Bertram Meier
Papst Franziskus wolle keinen Religionenmix

Bischof Meier: Mahlgemeinschaft braucht theologische Fundierung

Mahlgemeinschaft zwischen Katholiken und Protestanten? Dafür brauche es wohl viel Geduld, so Augsburgs Bischof Bertram Meier. Er erinnert auch an die Haltung des Papstes: Der wolle keine Vermischung der Religionen und keine globale Einheitsreligion.

Augsburg - 14.10.2020

In der Debatte um die Frage der Mahlgemeinschaft zwischen Katholiken und Protestanten plädiert der Augsburger Bischof Bertram Meier für mehr Geduld. Die Reaktionen auf entsprechende Forderungen zeigten, dass das Thema "durchaus kontrovers ist und weiterer theologischer Fundierung bedarf", sagte Meier im Interview der Augsburger Katholischen Sonntagszeitung (Wochenende). Er mahnte, sich vom für Mai 2021 in Frankfurt geplanten dritten Ökumenischen Kirchentag (ÖKT) nicht zeitlich unter Druck setzen zu lassen.

Der Bischof ergänzte: "Für passionierte Ökumeniker, zu denen ich mich selber zähle, gehört sich auch die Tugend des Mose, der ins Gelobte Land hineinschauen, aber es zu Lebzeiten nicht selbst betreten durfte." - Die vatikanische Glaubenskongregation hatte im September gegenseitigen Abendmahls- und Eucharistie-Einladungen von Katholiken und Protestanten eine theologisch begründete Absage erteilt.

Weiter sagte der Bischof, Papst Franziskus wolle keinen Religionenmix. "Wenn der Papst vom 'gemeinsamen Haus' spricht, dann meint er den ganzen Globus und hat durchaus die Vision von einer Relativierung der Staatsgrenzen." Im Blick auf die Religionen unterscheide er aber klar. Er "möchte weder eine Vermischung der Religionen, auch als Synkretismus bezeichnet, noch eine globale Einheitsreligion. Vielmehr geht es ihm darum, dass die Vertreter möglichst vieler Religionen zusammenwirken, um dem Globus ein menschlicheres Gesicht zu geben."

An dieser Stelle sei zwischen Ökumene und interreligiösem Dialog klar zu unterscheiden. "Während die Ökumene das Ziel der einen sichtbaren Kirche hat, die sich Jesus wünscht, zielt der interreligiöse Dialog darauf ab, dass Vertreterinnen und Vertreter verschiedener Religionsgemeinschaften immer intensiver kooperieren, vor allem wenn es um die Bewahrung der Schöpfung, um die Förderung der Grundrechte des Menschen sowie den Einsatz für die Armen geht."

Meier für kreative Weihnachtsfeste

Zudem forderte Meier, Weihnachten angesichts der Corona-Pandemie auf kreative Weise zu feiern. "Mein Ziel als Bischof ist es, das Geheimnis von der Menschwerdung Gottes möglichst breit unter die Menschen zu bringen. Deshalb wird Weihnachten nicht nur in einer 'klassischen' Christmette mit Eucharistie gefeiert", sagte der Bischof. Er habe vielmehr in einem Brief an die Seelsorger appelliert, "kreativ verschiedene Feierformen je nach den Umständen anzubieten".

Meier erklärte: "Krippenspiele, Seniorengottesdienste, Christvespern, um nur einige Beispiele zu nennen, erfordern weder eine Eucharistiefeier noch die Mitwirkung eines geweihten Amtsträgers." Diesen Feiern könnten auch kompetente Frauen und Männer vorstehen. "Übrigens erinnere ich daran, dass Weihnachten nicht nur in der Christmette, sondern in den drei Tagen zwischen Heiligabend und Stephanstag gefeiert wird. Mehr noch, die Weihnachtszeit dauert bis zur Taufe des Herrn." Meier betonte: "Vergessen wir die Menschen am Rande nicht, die Kranken und Alten, die Armen und Einsamen! Was wir vor und an Ostern erlebt haben - nämlich, dass die Seelsorge zum Beispiel in Krankenhäusern, Heimen und Gefängnissen faktisch ausgefallen ist -, sollte sich nicht wiederholen." (tmg/KNA)