Standpunkt

Gesprächsfaden zwischen Geimpften und Ungeimpften darf nicht abreißen

Aktualisiert am 17.12.2021  –  Lesedauer: 
Schachfigur
Bild: © Fotolia.com/Roma

Bonn ‐ So unterschiedlich die Ansichten zum Thema Corona-Impfung in Familie und Freundeskreis auch sein sollten – gerade an Weihnachten ist die Zeit, miteinander ins Gespräch zu kommen, meint Gabriele Höfling. Sie sieht auch die Geimpften in der Pflicht.

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Weihnachten steht vor der Tür. Ein Fest der Familie, das für den Wunsch nach Harmonie steht – aber genauso bekannt dafür ist, dass es auch ordentlich krachen kann, wenn sich die (Groß-)Familie trifft. Dieses Jahr liegt auch das Thema Corona mit unter dem Baum. Gerade unterschiedliche Meinungen zum Impfen können dabei wirken wie eine tickende Zeitbombe.

Da bleibt aus meiner Sicht nur ein Appell: Bitte hören Sie in Familie und Freundeskreis nicht auf, miteinander zu sprechen – trotz aller noch so scheinbar unüberwindbaren Unterschiede. Und das richtet sich auch und gerade an die Impfbefürworter.

So wichtig es ist, dass die Politik klare Regeln vorgibt: Im Privaten gibt es die Chance zu reden – und diese sollte unbedingt genutzt werden. Auch wenn es noch so schwerfällt: Therapeuten mahnen, bei Konflikten in Beziehungen und Freundschaften die Augenhöhe nicht zu verlassen. Der andere ist wahrscheinlich genauso überzeugt von seiner Meinung. Das gilt es zumindest ein Stück weit auszuhalten.

Wenn ich an meine eigene "Bubble" denke, dann bin ich nicht sicher, ob das immer so klappt. Oder ob wir Geimpften uns nicht manchmal allzu leichtfertig als die Guten fühlen und die anderen spüren lassen, wie sehr sie im Unrecht sind. Ich habe es selbst schon in meinem Freundeskreis gesehen, dass Leute sich aus dem Weg gehen. Andere trauen sich nicht, von ihren Vorbehalten zu erzählen. Das ist fatal. So sehr sich von Demokratieverweigerern und Querdenkern abzugrenzen ist, so ernst sollten Ängste genommen werden. Nur dann gibt es die Möglichkeit, andere zu überzeugen. Und auch das sagen Experten: Selbst wenn Menschen sich von DER Politik und DEN Medien abwenden – dann sind private Kontakte die letzte Chance, sie noch zu erreichen.

Also: Vielleicht schaffen wir es ja, zu Weihnachten einmal kurz innezuhalten, das eigene Auftreten zu reflektieren und den Gesprächsfaden nicht abreißen zu lassen. Das könnte zu einem Weihnachtfrieden im guten Sinne beitragen.

Von Gabriele Höfling

Die Autorin

Gabriele Höfling ist Redakteurin bei der Katholischen Nachrichten-Agentur und bei katholisch.de.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der jeweiligen Autorin bzw. des Autors wider.