Kardinal Christoph Schönborn während dem Pfingsthochamt am Sonntag, 9. Juni 2019, im Wiener Stephansdom.
"Ich vertraue auf die Überraschungen Gottes!"

Kardinal Christoph Schönborn seit 25 Jahren Wiener Erzbischof

Er ist Österreichs bekanntester Kirchenmann und galt zweimal als papabile: Kardinal Christoph Schönborn ist am Montag seit einem Vierteljahrhundert im Amt des Wiener Erzbischofs. Zum Jubiläum macht er sich auch Gedanken zur Zukunft der Kirche.

Wien - 14.09.2020

Kardinal Christoph Schönborn ist am Montag seit 25 Jahren Erzbischof von Wien. Am 14. September 1995 trat der damals 50-Jährige sein Amt in Österreichs größter Diözese an, in das ihn Papst Johannes Paul II. berief; 1998 folgte die Ernennung zum Kardinal. Den Vorsitz der Österreichischen Bischofskonferenz gab Schönborn, der in den vergangenen Jahren mehrere schwere Krankheiten überstehen musste, im Juni nach 22 Jahren ab. Sein Nachfolger wurde der Salzburger Erzbischof Franz Lackner. Der 64-Jährige war schon in den vergangenen fünf Jahren Schönborns Stellvertreter in der Bischofskonferenz gewesen.

Mit Erreichen der für Bischöfe geltenden Altersgrenze von 75 Jahren am 22. Januar bot der Kardinal dem Papst seinen Rücktritt als Wiener Erzbischof an, bleibt aber bis zur Bestellung eines Nachfolgers im Amt. "Ich vertraue auf die Überraschungen Gottes!", sagte er der Wiener Kirchenzeitung "Der Sonntag".

Seine Amtsübernahme 1995 erfolgte in turbulenten Zeiten: Die Vorwürfe gegen seinen Vorgänger Kardinal Hans-Hermann Groer standen am Beginn seiner Amtszeit. Dass die katholische Kirche in Österreich trotz bestehender Herausforderungen heute in einem ruhigeren Fahrwasser unterwegs ist, schreiben Beobachter auch Schönborns Qualitäten als "Krisenmanager", "Diplomat" und Menschenfreund zu. Bei den Papstwahlen 2005 und 2013 galt Schönborn gar als papabile, also als möglicher Kandidat für das Papstamt.

Schönborn: Frauenfrage ist drängend

Mit Blick auf die Zukunft der Kirche sagte Schönborn dem "Sonntag", manche im säkularisierten Europa wollten "radikale" institutionelle Reformen. Das gelte etwa mit Blick auf die Frauenfrage oder die Sexuallehre. Er sehe das nüchtern, da mit dem Anteil an der Weltbevölkerung auch die Bedeutung Europas schwinde. Diese Fragen hätten freilich trotzdem ihren Platz, so Schönborn; vor allem die Frauenfrage sei drängend.

Zur Frage, warum viele Menschen der Institution Kirche weniger Bedeutung beimessen, sagte Schönborn: "In vieler Hinsicht ist die Kirche heute gerade durch den Papst eine Stimme, die weltweit gehört wird." Doch in der säkularen Gesellschaft gebe es eine generelle Distanz gegenüber Institutionen. Ebenso seien vermehrte evangelikale Strömungen eine Anfrage an die katholische Kirche. Laut Schätzungen gebe es neben den 1,2 Milliarden Katholiken 400 Millionen in Freikirchen organisierte Christen.

Statt einer eigenen Feier soll bei der sogenannten Chrisammesse am Montagabend im Stephansdom an Schönborns Jubiläum erinnert werden. Die sonst in der Karwoche stattfindende Messe, bei der die Heiligen Öle für Priester- und Diakonweihen, Taufen, Firmungen und die Krankensalbung geweiht werden, war wegen Corona verschoben worden. (tmg/KNA)