Am Donnerstag besucht die englische Königin den Vatikan

Elizabeth und die Päpste

Aktualisiert am 01.04.2014  –  Lesedauer: 
Geschichte

Bonn/London ‐ Lang lebe die Königin! So heißt es, wenn man Elizabeth II. hochleben lässt. Tatsächlich ist dieser fromme Wunsch in Erfüllung gegangen. Die Queen wird Ende April 88 Jahre alt. 62 Jahre sind vergangen, seit sie im Februar 1952 den englischen Thron bestiegen hat. Viele Untertanen können sich schon gar nicht mehr vorstellen, dass mal jemand anderes auf dem Thron gesessen hat.

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Mittlerweile empfängt Elizabeth II. den zwölften Premierminister zur wöchentlichen Audienz; Winston Churchill war der erste. Auch Barack Obama ist bereits der zwölfte US-Präsident in ihrer Regierungszeit. Am Freitag lernt sie mit Franziskus den fünften Papst persönlich kennen, wenn sie in Begleitung von Prinzgemahl Philip (92) den Vatikan besucht. Mit Ausnahme von Paul VI. (1963-1978) und Johannes Paul I. (1978) traf sie mit allen Päpsten zusammen, entweder in Rom oder in England.

Noch als Thronfolgerin reiste sie in Begleitung ihres Ehemanns nach Italien, wo sie Papst Pius XII. (1939-1958) am 13. April 1951 im Rahmen einer Privataudienz empfing. Elizabeth und Philip bekamen noch eine Tour durch den Apostolischen Palast geboten, dann wurden sie mit dreifachem Hipp-Hipp-Hurra von den Priestern und Seminaristen der englischen katholischen Institute verabschiedet. Zuhause in England wurde einige Kritik daran laut, dass sie im Rahmen eines Staatsbesuches den Papst aufsuchte. Es war das erste Mal für Elizabeth, dass sie mit Kritik vor allem in der Presse konfrontiert wurde - und es sollte, wie sie leidvoll erfahren sollte, nicht das letzte Mal bleiben.

1961 hatten sich die Umstände gründlich verändert

Zehn Jahre später, als sie wieder nach Italien kam, hatten sich die Umstände gründlich verändert. Aus der Prinzessin war eine Königin geworden; Papst war jetzt Johannes XXIII. (1958-1963), und das Zweite Vatikanische Konzil stand vor der Tür. Am 5. Mai 1961 stattete die Queen dem Vatikan erneut einen Staatsbesuch ab. Rund 600 Priester, Seminaristen und Ordensfrauen aus den Ländern des Commonwealth fanden sich ein, um sie hochleben zu lassen.

Papst Johannes XXIII.
Bild: ©dpa - Report/ansa

Papst Johannes XXIII.

Die vatikanische Kapelle intonierte die englische Nationalhymne. Die Queen sprach mit dem Papst Französisch, eine Sprache, die sie fließend beherrscht. Am Ende des knapp halbstündigen Gespräches erklärte ein sichtlich gut gelaunter Johannes XXIII., das Verhältnis zwischen England und dem Vatikan sei niemals herzlicher gewesen.

20 Jahre vergingen danach bis zum nächsten Besuch der Queen im Vatikan. Nun saß Johannes Paul II. auf dem Papstthron. Am 17. Oktober 1980 kam Englands Königin zum Papst aus Polen. Thema war unter anderem der für 1982 anvisierte Papstbesuch in England. Zur Erinnerung an ihre erste Begegnung im Vatikan kam Elizabeth II. dann auf den Tag 20 Jahre später, am 17. Oktober im Heiligen Jahr 2000, noch einmal nach Rom. Ein stark gealterter, kranker Johannes Paul II. hielt gerührt die Hand der Queen.

Zweimal war Elizabeth II. selbst Gastgeberin für einen Papst

Zweimal war sie selbst Gastgeberin für einen Papst. Johannes Paul II. stattete 1982 als erster römischer Pontifex überhaupt dem Vereinigten Königreich einen Pastoralbesuch ab. Sein Nachfolger Benedikt XVI. (2005-2013) reiste im September 2010 vom Tiber an die Themse. Die Queen empfing ihn in ihrer schottischen Residenz Holyroodhouse in Edinburgh.

Alle Begegnungen der Queen mit den Päpsten verliefen in herzlichem Einvernehmen, getragen von gegenseitigem Respekt. Elizabeth II. ist nicht nur das Oberhaupt der anglikanischen Staatskirche - eine Aufgabe, die sie mit großem Ernst erfüllt. Sie lebt in ihren Glauben und bezieht ihre Stärke daraus. In die Treffen mit den Päpsten ging sie daher auf Augenhöhe.

Wenn sie nun zur Audienz bei Franziskus nach Rom kommt, schließt sich für sie ein Kreis. Die bald 88-Jährige wird dann, 63 Jahre nach ihrer ersten Papstaudienz, wahrscheinlich zum letzten Mal mit einem Oberhaupt der katholischen Kirche zusammentreffen. Wie es heißt, will sie aus Altersgründen nach den Feiern zum 70. Jahrestag der alliierten Landung in der Normandie Anfang Juni keine Auslandsreisen mehr wahrnehmen.

Von Christiane Laudage (KNA)