Die Skyline von Berlin, links der Reichstag, rechts der Fernsehtumr, im Vordergrund die Spree.
Initiative will Zusammenlegung von Pfarreien verhindern

Petition zur Bistums-Reform

Erzbistum Berlin - Kardinal Rainer Maria Woelki hat am Freitag eine von 2.800 Katholiken unterzeichnete "Petition" zur Reform des Erzbistums Berlin entgegen genommen. Ein Initiativkreis überreichte ihm die Unterschriften im Erzbischöflichen Ordinariat. Sie wurden seit vergangenem Herbst in Berlin, Brandenburg und Vorpommern gesammelt. Woelki hatte die Reform vor gut einem Jahr eingeleitet.

Berlin - 31.01.2014

Die Petition wendet sich vor allem dagegen, die derzeit 105 Kirchengemeinden bis 2020 zu rund 30 Großpfarreien zusammenzulegen. Stattdessen plädieren die Unterzeichner für kooperierende Gemeinschaften von Pfarreien, die in ihrem gegenwärtigen kirchenrechtlichen und finanziellen Status verbleiben. Laut einem Bericht des Berliner Tagesspiegels fürchten die Unterzeichner, dass in den Großpfarreien Nähe verloren geht, das Mitspracherecht der Laien eingeschränkt wird und sonntägliche Messen nur noch an ausgewählten Standorten gefeiert werden.

Woelki hatte dagegen bereits eingewandt, dass solche Pfarreiengemeinschaften mehr Verwaltungsaufwand mit sich brächten als Großpfarreien. Der Kardinal dankte bei der Übergabe für das Engagement des Initiativkreises. Er sicherte ihm zu, dass die Anliegen in die Koordinierungsgremien der Reform eingebracht würden. Der Erzbischof betonte zugleich, es gehe auch um ein neues Verständnis kirchlichen Lebens. Schon jetzt seien viele Pfarrgemeinden, Schulen und Caritas -Einrichtungen dabei, Konzepte für ein gemeinsames Engagement zu entwerfen.

Zu einem "konstruktiven Gespräch" beitragen

Als Vertreter der Initiativgruppe sagte der frühere Präsident des Zentalkomitees der deutschen Katholiken, Hans Joachim Meyer, die Petition solle zu einem "konstruktiven Gespräch" beitragen. Die Unterstützer teilten die Sorge um die Zukunft des Erzbistums. Allerdings fragten sie sich, "ob der Weg der Umstrukturierung zu 30 Großpfarreien gelingen kann". Die meisten Katholiken erlebten Kirche "in konkreten Gemeinden". Die bereits vor zehn Jahren erfolgten Gemeindefusionen hätten dazu geführt, dass sich "nicht wenige Menschen" abgewandt hätten.

Kardinal Rainer Maria Woelki.

Kardinal Rainer Maria Woelki spricht vor Journalisten.

An dem Treffen nahm auch der ehemalige Bundestagspräsident Wolfgang Thierse teil. Er erklärte anschließend, es gehe den Kritikern um eine andere Vorstellung über Weg und Ergebnis des Reformprozesses. Er müsse von den Erfordernissen der Gemeinden ausgehen, "nicht von der Zahl der zur Verfügung stehenden Priester".

Meyer sprach sich auch für einen "synodalen Gesprächsvorgang" über die Reform aus. Zugleich würdigte er die Veranstaltungen der Stabsstelle, von der die Reform koordiniert wird. Deren Leiter Markus Weber gab an, an den bisher 120 Diskussionen hätten sich mehr als 6.000 Katholiken beteiligt.

"Wo Glaube Raum gewinnt"

Kardinal Woelki hatte die Strukturreform erstmals in einem Hirtenbrief mit dem Titel "Wo Glaube Raum gewinnt" in Advent 2012 angeregt. Kritik an seinen Plänen - besonders der Zusammenlegung der Pfarreien - gibt es schon länger. So hatten sich in den ersten Monaten des Jahres 2013 die beiden Berliner Pfarrer Ernst Pulsfort und Michael Höhle mit einem Schreiben an alle Priester und Diakone gewandt, um über "Alternativen" zu sprechen. Dazu zählten die auch, über sogenannte "viri probati" nachzudenken. Dies würde bedeuten, Männer zu Priestern zu weihen, die nicht ehelos leben, wie dies in der westlichen Tradition der katholischen Kirche für Priester vorgeschrieben ist. Woelki hatte derartige Überlegungen als unrealistisch zurückgewiesen, da sie nur auf weltkirchlicher Eben gelöst werden könnten.

Im August hatte Bistumssprecher Stefan Förner gesagt, in den Kirchengemeinden gebe es Ängste, die "teilweise auch berechtigt" seien. Viele ließen sich jedoch mit Hilfe der Moderatoren des Erzbistums ausräumen, die den Kirchengemeinden bei der Umstrukturierung zur Seite stünden. (gho/KNA)

Hintergrund: Wo Glauben Raum gewinnt

Das Erzbsitum Berlin hat zur pastoralen Neugestaltung "Wo Glauben Raum gewinnt" eine Homepage mit Informationen zu verschiedenen Themen eingerichtet, über auch Fragen und Anregungen weitergegeben werden können: