Ex-Bundestagspräsident verteidigt deutsches Staat-Kirche-Verhältnis

Lammert: Eindruck sinkender Bedeutung von Religion täuscht

Aktualisiert am 17.05.2022  –  Lesedauer: 

Berlin ‐ Verschwindet die Religion aus dem politischen Diskurs? Wer das so sehe, liege falsch, sagt der frühere Bundestagspräsident Norbert Lammert. Zudem verteidigt er das deutsche Verhältnis von Staat und Kirchen.

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Der frühere Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) geht davon aus, dass Religion im politischen Diskurs nicht an Bedeutung verliert. Aus westlicher Perspektive erscheine Beobachtern die Säkularisierung als eine der hervorstechendsten und nicht abwendbaren Merkmale der Gegenwart, sagte der Vorsitzende der Konrad-Adenauer-Stiftung am Dienstag in Berlin. Der Eindruck täusche aus seiner Sicht doppelt, fügte er hinzu.

Zum einen seien Religionen weder aus den Gesellschaften noch aus der Politik verschwunden. Zum anderen neigten Europäer dazu, "die eigene Entwicklung als die einzig Mögliche zu halten", sagte Lammert. Weltweit erlebe man aber eine Revitalisierung von Religion im öffentlichen Raum, zugleich auch eine stärkere Instrumentalisierung. "Darüber wollen und müssen wir auch reden", sagte Lammert.

"Intelligente Verbindung" von Staat und Kirchen

Er verteidigte das deutsche Verhältnis von Staat und Kirchen. Die historisch gewachsene Trennung solle aufrechterhalten werden. Zugleich müsse es aber auch "eine intelligente Verbindung" geben. Es sei nicht so, "als hätten die beiden nichts miteinander zu tun".

Lammert äußerte sich bei einer Veranstaltung zum 70. Jahrestag des Evangelischen Arbeitskreises der CDU und CSU (EAK), die von der Adenauer-Stiftung ausgerichtet wurde. Der EAK wurde am 14. März 1952 in Siegen gegründet. Anliegen war es damals, die evangelischen Stimmen in den Unionsparteien zu stärken. Die konfessionellen Unterschiede haben über die Jahre innerhalb der CDU und CSU wie auch gesamtgesellschaftlich an Bedeutung verloren. Heute versteht sich der Arbeitskreis vor allem als innerparteiliches Forum für Wertediskussionen sowie Brücke zwischen Politik und Kirchen.

Norbert Lammert (73) gehörte von 1980 bis 2017 dem Deutschen Bundestag an und war von 1989 bis 1998 Parlamentarischer Staatssekretär. Ab 2002 war er Vizepräsident und von 2005 bis 2017 Präsident des Bundestags. Den Vorsitz der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung hat er seit dem 1. Januar 2018 inne. (mal/epd)