Augsburger Friedenspreis für Marx und Bedford-Strohm
Vertreter von Katholiken und Protestanten ausgezeichnet

Augsburger Friedenspreis für Marx und Bedford-Strohm

Weil sie den Blick nicht auf Unterschiedlichkeiten lenken, sondern das Gemeinsame betonen, erhalten Kardinal Reinhard Marx und Heinrich Bedford-Strohm den diesjährigen Augsburger Friedenspreis. Dabei sehen die Preisträger die Auszeichnung als Ermutigung.

Augsburg - 08.08.2020

Der Augsburger Friedenspreis geht in diesem Jahr an den katholischen Münchner Kardinal Reinhard Marx (66) und den evangelischen bayerischen Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm (60). Mit der Auszeichnung würdige man zwei Männer, die den Blick nicht auf Unterschiedlichkeiten lenkten, sondern das Gemeinsame betonten, sagte Augsburgs Oberbürgermeisterin Eva Weber (CSU) am Samstag im Augsburger Rathaus. Die Geistlichen hätten in der Vergangenheit einander immer wieder die Hand ausgestreckt, stellvertretend für ihre Kirchenmitglieder. "Sie konzentrieren sich auf das, was sie verbindet - den gemeinsam gelebten Glauben und ein friedvolles Miteinander."

Der evangelische Regionalbischof im Kirchenkreis Augsburg und Schwaben, Axel Piper, erklärte als Jury-Vorsitzender, die Preisträger trügen "durch ihren persönlichen, authentischen und kontinuierlichen Einsatz für das Verbindende und Brückenbauende zwischen den großen deutschen Konfessionen und darüber hinaus bei". Es sei maßgeblich Marx und Bedford-Strohm zu verdanken, dass das Reformationsgedenken 2017 "als Christusfest und damit als Fest der Gemeinsamkeit und nicht der Trennung" gefeiert worden sei.

Piper ergänzte: "Im besten Sinn wirken beide auf einen Frieden als lebensfördernde göttliche Ordnung und Orientierung in unserer Welt hin." Dieses Prinzip des Friedens umfasse das ungefährdete Wohlergehen, Glück, Ruhe und Sicherheit aller Menschen.

Auszeichnung als Ermutigung

Beide Preisträger erklärten in einer ersten Reaktion, die Auszeichnung sei für sie eine Ermutigung. Marx sagte: "Das Christentum in Deutschland und in Europa wird nur eine Zukunft haben, wenn wir ganz stark ökumenisch zusammenarbeiten und zusammenbleiben." Bedford-Strohm äußerte die Hoffnung, "dass wir auch im Hinblick auf ein gemeinsames Abendmahl weiterkommen. Ich sehe diesen Preis als öffentliches Zeichen dafür, dass man das von uns erwartet und als starke Ermutigung dafür, den Weg der Ökumene weiterzugehen."

Der Augsburger Bischof Bertram Meier hat die neuen Träger des Augsburger Friedenspreises als "Pioniere des Friedens" gewürdigt. Das "ökumenische Tandem" habe in der Vergangenheit Profil beim Einsatz "für die freie Religionsausübung über den christlichen Tellerrand hinaus" gezeigt, teilte Meier mit.

"Im Hinblick auf die Ökumene ist es ihnen mit zu verdanken, dass vor drei Jahren das Reformationsgedenken als gemeinsames Christusfest gefeiert werden konnte", erklärte der Bischof. Und weiter: "Als 2015 die Flüchtlingskrise brodelte, haben beide im ökumenischen Schulterschluss ihre Stimme für Deutschland als gastfreundliches Land erhoben und konkrete Schritte für die Praxis der Flüchtlingspolitik gesetzt."

Marx stammt gebürtig aus dem westfälischen Geseke. Er war seit 2002 Bischof von Trier, seit 2008 ist er Erzbischof von München und Freising. 2010 wurde er zum Kardinal erhoben, von 2014 bis März 2020 war er Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz (DBK). Bedford-Strohm kam in Memmingen im Allgäu zur Welt. Seit 2011 ist er Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern und seit 2014 zudem Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).

Der Augsburger Friedenspreis ist mit 12.500 Euro dotiert. Verliehen wird er traditionell im Herbst. Die Ehrung wird seit 1985 alle drei Jahre anlässlich des Hohen Friedensfestes vergeben, das in Augsburg stets am 8. August begangen wird und deutschlandweit der einzige gesetzliche Feiertag ist, der nur in einer Stadt gilt. Den Preis begründet haben die Stadt Augsburg und die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern. In der Jury sitzen auch Vertreter der katholischen Kirche und der Universität Augsburg. Die Auszeichnung soll besondere Leistungen zur Förderung interkonfessioneller Gemeinsamkeiten und Verdienste zur Verständigung zwischen den Religionen würdigen.

Zu den bisherigen 13 Preisträgern zählen der Friedensnobelpreisträger Michail Gorbatschow, der frühere Bundespräsident Richard von Weizsäcker und die Gründerin der katholisch geprägten Fokolar-Bewegung, Chiara Lubich. Zuletzt hatte 2017 Martin Junge, Generalsekretär des Lutherischen Weltbundes, die Ehrung erhalten. (cph/KNA)

08.08., 16.30 Uhr: Ergänzt um Bertram Meier