutzt. Unveräußerliche Rechte der Bürger würden verletzt und deren "Grundfreiheiten unverhältnismäßig und ungerechtfertigt eingeschränkt", einschließlich des Rechts auf Religionsfreiheit, freie Meinungsäußerung und Freizügigkeit.

Die Schutzmaßnahmen dienten der "Kriminalisierung persönlicher und sozialer Beziehungen". So ernst der Kampf gegen Covid-19 sein möge, dürfe er nicht "als Vorwand zur Unterstützung unklarer Absichten supranationaler Einheiten dienen, die sehr starke politische und wirtschaftliche Interessen verfolgen". Über die Durchführung von Gottesdiensten dürften allein die "Hirten der Kirche" unabhängig entscheiden, nicht staatliche Behörden.

Der Aufruf ist eine Initiative des früheren Päpstlichen Botschafters in den USA, Erzbischof Carlo Maria Vigano, und wurde außer von Kardinal Müller auch von Hongkongs Kardinal Zen sowie anderen Geistlichen, Medizinern, Journalisten und Anwälten unterzeichnet. Kurienkardinal Robert Sarah, Leiter der vatikanischen Gottesdienstkongregation, zog seine anfängliche Zusage einer Unterschrift am Freitag zurück. (KNA)