Der us-amerikanische Kardinal Raymond Leo Burke.
Staatssekretariat sei nicht für Fragen der Liturgie zuständig

Burke kritisiert mutmaßliches Verbot von Privatmessen im Petersdom

Einem Schreiben aus dem Vatikanischen Staatssekretariat zufolge sollen im Petersdom Privatmessen untersagt und die Feier des außerordentlichen Ritus eingeschrankt werden. Das Dokument berechtige "zu tiefster Sorge", so Kardinal Raymond Leo Burke.

Vatikanstadt/Rom - 14.03.2021

Das mutmaßliche Verbot der Feier sogenannter Privatmessen und die Reduzierung des außerordentlichen Ritus im Petersdom sorgt teilweise für Diskussion und Kritik. Anlass ist das Bekanntwerden eines entsprechenden Schreibens, das wohl aus dem Vatikanischen Staatssekretariat stammt. Demnach sollen ab Montag, 22. März, Messen im außerordentlichen Ritus nur noch zu bestimmten Zeiten in der Clemenskapelle in den Grotten des Petersdoms gefeiert werden.

Der frühere Präsident des Obersten Gerichtshofs des Vatikan, US-Kardinal Raymond Burke, kritisierte sowohl Form wie Inhalt des Dokuments. Sie berechtigten "zu tiefster Sorge", schrieb Burke in einer Stellungnahme auf seiner Website (Sonntag). So sei das Staatssekretariat überhaupt nicht für Fragen der Liturgie zuständig. Außerdem verbiete es das Kirchenrecht, Priester zur Konzelebration zu zwingen.

Blick durch Gitter auf das Innere des Petersdoms.

Das Vorhaben des Vatikan, im Petersdom Privatmessen zu untersagen und die Feier des außerordentlichen Ritus einzuschränken, sorgt für Kritik.

Laut dem Schreiben mit Datum 12. März werden sogenannte Privatmessen, bei denen ein Priester allein die Eucharistie feiert, ganz untersagt. Stattdessen sollten Priester, die morgens im Petersdom die Eucharistie feiern wollen, dies gemeinsam tun, möglichst mit weiteren Gläubigen. Auch sollten nach Möglichkeit Lektor und Kantoren hinzugezogen werden. Insbesondere angesichts der gegenwärtigen Touristen- und Pilgerzahlen in Rom ist das kaum umzusetzen.

Das kritisierte Schreiben mit Briefkopf der ersten Sektion des Staatssekretariats ist adressiert an das Domkapitel, das Amt für die Liturgie in Sankt Peter sowie an den Sonderkommissar der Dombauhütte des Petersdoms, Erzbischof Mario Giordana. Unterzeichnet ist es nur mit dem handschriftlichen Kürzel des Substituten, Erzbischof Edgar Pena Parra.

Erzpriester des Petersdoms nicht genannt

Der Ende Februar ernannte und für die Liturgie in Sankt Peter eigentlich zuständige Erzpriester des Petersdoms, Kardinal Mauro Gambetti, ist nicht genannt. Sonderkommissar Giordana soll sich um frühere Unregelmäßigkeiten bei der Auftragsvergabe durch die Dombauhütte unter dem bisherigen Erzpriester, Kardinal Angelo Comastri (77), kümmern.

Das Schreiben aus dem Staatssekretariat nennt Priestern und Gläubigen, die täglich in den Petersdom kommen, vier Zeiten zwischen 7 und 9 Uhr, zu denen an eigens genannten Altären eine Messe gefeiert werden kann – auch in Konzelebration mehrerer Priester. Ziel der Maßnahmen wäre es, Messfeiern mit mehreren Gläubigen zu fördern, was auch die Absicht des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) war.

Für Pilgergruppen, die mit einem Bischof oder Priester anreisen, soll laut Anweisung sichergestellt werden, dass sie in den Grotten von Sankt Peter, also unterhalb des Petersdoms, Eucharistie feiern können. Für den außerordentlichen Ritus, der von Benedikt XVI. 2007 wieder in größerem Umfang zugelassen wurde, ist die "Capella Clementina" reserviert; Uhrzeiten sind täglich um 7 Uhr, um 7.30, 8 und 9 Uhr. (KNA)