Rudolf Voderholzer, Direktor des 2008 gegründeten "Institut Papst Benedikt XVI." in Regensburg.
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Nur noch wenige Tage bis zum Katholikentag

"Lobbyisten des Lebens"

Katholikentag - Nur noch wenige Tage bis zum Katholikentag in Regensburg. Im Interview spricht Gastgeber Bischof Rudolf Voderholzer von seinen Erwartungen an die Diskussion mit Vertretern von "Donum Vitae".

Von Christoph Renzikowski (KNA) |  Regensburg - 24.05.2014

Frage: Herr Bischof, nur noch wenige Tage bis zum Katholikentag. Welches Gefühl überwiegt: Vorfreude oder Anspannung?

Voderholzer: Ach, das mischt sich. Ein gewisser sorgenvoller Blick richtet sich auf den Wetterbericht (lacht), aber da können wir nicht viel machen. Der Stapel mit den Vorbereitungspapieren auf meinem Schreibtisch wird langsam kleiner, hoffentlich reicht es noch für eine Punktlandung. Das ganze Ordinariat ist in Hochspannung - wir zählen die Stunden.

Frage: Wieviel Regensburg steckt im Programm ?

Voderholzer: Ich denke, in guter Zusammenarbeit mit dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken ist es uns gelungen, die Regensburger Charismen zur Geltung zu bringen, angefangen von der Feierkultur über die Kirchenmusik mit unserer Hochschule und den Domspatzen, einem eigens komponierten Katholikentagslied bis zu einem Katholikentagsbier.

Frage: Sie durften schon kosten?

Voderholzer: Ja, es schmeckt sehr gut. Doch was mich am allermeisten freut, ist die starke Beteiligung böhmischer Katholiken, nicht nur an unserer Wallfahrt in den Grenzort Neukirchen beim Heiligen Blut. Ich war ein paar Mal in Tschechien und habe persönlich eingeladen. Das Interesse am Katholikentag ist dort wirklich groß.

Die Teilnehmer eines Gottesdienstes auf dem Katholikentag in Mannheim 2012 halten sich beim Vaterunser an den Händen.
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Die Teilnehmer eines Gottesdienstes auf dem Katholikentag in Mannheim 2012 halten sich beim Vaterunser an den Händen.

Frage: Das Treffen will Brücken schlagen. Brücken setzen Abgründe voraus, die durch sie überwindbar werden. Welche Kluft beschäftigt Sie in diesem Zusammenhang besonders?

Voderholzer: Vor mir liegen gerade einige Briefe junger Leute. Ihr Problem mit dem Glauben, das bringen sie deutlich zum Ausdruck, besteht nicht etwa im Verhalten des kirchlichen Bodenpersonals. Sie fragen: Wie kann man angesichts des naturwissenschaftlichen Zugangs zur Welt an einen Schöpfergott glauben? Da tut sich die vermeintliche Kluft zwischen Glauben und Wissen auf. Viele große Gestalten der Regensburger Geschichte haben sich mit diesem Thema beschäftigt.

Frage: Nämlich?

Voderholzer: Das geht los mit Albertus Magnus und reicht über Johannes Kepler bis Papst Benedikt XVI. Alle haben aufgezeigt, dass es keinen stichhaltigen naturwissenschaftlichen Grund gibt, der den Glauben entkräften könnte. Das ist aber gerade für junge Leute nicht auf den ersten Blick ersichtlich. Hier müssen wir Hilfestellung geben. Das tun wir mit mehreren Podien zu diesen Fragen auf dem Katholikentag.

Frage: Um die Präsenz des von Katholiken gegründeten, aber kirchlich nicht anerkannten Schwangerenberatungsvereins "Donum Vitae" haben Sie länger mit dem Veranstalter gerungen. Jetzt gibt es - auch auf Ihren Wunsch hin - eine kontrovers besetzte Podiumsdiskussion . Was soll dabei herauskommen?

Voderholzer: Mir ist wichtig, dass ganz deutlich wird: Die katholische Kirche hat sich niemals aus der Beratung zurückgezogen. Sie steht für das Leben ein, und zwar mit großer Leidenschaft. Frauen in einem Schwangerschaftskonflikt dürfen von uns jede erdenkliche Hilfe erwarten. Nur eines muss auch klar sein: Die eine Form angeblicher Hilfe, die keine ist, bei der menschliches Leben im Mutterleib vernichtet wird, die kann unter keinen Umständen von uns auch nur in Betracht gezogen werden.

Ich spreche niemandem dort ab, dass er nicht auch Leben schützen will.

Zitat: Bischof Voderholzer über "Donum Vitae" und die dazugehörige Podiumsdiskussion auf dem Katholikentag

Frage: Wie stehen Sie persönlich zu "Donum Vitae"?

Voderholzer: Ich spreche niemandem dort ab, dass er nicht auch Leben schützen will. In diesem Ziel sind wir uns einig. Und ich weiß, dass der Verein mit vielen Trägern des Katholikentags auch persönlich in einer engen Verbindung steht. Aber die katholische Kirche hatte gute Gründe, als sie feststellte, es verdunkelt unser Zeugnis für den Lebensschutz, wenn wir uns in dieses System einspannen lassen, in dem ein Beratungsschein dafür verwendet werden kann, straffrei eine Abtreibung vornehmen zu lassen. Von dem Podium erwarte ich mir eine sachliche Diskussion, ohne gegenseitige Beschuldigungen oder Unterstellungen.

Frage: Welche andere Veranstaltungen werden Sie sich auf keinen Fall entgehen lassen?

Voderholzer: Bei so vielen wäre ich gern dabei, zum Beispiel bei der deutsch-tschechischen Kinderoper "Brundibar". Auf jeden Fall will ich etwas mitbekommen von den Foren, die an den Ausbruch des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren erinnern. Dieser historische Kontext hat mich im Vorfeld sehr beschäftigt. Wie konnte es sein, dass noch 1913 im lothringischen Metz ein Katholikentag stattfand, und gerade mal ein Jahr später wird das nur wenig entfernte Verdun zu einem der blutigsten Schlachtfelder der Geschichte? Warum hatte der Glaube zu wenig Kraft, um den Nationalismus zu bändigen, der sich da entlud? Wie kann man für alle Zukunft solche Katastrophen verhindern?

Frage: In einem Satz - Welches Signal soll von Regensburg ausgehen?

Voderholzer: Katholiken sind Lobbyisten des Lebens - unter allen Umständen.

Das Interview führte Christoph Renzikowski (KNA)

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Von Christoph Renzikowski (KNA)