Mutmaßlich linksextremistischer Anschlag auf Leipziger Kirche
Bekennerschreiben fordert: "Zertrümmert das christlich-weiße Europa"

Mutmaßlich linksextremistischer Anschlag auf Leipziger Kirche

Auf eine evangelische Kirche in Leipzig ist ein Anschlag mit Farbe und Wurfgeschossen verübt worden. Ein im Internet aufgetauchtes Bekennerschreiben legt nahe, dass die Täter aus dem linksextremistischen Milieu kommen.

Leipzig - 13.01.2021

Auf die evangelische St.-Lukas-Kirche in Leipzig ist ein mutmaßlich linksextremistischer Anschlag verübt worden. Wie mehrere Medien zum Wochenbeginn berichteten, wurde das gerade erst restaurierte Gotteshaus im Ortsteil Volkmarsdorf vermutlich in der Nacht zum 6. Januar mit Farbe und Wurfgeschossen angegriffen. Der Sachschaden soll sich laut der Tageszeitung "Die Welt" auf bis zu 10.000 Euro belaufen. Auf Twitter wurden Fotos veröffentlicht, die das Ausmaß der Zerstörung zeigen.

Dass der Anschlag der linksextremistischen Szene zuzuordnen ist, legt ein am vergangenen Mittwoch auf dem linksautonomen Internetportal de.indymedia.org veröffentlichtes Bekennerschreiben nahe. Darin heißt es in englischer Sprache unter der Überschrift "Montage für Moria – Zertrümmert das christlich-weiße Europa" unter anderem: "Wir haben eine lutherische Kirche in Leipzig angegriffen, um damit unsere Montagskampagne für Moria zu starten. Wir haben mit Steinen und Farbe angegriffen." Die Lage in den Flüchtlingslagern an der europäischen Außengrenze sei katastrophal. Nun wollte man die Verantwortlichen da treffen, wo es "besonders schmerze".

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Warum man sich für den Angriff eine Kirche ausgesucht hat, wird im weiteren Verlauf des Textes so erklärt: "Wir denken, eines der besten Ziele sind Kirchen (diesmal haben wir eine ausgewählt, in der der sexistische und antisemitische Tyrann Martin Luther angebetet wird). Sie repräsentieren jeden Teil der Fassade von Frieden, Moral und westlichen Werten, wie es die Europäische Union sagt. Kirchen, ähnlich wie die EU, haben tatsächlich das Gesicht von Kolonialismus, Krieg und Diskriminierung gezeigt oder zeigen es immer noch. Sie sind sehr wichtig für viele Konservative und Menschen, die die westlichen Länder mögen. Für sie ist eine Kirche ein Symbol für falschen Frieden, patriotische Einheit und Tradition."

Ob das Bekennerschreiben authentisch ist, ist noch unklar. Allerdings hat nach Angaben des Landeskriminalamts (LKA) Sachsen die auf linke Straftäter spezialisierte "Soko LinX" die Ermittlungen übernommen. Auch das Bekennerschreiben werde derzeit ausgewertet, es gebe "einen ersten Hinweis" auf die Einordnung der Straftat als "politisch motiviert", so das LKA. Der Pfarrer der St.-Lukas-Kirche bezeichnete den in dem Bekennerschreiben genannten Bezug zu Flüchtlingen derweil als "dummes Zeug". "Seit Anfang 2000 kümmern wir uns um Flüchtlinge, ein großer Teil unserer Gemeindeglieder kommt aus dem Iran", sagte Markus Fischer dem Nachrichtenportal "Tag24". (stz)