Auf Drängen der Opfer des Geistlichen Fernando Karadima

Wegen Missbrauchsfall: Gemeinde entzieht Kardinal Ehrenbürgerschaft

Aktualisiert am 07.01.2022  –  Lesedauer: 

Santiago ‐ Kardinal Francisco Javier Errazuriz sei eines der "dunkelsten Gesichter der Vertuschung von sexuellem Missbrauch in der Kirche in unserem Land", klagen Missbrauchsopfer. Die chilenische Gemeinde Nunoa setzt deshalb nun ein Zeichen.

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Eine Gemeinde in Chile hat Kardinal Francisco Javier Errazuriz auf Drängen der Missbrauchsopfer des katholischen Geistlichen Fernando Karadima die Ehrenbürgerschaft entzogen. Wie das Portal "BioBio" am Donnerstag (Ortszeit) berichtete, stimmte das Stadtparlament von Nunoa einem entsprechenden Antrag zu. Zuvor hatten Opfer des 2011 verurteilten Karadima einen Brief mit der entsprechenden Forderung an Nunoas Bürgermeisterin Emilia Rios geschickt.

Zu den Unterzeichnern zählt demnach auch Juan Carlos Cruz, der inzwischen Papst Franziskus beim Kampf gegen Missbrauch innerhalb der Kirche berät. In dem Brief wird Errazuriz als eines der "dunkelsten Gesichter der Vertuschung von sexuellem Missbrauch in der Kirche in unserem Land" bezeichnet.

Kardinal Errazuriz wird unter anderem vorgeworfen, in seiner Zeit als Erzbischof von Santiago de Chile (1998-2010) die Strafverfolgung im Falle Karadimas aktiv verhindert sowie in seiner späteren Aussage Meineid geleistet zu haben.

Kardinal sei einer der schlimmsten Vertuscher

"Wir glauben, dass diese Form der Entscheidung in die richtige Richtung führt", sagte Bürgermeisterin Rios laut "BioBio". "Das ist eine gute Nachricht für die Gemeinde von Nunoa und für die Opfer von sexuellem Missbrauch." Auch der Missbrauchsbetroffene Cruz zeigte sich gegenüber chilenischen Medien zufrieden mit der Entscheidung. Kardinal Errazuriz sei einer der schlimmsten Vertuscher, der die Kultur des Missbrauchs und des Vertuschens angeführt habe, sagte Cruz laut "Radio Chile".

Der als charismatisch beschriebene Karadima stand im Mittelpunkt einer großen Missbrauchskrise in der chilenischen Kirche. Er wurde 2011 wegen sexueller Vergehen verurteilt. Aus seinem Kreis gingen mehrere Bischöfe hervor, darunter auch der zurückgetretene Bischof Juan Barros (62) von Osorno, den Opfer Karadimas der Mitwisserschaft beschuldigten. Der Widerstand der Gläubigen in der Diözese Osorno war mit maßgeblich dafür, dass der Papst und die chilenische Kirche schließlich einer umfassenden Aufklärung der Vorwürfe zustimmten.

Papst Franziskus entließ Karadima Ende September 2018 aus dem Klerikerstand. Medienberichten zufolge ermittelte Chiles Justiz zeitweise in mehr als 150 Verdachtsfällen wegen Missbrauchs gegen über 200 Kirchenmitarbeiter. Bei den mutmaßlichen Betroffenen gehe es um über 240 Personen, von denen 123 zum Tatzeitpunkt minderjährig waren. Auf dem Höhepunkt der Krise hatten 29 chilenische Bischöfe ihr Amt zur Verfügung gestellt, um einen Neuanfang zu ermöglichen und Verantwortung zu übernehmen. Der Papst hatte allerdings nur einige Rücktritte angenommen. (KNA)