Priester wirft Oberhirten "grenzverletzendes Verhalten" vor

Übergriffsvorwurf gegen ehemaligen Münsteraner Bischof Lettmann

Aktualisiert am 19.01.2022  –  Lesedauer: 
Der emeritierte Bischof von Münster Rheinhard Lettmann (1933-2013).
Bild: © KNA

Münster ‐ "Es handelt sich um den ersten Vorwurf dieser Art gegen den verstorbenen Bischof": Der frühere Münsteraner Oberhirte Reinhard Lettmann wird beschuldigt, einen Priester in "grenzverletzender, übergriffiger Weise berührt" zu haben.

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Gegen den verstorbenen Bischof von Münster, Reinhard Lettmann, liegt ein Vorwurf grenzverletzenden Verhaltens gegenüber einem Priester vor. Wie das Bistum Münster am Mittwoch mitteilte, hat ein in den Jahren 1974 bis 1987 im Bistum tätiger Priester den Vorwurf im Dezember gegenüber dem Interventionsbeauftragten der Diözese, Peter Frings, vorgebracht. Lettmann, der das Bistum von 1980 bis 2008 leitete, soll den damals schon erwachsenen Betroffenen "bei einer kurzen persönlichen Begegnung in Münster in grenzverletzender, übergriffiger Weise berührt" haben. Der Priester habe seine Aussage mit einer eidesstattlichen Versicherung bestätigt.

Erster Vorwurf dieser Art

"Es handelt sich um den ersten Vorwurf dieser Art gegen den verstorbenen Bischof", sagte Frings laut Mitteilung. Den genauen Sachverhalt werde man seiner Ansicht nach nicht mehr aufklären können, Zeugen konnten nicht namentlich benannt werden. "Die in dieser Zeit bei Bischof Lettmann tätigen Bischofskapläne habe ich befragt; sie konnten zu dem Sachverhalt nichts sagen", ergänzt Frings. Der Vorwurf werde ernst genommen und wurde umgehend den Historikern der Universität Münster vorgelegt, die derzeit an einer Studie zur Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs in der Diözese arbeiten.

Bereits 2020 hatten die Wissenschaftler erste Ergebnisse ihrer Studie vorgestellt, die in diesem Jahr abgeschlossen werden soll. Den Zwischenergebnissen zufolge zeigten Bischöfe und andere Verantwortliche, insbesondere auch Lettmann, große Milde für Missbrauchstäter unter den Klerikern und "massives Leitungs- und Kontrollversagen". Die Bischöfe hätten "nicht nur moralisch, sondern auch juristisch und kirchenrechtlich nicht korrekt gehandelt".

Der 1933 im westfälischen Datteln geborene Lettmann war seit 1973 Weihbischof und ab 1980 Diözesanbischof von Münster. Bereits 2018 wurde bekannt, dass Lettmann Anfang der 1970er-Jahre als Generalvikar einen bereits wegen Missbrauchstaten gegenüber Kindern verurteilten Kaplan mehrfach versetzt hatte. (fxn)