Nach Vereinsverbot durch Bischof von Münster

Auch Bistum Essen untersagt Mitwirkung an "Totus Tuus"

Aktualisiert am 03.01.2022  –  Lesedauer: 

Essen ‐ Im vergangenen Jahr hat der Bischof von Münster der Gemeinschaft "Totus Tuus" aufgrund von Vorwürfen geistlichen Missbrauchs die kirchliche Anerkennung entzogen – nun zieht auch das Bistum Essen nach und verbietet seinen Mitarbeitern die Mitwirkung.

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Nach der Auflösung des kanonischen Vereins "Totus Tuus" im Bistum Münster verbietet nun auch das Bistum Essen seinen pastoralen Mitarbeitern die Mitwirkung in der Gemeinschaft. Im aktuellen Essener Amtsblatt teilt Generalvikar Klaus Pfeffer mit, dass die Anweisung des Münsteraner Bischofs ausdrücklich auch im Bistum Essen zu beachten sei. Im Münsteraner Dekret wird Mitarbeitern im pastoralen Dienst "jegliche Mitgliedschaft und Mitwirkung in welcher Form auch immer in der Vereinigung Totus Tuus" untersagt. Auf Anfrage sagte ein Sprecher des Bistums Essen gegenüber katholisch.de, dass es im Bistum keine organisierten Strukturen der Gemeinschaft gebe. "Totus Tuus" selbst gibt mit Verweis auf das Dekret keine Stellungnahmen ab.

Das Bistum Münster hatte die Bewegung 2004 als weltweit einziges Bistum als kanonischen Verein anerkannt. Die Anerkennung wurde im vergangenen Jahr per Dekret durch Bischof Felix Genn entzogen. Der zivilrechtliche Status als eingetragener Verein bleibt davon unberührt. Neben dem Verbot der Mitwirkung durch pastorale Mitarbeiter darf die Gemeinschaft sich nicht mehr als katholische Vereinigung bezeichnen, auf dem Diözesangebiet werden keine Veranstaltungen und Aktivitäten des Vereins geduldet. Gegen den Entzug hatte "Totus Tuus" beim Bischof Widerspruch eingelegt, den dieser abgelehnt hatte. Mit der Abweisung des Antrags auf Aufhebung des Dekrets durch den Diözesanbischof ist der Rechtsweg im Bistum Münster ausgeschöpft. Möglich ist nun noch eine Beschwerde beim in der römischen Kurie zuständigen Dikasterium für Laien, ein sogenannter "hierarchischer Rekurs". Gegen die Entscheidung des Dikasterium wäre der Rechtsweg zu den vatikanischen Gerichten möglich.

Das Bistum ging mit einer Visitation 2017 bis 2018 Vorwürfen ehemaliger Mitglieder der Gemeinschaft nach, die Gemeinschaft pflege sektenartige Strukturen. Die Rede war unter anderem von blindem Gehorsam und beeinträchtigter Freiheit besonders im Bereich von Sexualität und Ehe. Ein auf die Visitation folgender Gesprächs- und Aufarbeitungsprozess, der 2020 mit einem Abschlussbericht endete, führte nach Angaben des Bistums zu keinem Ergebnis. Die "Totus Tuus"-Verantwortlichen seien "nicht willens, bereit und in der Lage", die in einem Untersuchungsbericht festgehaltenen schwerwiegenden Mängel im geistlichen Umgang mit Mitgliedern einzusehen und abzustellen, heißt es im aktuellen Auflösungsdekret. Bereits 2019 hatte die Leitung der Gemeinschaft die Vorwürfe zurückgewiesen; es habe lediglich "kommunikative und zwischenmenschliche Fehler" gegeben. Zudem sprach sie von einer "Überforderung einzelner Mitglieder". (fxn)