Jesuit Bernd Hagenkord gestorben
Geistlicher wurde 52 Jahre alt

Jesuit Bernd Hagenkord gestorben

Er hat den Kampf gegen seine Krankheit verloren: Der bekannte Jesuit Bernd Hagenkord, zuletzt unter anderem als Geistlicher Begleiter des Synodalen Wegs tätig, ist im Alter von 52 Jahren gestorben. Das teilte der Jesuitenorden am Montag mit.

München - 26.07.2021

Der Jesuitenpater Bernd Hagenkord ist tot. Der Geistliche starb im Alter von 52 Jahren, wie der Jesuitenorden am Montag in München mitteilte. "Mit Bernd Hagenkord ist viel zu früh ein Mitbruder von uns gegangen, der vielen Menschen inner- und außerhalb des Jesuitenordens fehlen wird", so der Orden. Er habe den Kampf gegen seine Krankheit nie aufgegeben, am Ende aber doch verloren. Erst am Freitag war bekannt geworden, dass Hagenkord seine Aufgabe als Geistlicher Begleiter des Reformprozesses Synodaler Weg aus gesundheitlichen Gründen nicht länger fortführen konnte.

Hagenkord wurde 1968 in Hamm geboren, 1992 trat er in den Jesuitenorden ein. Am 7. September 2002 wurde er durch Bischof Felix Genn in Köln zum Priester geweiht, am 7. April 2010 legte er seine Letzten Gelübde ab. Hagenkord studierte Journalismus, Geschichte, Philosophie und Theologie in Gießen, Hamburg, München und London. Nach seinem Theologieabschluss in London 2002 arbeitete er als Jugendseelsorger in der Katholischen Studierenden Jugend (KSJ) im Erzbistum Hamburg. Von 2004 bis 2007 war er Sprecher der Jugendseelsorgekonferenz. 2007 wurde er auch zum Bundeskaplan der Schülergemeinschaft im ND (KSJ) gewählt. Von 2003 bis 2012 war er darüber hinaus in der Redaktion des "Jesuiten"-Magazins tätig.

Lange Jahre Leiter der deutschsprachigen Sektion von Radio Vatikan

Große Bekanntheit erlangte Hagenkord ab 2009 als Leiter der deutschsprachigen Sektion von Radio Vatikan in Rom, wodurch er für viele Medien zur deutschsprachigen Stimme des Papstes wurde. Im September 2019 wurde er nach Deutschland zurückgerufen, um die Leitung der Kommunität Berchmanskollegs in München zu übernehmen. Parallel übernahm er das Amt des Geistlichen Begleiters beim Synodalen Weg.

Der Jesuitenorden würdigte Hagenkord am Montag als Menschen, der weit über den Orden hinaus gewirkt habe. "Die einen beeindruckte er durch seinen tiefen und unverfälschten Glauben, die anderen durch seinen messerscharfen Verstand, seine ignatianische Analytik und sein umfassendes Wissen", so der Orden. Einigkeit werde wohl darüber bestehen, dass Hagenkord ein Mensch und Jesuit gewesen sei, "der diejenigen, denen er begegnete, nicht unberührt gelassen hat". Nach Angaben der Jesuiten hinterlässt Hagenkord seine Mutter, seinen Stiefvater und seine Geschwister sowie unzählige Menschen, "deren Weg er gekreuzt hatte und für die er etwas Großartiges bedeutet – ja, deren Lebensweg er vielleicht entscheidend beeinflusst hat".

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Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing, reagierte mit großer Erschütterung auf die Nachricht vom Tod Hagenkords. "So dramatisch schnell ist die Krankheit vorangeschritten, dass er aus vielen Aufgaben und Bezügen herausgerissen wurde. Ich übermittle Ihnen, dem Jesuitenorden und den Angehörigen des Verstorbenen meine tief empfundene Anteilnahme", schrieb Bätzing am Montag an den Vizeprovinzial des Ordens, Pater Jan Roser.

Der Bischof würdigte insbesondere Hagenkords Arbeit bei Radio Vatikan: "Zahlreiche Übertragungen via Hörfunk und Fernsehen hat er kommentiert und übersetzt und uns so den Vatikan nahegebracht. Er war ein ausgezeichneter Journalist, der seinen Beruf gelebt hat. Seine treffenden Kommentare und Analysen als Vatikanexperte haben uns vieles besser verstehen lassen." Vor allem sei der Jesuit eine unverzichtbare Brücke in die säkulare Welt gewesen. Nicht nur kirchenintern sei er hochgeachtet gewesen, sondern gerade in der Vielfalt der Medienlandschaft, die oft wenig Kenntnis von der Kirche habe. Hagenkord habe gerade deshalb viel auf dem Feld der Vermittlung zwischen Vatikan und Medien geleistet. "Dafür ist die Deutsche Bischofskonferenz ihm zutiefst dankbar", so Bätzing. Das gelte auch für seinen unermüdlichen Einsatz als Geistlicher Begleiter des Synodalen Weges.

Bätzing betont "unverkennbar ignatianische Spiritualität"

"Seine Denkanstöße und Impulse waren wertvoll für den gesamten Synodalen Weg, den er so mitgestaltet und weitergebracht hat", so Bätzing wörtlich. Der Reformprozess sei wahrlich nicht einfach und gerade Pater Hagenkord sei es gewesen, "der in komplexen Situationen, teils auch in Konfliktlagen Vermittler war und zur Entschärfung und gegenseitigem Verständnis beigetragen hat". Die unverkennbar ignatianische Spiritualität, die ihn selbst geprägt habe, habe er insbesondere in der Kunst, die Geister zu unterscheiden, für den zukünftigen Weg der Kirche in Deutschland fruchtbar gemacht. Sein scharfer, wacher Verstand werde der Kirche fehlen.

Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, erklärte: "Mit großer Trauer und tiefer Dankbarkeit für seine große Lebensleistung nehmen wir Abschied von Pater Hagenkord. Er hat als Journalist und Jesuit über Jahre Brücken der Verständigung zwischen Rom und der Weltkirche, zwischen dem Vatikan und Deutschland gebaut." Für Hagenkord sei die Einheit der Kirche nicht ohne Bereitschaft zur Veränderung denkbar gewesen. In diesem Geist habe er auch den Synodalen Weg begleitet.

Auch der Münchner Kardinal Reinhard Marx zeigte sich erschüttert über den Tod Hagenkords. Dieser sei ein "authentischer Vermittler der Geschehnisse in der katholischen Kirche, insbesondere aus Rom" gewesen. Hagenkord habe als langjährige Leiter der deutschsprachigen Redaktion von Radio Vatikan "anschaulich und mit Tiefgang" den Menschen viele kirchliche Themen und auch Weltereignisse wie zum Beispiel Papstwahlen näher gebracht, so Marx. Hagenkord soll am 2. August auf dem Friedhof seines Ordens in Pullach beerdigt werden. Die Totenmesse finde im Anschluss um 15 Uhr in der Münchner Jesuitenkirche Sankt Michael statt, teilte der Jesuitenorden am Montagabend mit. (mfi/stz)

26.07.2021, 11:30 Uhr: ergänzt um die Stellungnahme von Bischof Bätzing

26.07.2021, 12:40 Uhr: ergänzt um die Stellungnahme des ZdK

26.07.2021, 14:10 Uhr: ergänzt um die Stellungnahme von Kardinal Marx

26.07.2021, 18:00 Uhr: ergänzt um Beerdingstermin