Eine Ordensfrau betet
Wie die Pandemie den Gemeinschaften zusetzt

Corona und das Sterben bei den US-Frauenorden

Katholische Ordensfrauen zählen in den USA zu denen, die am härtesten von der Corona-Pandemie betroffen sind. Das liegt oft an ihrem hohen Alter, aber auch an ihrer Tätigkeit nah an den Menschen. Das Aussterben der Orden wird dadurch beschleunigt.

Von Thomas Spang (KNA) |  Washington - 16.05.2021

Die Schwestern des Notre-Dame-Ordens in Elm Grove im US-Bundesstaat Wisconsin erlebten einen traurigen Advent. Binnen zwei Wochen erlagen vor Weihnachten acht Schwestern dem tödlichen Covid-19-Virus. Nicht viel besser erging es der Gemeinschaft der Maryknoll-Schwestern in Ossining im Bundesstaat New York. Dort starben im selben Zeitraum sieben Frauen. Zwei Beispiele für einen traurigen Trend, der einer der Säulen der katholischen Sozialarbeit und Mission zusetzt.

Die Pandemie hat spürbare Lücken in den Frauenorden hinterlassen, deren Mitglieder in der Kirche große Lasten schultern. Der offizielle katholische US-Pressedienst CNS hat Todesfälle unter den US-Ordensfrauen dokumentiert. Doch die Schreckensbilanz ist nur vorläufig und eine Momentaufnahme.

Pandemie hat Aussterben der Orden rapide beschleunigt

Die Pandemie hat das langsame Aussterben der Frauenorden in den USA demnach rapide beschleunigt. Derzeit gibt es rund 40.000 Ordensfrauen zwischen Ost- und Westküste; die meisten von ihnen jenseits von Mitte 70. In den 1970er Jahren zählten ihre Gemeinschaften noch 160.000 Schwestern.

Religionswissenschaftler sind sich einig: Ordensfrauen dienen an der Basis der Kirche; sie arbeiten hautnah mit Menschen und haben das katholische Leben der USA maßgeblich mitgeprägt. Anfällig für das Virus sind sie genau deshalb: durch ihren "gemeinschaftsorientierten Lebensstil", wie es eine der Schwestern im CNS-Gespräch ausdrückt.

Dass es nun Impfungen gegen Covid-19 gibt, ist ein Fortschritt, löst aber nicht das Problem der Ordensfrauen.

Covid-19 stellt den Fortbestand vieler Klöster selbst in Frage. Eine Tragödie erlebten die Felizianerinnen. In vier US-Konventen starben bis Jahresende 21 Schwestern. Wenn man ihr Lebensalter addiert, ging mit ihnen fast 1.500 Jahre Einsatz am Nächsten verloren. Ende 2020 zählten die nordamerikanischen Felizianerinnen nur noch 455 Mitglieder, die meisten von ihnen hochbetagt. Kaum rücken jüngere nach. Nicht eine neue Schwester legte 2020 ein Gelübde ab.

Besonders hart trifft es ältere Ordensfrauen, die in Pflegeeinrichtungen ihren Lebensabend verbringen. Zum Beispiel im "St. Joseph's Provincial House", das von den "Carondelet-Schwestern" geführt wird. Die Einrichtungen der Orden gelten als Privathäuser und genießen damit nicht dieselben Privilegien wie Senioren- und Pflegeheime. Die Schwestern von St. Joseph achten streng auf Schutzmaßnahmen im Kampf gegen das Virus. Hygieneregeln wie das Tragen von Gesichtsmasken, Händewaschen oder das Desinfizieren von Türklinken oder Tischen werden penibel eingehalten.

"Sie sind ein Kraftwerk des Gebets"

Dennoch erkrankten bis zum Jahreswechsel 47 Schwestern, von denen 9 starben. Dass es nun genügend Impfstoff gibt, ist aus Sicht von Schwester Adele O'Sullivan ein Fortschritt – löst aber noch nicht das Problem. Der Stich in den Oberarm sei nicht für alle möglich, erklärt sie. Bettlägerige könnten nicht mal eben eine Stunde mit dem Auto zur nächsten Impfstation gebracht werden.

Was viele Ordensfrauen neben dem hohen Zoll an Menschenleben in ihren eigenen Reihen besonders belastet, ist soziale Isolation, die sie von ihrer Arbeit abschneidet. Gerade Ältere leiden darunter, dass sie ihrer Gemeindearbeit nicht mehr nachgehen können, so Schwester Marge Kloos vom Leitungsteam der "Sisters of Charity of Cincinnati". Mitten in der Pandemie können viele dennoch Kraft schöpfen, obwohl sie nicht hinausgehen können, um anderen zu helfen. Schwester Susan vom Kloster Englewood im Bundesstaat New Jersey bringt das so auf den Punkt: "Sie sind ein Kraftwerk des Gebets."

Von Thomas Spang (KNA)