Chora-Kirche in Istanbul seit 1948 ein Museum

Nach Hagia Sophia: Weitere ehemalige Kirche in Moschee umgewandelt

Aktualisiert am 21.08.2020  –  Lesedauer: 

Istanbul ‐ Nachdem bereits die Hagia Sophia trotz internationaler Proteste zur Moschee umgewandelt wurde, ereilt ein weiteres berühmtes Gotteshaus in Istanbul nun das gleiche Schicksal: In der ehemaligen Chora-Kirche sollen wieder islamische Gebete stattfinden.

  • Teilen:

Mehrere Wochen nach der umstrittenen Umwandlung der Hagia Sophia ist jetzt auch die ehemalige Chora-Kirche in Istanbul eine Moschee. Das 1945 zum Museum erklärte Moschee-Gebäude werde wieder für das islamische Gebet geöffnet, heißt es in einem am Freitag veröffentlichten Dekret des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan.  

Die Baugeschichte der Chora-Kirche reicht offiziellen Angaben zufolge bis ins 6. Jahrhundert zurück. Das Gebäude gilt als eines der wichtigsten byzantinischen Baudenkmäler Istanbuls. Es ist bekannt für jahrhundertealte byzantinische Fresken und Mosaike, die biblische Szenen darstellen. Nach der Eroberung Konstantinopels durch die Osmanen 1453 wurde die Kirche als Moschee genutzt und die Mosaike und Fresken mit Putz überdeckt. Nach einer Restaurierung wurde das Gebäude ab 1948 als Museum genutzt.

HTML-Elemente (z.B. Videos) sind ausgeblendet. Zum Einblenden der Elemente aktivieren Sie hier die entsprechenden Cookies.

Bereits im November 2019 hatte das Oberste Gericht der Türkei geurteilt, dass die Entscheidung von 1945, aus der Moschee ein Museum zu machen, unrechtmäßig sei. Der Weg für eine Rückumwandlung war damit frei. Erst jetzt wurde allerdings der Status geändert. Wann das erste muslimische Gebet in der ehemaligen Chora-Kirche stattfinden wird, stand nicht im Dekret.  

Im Juli war bereits die Hagia Sophia in Istanbul in eine Moschee umgewandelt worden. Am 24. Juli hatte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan mit Hunderten Gläubigen das erste Freitagsgebet seit 86 Jahren vollzogen. Die Hagia Sophia war 1.000 Jahre lang die größte Kirche des Christentums, anschließend viele Jahrhunderte Moschee und zuletzt Museum. Gegen die erneute Umwandlung in eine Moschee hatte es international viel Protest gegeben. 

In dieser Woche war bekannt geworden, dass die christlichen Mosaike und Fresken der Hagia Sophia entgegen der Zusagen der türkischen Regierung offenbar weiter verhängt sind. Demnach sind die Kunstwerke aus dem 9. und 10. Jahrhundert derzeit permanent hinter weißen Leinentüchern verborgen. (cbr)