Der Nachweis eines dritten Wunders sei nicht unbedingt nötig

Heiligsprechung: Neuer Generalpräses will Dispens für Adolph Kolping

Aktualisiert am 01.11.2021  –  Lesedauer: 
Bild: © KNA

Köln ‐ Kann der Heiligsprechungsprozess für Adolph Kolping beschleunigt werden? Der neue Generalpräses des Internationalen Kolpingwerks, Christoph Huber, will das zumindest versuchen – mit einer Intervention direkt beim Papst.

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Der neue Generalpräses des Internationalen Kolpingwerks, Christoph Huber, hat angekündigt, Papst Franziskus mit Blick auf den laufenden Heiligsprechungsprozess von Adolph Kolping um eine Dispens für den Verbandsgründer bitten zu wollen. Damit solle erreicht werden, dass auf das eigentlich notwendige dritte medizinische Wunder als Voraussetzung für die Heiligsprechung verzichtet werden könne, sagte Huber am Sonntag dem Kölner Bistumsportal domradio.de. "Wir glauben, dass das Vorbild Adolph Kolpings so groß ist, dass man nicht unbedingt ein naturwissenschaftliches Wunder braucht, um die Heiligkeit zu bestätigen", begründete Huber seinen Vorstoß. Zugleich betonte er jedoch, dass weiterhin weltweit nach dem dritten medizinischen Wunder gesucht werde.

Huber: Weltweite Bedeutung der Heiligsprechung wäre "riesig"

Laut Huber wäre die weltweite Bedeutung der Heiligsprechung Kolpings "riesig, weil gerade unsere Mitglieder in anderen Kontinenten sich bestätigt fühlen würden. Es wäre eine Anerkennung, dass sie auch dazu gehören". Der neue Generalpräses bezeichnete die Botschaften des Verbandsgründers als weiterhin aktuell: "Ich glaube, die Rezepte, die er vor über 150 Jahren bei der sozialen Not angewandt hat, sind heute noch die gleichen: Er hat die Menschen zusammengebracht und bestärkt." Kolping habe ihnen Heimat und Bildung geboten und sie in ihrem Glauben an sich selbst und an Gott bestärkt. "Und damit wurden die Menschen befähigt, ihre Situation zu bewältigen. Ich denke, das ist heute noch der Schlüssel zur Lösung von sozialen Problemen", so Huber.

Mit Blick auf seine Amtszeit an der Spitze von Kolping International erklärte der Generalpräses, dass er die Gemeinschaft in den Mittelpunkt stellen wolle, "die beim Kolpingwerk so wichtig ist und aus der heraus wir Projekte organisieren und das soziale Zusammenleben verbessern". Eine große Herausforderung sei zudem, die Zeit nach der Corona-Pandemie in den Blick zu nehmen und zu schauen, wie es in den Ländern der Einen Welt weitergehe. "Wenn wir weltweit eng zusammenstehen, führt uns Adolph Kolping in eine gute Zukunft. Davon bin ich überzeugt", so Huber.

Neuer Generalpräses mit großer Mehrheit gewählt

Huber war am Samstag mit großer Mehrheit für zehn Jahre zum neuen Generalpräses des Internationalen Kolpingwerks gewählt worden. Für den bisherigen Landespräses im Kolpingwerk Bayern stimmten 37 Delegierte aus 29 Ländern. Huber ist damit der oberste Repräsentant des weltweit tätigen katholischen Sozialverbands. Zugleich ist er der zehnte Nachfolger Adolph Kolpings, der den Verband vor 170 Jahren gegründet hatte.

Der auch als "Gesellenvater" bezeichnete Kolping wurde am 8. Dezember 1813 in Kerpen bei Köln geboren. Der Schuhmacher und spätere Priester gründete 1849 in Köln den ersten katholischen Gesellenverein, um damit in Zeiten der Industrialisierung jungen Wandergesellen Halt zu geben. Heute zählt der Sozialverband, der sich für Familien, die berufliche Bildung und die Eine Welt engagiert, 400.000 Mitglieder in 61 Ländern. In Deutschland gibt es rund 225.000 Mitglieder in etwa 2.350 örtlichen Kolpingsfamilien. Kolping starb am 4. Dezember 1865 in Köln. Er wurde zunächst auf dem Melatenfriedhof beigesetzt, ein Jahr später aber entsprechend seinem Wunsch in die Minoritenkirche, seinem früheren Wirkungsort, umgebettet. (stz)