Schachfigur
Standpunkt

Den Bischöfen täte mehr Selbstkritik zum Erkennen der Probleme gut

Für die Diskussionen zur Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz hat Julia Martin kein Verständnis. Sie hofft, dass die Oberhirten sich in der Debatte über die Rolle der Kirche in der Pandemie selbst reflektieren – denn Corona habe die echten Nöte der Menschen gezeigt.

Von Julia Martin |  Bonn - 23.09.2020

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Diskutiert die Vollversammlung wirklich über die drängenden Probleme? Eigentlich sollten doch die vergangenen Monate der Pandemie die tatsächlichen Nöte der Menschen gezeigt haben. Als Kirche wäre da mehr Potential gewesen, auf diese Herausforderungen zu reagieren. Doch was war oft die Patentlösung? Livestreams. Nicht, dass diese grundsätzlich als schlecht zu bewerten seien. Im Gegenteil. Doch war oft das Gefühl da, dass dann stehengeblieben und nicht weitergedacht wurde.

Sicher gab es auch großartige Aktionen von Pfarreien, die mit Osterpaketen ihre Gemeindemitglieder durch diese Tage begleitet haben. Aber das waren, leider, gefühlt Einzelbeispiele.

Und nun werden wieder theologische Debatten über Mahlgemeinschaft und Frauenweihe im Elfenbeinturm geführt, während die Gläubigen teilweise bis heute durch Corona nicht einmal die Möglichkeit haben, überhaupt Zugang zur Eucharistie zu haben. Da hilft es wenig, wenn von der Sonntagspflicht (die interessiert, ganz ehrlich, sowieso die wenigsten) dispensiert wird. Wenn schon immer von der Lebensrealität der Menschen gesprochen wird, dann ist es unverständlich, warum diese tatsächlichen Probleme nicht diskutiert werden.

Was die Gläubigen in den vergangenen Wochen, auch in Bezug auf den Synodalen Weg, hören und lesen, sind öffentliche Debatten, Wortmeldungen und Stellungnahmen, in denen sich sogenannte Progressive und Konservative gegenseitig angiften, weil man sich falsch verstanden fühlt und bitte alles richtigstellen muss. Und das alles in den typischen Floskeln und Formulierungen, die, außer von den Beteiligten, nicht einmal sprachlich verstanden werden, vom Inhalt ganz zu schweigen.

Es bleibt die leise Hoffnung, dass bei der heutigen Diskussion über die Rolle der Kirche in der Corona-Pandemie die Vollversammlung bei der Reflexion auch selbstkritisch mit sich ist. Dass man sich nicht nur gegenseitig für die guten Livestreams und geleistete Arbeit auf die Schulter klopft. Dass die Erkenntnis kommt, dass man hätte mehr tun können. Und dass man nicht sehenden Auges auf eine katastrophale Abwanderung durch glänzende Abwesenheit bei den Gläubigen zusteuert.

Von Julia Martin

Die Autorin

Julia Martin ist Pressesprecherin der Benediktinerabtei Münsterschwarzach.

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