Bischof Georg Bätzing
DBK-Vorsitzender regt Gedenktag für Opfer der Pandemie an

Bischof Bätzing: Seelsorger frühzeitig gegen Coronavirus impfen

Welche Berufs- und Gesellschaftsgruppen sollen zuerst gegen das Coronavirus geimpft werden? Der DBK-Vorsitzende Bischof Georg Bätzing fordert, auch Seelsorger frühzeitig zu schützen – und bringt einen Gedenktag für die Covid-Opfer ins Gespräch.

Berlin/Essen - 28.11.2020

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing, fordert eine frühzeitige Impfung für Seelsorger. "Wir müssen diejenigen durch Impfung schützen, die besonders gefährdet sind und die wir jetzt in dieser Situation am meisten brauchen", sagte der Limburger Bischof den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Samstag).

Dazu gehören nach Bätzings Worten neben Beschäftigten in Pflege, Erziehung und Schulen auch Seelsorger, "die Dienst an den Menschen in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen tun". Alle, die dort wirkten, um den Menschen nah zu sein, sollten in einem frühen Stadium eine Impfung bekommen.

Arzt vor bewusstloser Patientin

Im ersten Lockdown im Frühjahr mussten Menschen ohne seelsorgliche Begleitung sterben. Das sei "etwas Schreckliches" und dürfe "nie wieder vorkommen", betont der DBK-Vorsitzende Bischof Georg Bätzing.

Der Bischofskonferenz-Vorsitzende erinnerte daran, dass im ersten Lockdown Menschen ohne Begleitung sterben mussten; das sei "etwas Schreckliches". Nun sei man durch die Neuregelung der Infektionsschutzbestimmungen in einer anderen Lage. "Eine Situation, dass ein Mensch alleine sterben muss – das darf nicht wieder vorkommen", so Bätzing.

Dort, wo schwerstkranke Covid-19-Patienten behandelt würden, zwinge das Virus allerdings zum Teil zu schwer erträglichen, schmerzhaften Ausnahmesituationen, wo Angehörige Sterbende nicht begleiten dürften, sagte der Bischof. "Wir müssen uns darauf verlassen, dass diese Patienten, die oft bereits im Koma liegen, in ihren schwersten Momenten Halt bei ihren Ärzten und Pflegekräften finden." Seelsorger müssten sich in solchen Fällen besonders um die Angehörigen kümmern. "Für sie bedeutet ein solches Sterben ein ungeheures Opfer. Es ist ein Verlust der letzten Momente mit einer lieben Person."

Möglicher Gedenktag könne "Zeichen der Zuversicht" sein

Zur Erinnerung an die Opfer der Corona-Pandemie regt Bätzing die Einführung eines bundesweiten Gedenktags an. Ein solcher Tag könne auch "ein Zeichen der Zuversicht dafür sein, dass wir die Pandemie und andere Krisen mit vereinten Kräften überwinden können", sagte der Limburger Bischof. Als möglichen Termin schlägt er den Beginn der geplanten bundesweiten Corona-Impfkampagne vor. Als Begründung für seinen Vorstoß nannte ere die prägenden Erfahrungen der vergangenen Monate. Man habe als Gesellschaft erfahren, "wie gefährdet menschliches Leben ist, wie wichtig Solidarität ist, wie sich Einschränkungen anfühlen und wie wertvoll Freiheit ist". Diese Erfahrungen seien wert, "dass man sich immer wieder daran erinnert", so Bätzing.

Der Krise der katholischen Kirche wird sich laut dem DBK-Vorsitzenden durch die Corona-Pandemie verschärfen. Experten hätten bereits vor der Pandemie prognostiziert, dass sich die Zahl der Kirchenmitglieder beider großen Kirchen bis 2060 halbieren werde, so Bätzing. Die Corona-Krise werde diese Entwicklung "möglicherweise beschleunigen". Seit Monaten könnten die Menschen nicht wie gewohnt in die Gottesdienste gehen, die Jugendarbeit liege weitgehend brach; "da wird es viele geben, die sich ganz abwenden". Hinzu komme der Einbruch bei den Kirchensteuereinnahmen: Durch die Pandemie-Folgen auf dem Arbeitsmarkt, durch Kurzarbeit und Jobverlust rechne man mit acht bis zwölf Prozent weniger Einnahmen. "Wir müssen zudem befürchten, dass diesmal durch die eingeschränkten Gottesdienste deutlich weniger Spenden für die kirchlichen Spendenaktionen im Advent zusammenkommen", so Bätzing. (mal/KNA)