Mehr Unterstützung von der Politik gefordert

Missbrauchsbetroffene kritisieren Verfahren für Anerkennungsleistungen

Aktualisiert am 11.08.2021  –  Lesedauer: 

München/Berlin ‐ Betroffene würden nicht gehört, das Verfahren bleibe geheim und die Zahlungshöhe sei nicht nachvollziehbar: Betroffenenvertreter haben jetzt das Verfahren zur Zahlung von Anerkennungsleistungen kritisiert – und eine staatliche Aufsicht gefordert.

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Opfer von Missbrauch in der katholischen Kirche haben sich in einem Offenen Brief an die Politik gewandt. Mehrere Vertreter des Aktionsbündnisses Betroffeneninitiativen kritisieren in dem Schreiben, das der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) und dem Evangelischen Presse-Dienst (epd) vorliegt, vor allem das Verfahren zur Zahlung von Anerkennungsleistungen durch die katholische Kirche.

Die Verfasser fordern eine staatliche Aufsicht über die Unabhängige Kommission (UKA), die seit Januar über die Zuerkennung und die Höhe der Leistungen entscheidet. Die Regelung für Schmerzensgeld und Entschädigungen müsse von einer neutralen staatlichen Ombudsstelle im Konfliktfall überprüft und von unabhängigen Gerichten geklärt werden. Betroffenen müsse zudem ein Recht auf Vernetzung und Selbstorganisation in Form eines finanzierten Dachverbandes zugesprochen werden, so die insgesamt 24 Unterzeichnenden. Die "Süddeutsche Zeitung" (Mittwoch) hatte zuerst über den Brief berichtet.

Zu den Unterzeichnern gehören Matthias Katsch, Sprecher der Betroffeneninitiative "Eckiger Tisch", der frühere Sprecher des Kölner Betroffenenbeirats, Patrick Bauer, sowie Jens Windel, Gründer der Betroffeneninitiative im Bistum Hildesheim und Mitglied im Betroffenenbeirat der Deutschen Bischofskonferenz.

"Systematisches Hinwegschauen durch Kirche und Politik"

Sie beklagen, dass das Antragsverfahren derzeit ein geheimer Vorgang sei: "Die Opfer werden nicht angehört, ihnen wird kein rechtliches Gehör gewährt, sie haben keinen Einblick in die Akten." Die sehr unterschiedlichen Zahlungen blieben nicht nachvollziehbar. Die katholische Kirche habe die Menschenwürde der Opfer verletzt und ihre "Seele gemordet", heißt es weiter in dem Schreiben, das an Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Bundeskanzlerin Angela Merkel sowie die Kanzlerkandidatinnen und -kandidaten von Union, SPD und Grünen adressiert ist. "Durch das systematische Hinwegschauen durch Kirche und Politik, in der Missachtung des Grundgesetzes und des Kanonischen Rechts, liegt eine hohe Schuld in derer Verantwortung an uns ehemaligen Kindern."

Die Bischöfe hatten sich im vergangenen Jahr auf deutlich höhere Anerkennungsleistungen geeinigt. Bis dahin hatte die Bischofskonferenz in der Regel bis zu 5.000 Euro pro Fall empfohlen. Über die neuen Beträge entscheidet nun die UKA, ein Gremium aus externen Fachleuten, das unabhängig von den Bischöfen arbeitet. Es solle sich an Urteilen staatlicher Gerichte orientieren, was auf Summen bis zu 50.000 Euro hinauslaufen könne, hatten die Bischöfe gesagt. In einem "Hilferuf" an die deutschen Bischöfe und Generalvikare hatten Windel und Bauer bereits Ende Juni die Arbeit UKA scharf kritisiert und einen Stopp fes bisherigen Verfahrens gefordert. Die Kommission hatte daraufhin ihre Arbeit verteidigt und zugesagt, die Bearbeitungszeit künftig zu verkürzen. (cbr/epd/KNA)